Bad Staffelstein

Gruseln mit Genuss gepaart

Diesmal gab es Wildkrapfen und Pilzsauce und einen grandiosen Ausblick von einer früheren Richtstätte.
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Die Wanderung und die Nachhut der Wandergruppe aus der Pilzperspektive. Fotos: Markus Häggberg
Die Wanderung und die Nachhut der Wandergruppe aus der Pilzperspektive. Fotos: Markus Häggberg
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Mispelmarmelade. Das gibt es wirklich, und das gibt es in den Biskuitrollen von Angelika Herbst. Die Genusswanderungen heißen nicht umsonst so. Am Mittwoch war es die 13., die das neuerliche Genusswandern des Kur- und Tourismusservice prägte: 13 Kilometer Strecke und der 13. Streifzug dieser Art in dieser Saison.

Hildegard Wächter steht am abgelassenen Brunnen auf dem Dorfplatz in Wiesen. Die erfahrene Wanderführerin notiert gegen 10 Uhr die Teilnehmerzahlen und begrüßt an diesem Ausgangspunkt die Ankommenden. Es sind zumeist bekannte Gesichter, sieht man eben von denen der Walthers mal ab. Simone und Mirko Walther sind Urlaubsgäste aus dem sächsischen Döbeln, und sollte es sie je wieder an den Obermain verschlagen, dann würden sie eine Zweitauflage ihres Erlebnisses mitlaufen. "Wir sind begeistert von Landschaft, Leuten und Essen", sagt Simone Walther gegen 15.40 Uhr, knapp fünfeinhalb Stunden nach Marschbeginn.

Buchstäblich den Krebs angehen

Aber in dieser Wandergruppe haben viele ihre Geschichte. So wie Klaus. Der 78-Jährige ist ein bekanntes Gesicht in der Runde, aber was viele nicht wissen, ist, dass es ihm auch Ernst ist mit dem Spaß am Wandern. Der Senior geht gegen den Krebs an - im wahrsten Sinne des Wortes. Er tut es mit guter Laune, mit Erfolg und er tat es auch schon am Vortag.

Es geht vorbei an Streuobstwiesen, Anhöhen hinauf und in Richtung Döringstadt. Die Wege, auf welchen die insgesamt 23 Wanderer an diesem Tag unterwegs sein werden, werden unter anderem der Mainwanderweg oder der Sieben-Flüsse-Weg sein. Auf jeden Fall wurde die Strecke vorher von Wächter abgegangen. Irgendwo auf einer Anhöhe und einer Kapelle begegnet man einem Mann: Norbert Herbst. Der Mann ist Jäger, unter anderem. Er ist aber auch der Ehemann von Angelika Herbst, der Frau, die in Döringstadt gerade dabei ist, für die bald ankommenden Wanderer "Wildkrapfen und Pilzsauce" zu zaubern, überdies Brot mit Wildschweingriebenschmalz bzw. eine Pastete. Vorbereitungen dazu traf sie schon am Vortag, und am Ende ist auch sie erschöpft. "Ein Arbeitstag geht drauf", sagt die Frau mit guter Laune.

Der genussinformative Teil

23 Wanderer haben 23 Mal Appetit - multipliziert mit drei Gängen zwischen Semmelklos und Kaffee und Kuchen. Aber noch hört man unweit einer alten Handelsmagistrale zwischen Erfurt und Hallstadt auf dem Weg zu einer einstigen Richtstätte ihrem Mann zu, der Jägerlatein oder die Unterschiede zwischen Damm- und sonstigem Wild erklärt. Heute ist Herbst einer der Programmpunkte des Tages, quasi der genussinformative Teil der Wanderung. Er geht mit bis nach der einstigen Richtstätte, die von zwei mächtigen verkrüppelten Bäumen eingefasst ist und von wo ein einstiger Delinquent einen letzten, aber grandiosen Blick auf Kloster Banz, den Staffelberg und Vierzehnheiligen bzw. den Ort, an dem die Basilika später errichtet wurde, gehabt haben dürfte.

Auch die achtjährige Rosalie Renner ist dabei und wundert sich philosophisch, weshalb dieselben Farben in der Natur besser als an der Kleidung zusammenpassen.

Höhepunkte des Tages sind die Einkehr in Döringstadt sowie die drei Mahle und der gut einstündige Aufenthalt bei Angelika Herbst. Dann gilt es den Heimweg anzutreten, vorbei an Frankens schönstem Wehrturm von 1412, wie ein Schild am örtlichen Kirchturm vermerkt. Nach fünfeinhalb Stunden ist eine ereignisreiche Wanderung vorüber.

Walthers wollen 2020 wieder dabei sein - auf welcher der rund 14 Strecken auch immer.

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