Lichtenfels

Grünes Licht für Marktplatz 2

Der Bauausschuss der Stadt Lichtenfels macht den Weg frei für den futuristischen Neubau der Firma Hofmann in Lichtenfels, der im Vorfeld für kontroverse Diskussionen gesorgt hatte.
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So sieht der Entwurf für das Haus Marktplatz 2 aus. Repro: Jutta Rudel
So sieht der Entwurf für das Haus Marktplatz 2 aus. Repro: Jutta Rudel

Dieses Gebäude wird die Innenstadt auf Jahrzehnte hinaus prägen, die Gemüter erhitzen oder für Begeisterung sorgen. Denn am Dienstagabend erteilte der Bauausschuss einstimmig sein gemeindliches Einvernehmen für den Bau des "Archivs der Zukunft" am Marktplatz 2.

Am Tag zuvor hatte der Stadtrat für einen Neuerlass der "Gestaltungs- und Erhaltungssatzung für den historischen Kern von Lichtenfels" votiert und damit den Weg für die Errichtung das futuristischen Gebäudes aus planerischer Sicht freigemacht. In ihr ist nämlich festgelegt, dass unter anderem für den Marktplatz "Einzelabweichungen gewährt werden, wenn städtebauliche sowie gestalterische Belange nicht entgegenstehen".

Stadtbaumeister Gerhard Pülz betonte bei der Vorstellung des Vorhabens, das als Punkt 10 "Bauantrag Neubau eines Verwaltungsgebäudes" auf der Tagesordnung der Sitzung behandelt wurde, dass dieses Projekt von Preisgericht und Jury positiv bewertet wurde. "Wir erhalten hier ein Aushängeschild für die Stadt Lichtenfels", betonte Pülz und erklärte, dass es für das "Archiv der Zukunft" keinerlei planungsrechtliche Bedenken gebe.

Die Mitglieder des Bauausschuss zeigten sich bis auf eine Ausnahme von dem Gebäude begeistert. Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) nannte das "Archiv der Zukunft" ein "städtebauliches Highlight", das Maßstäbe setze. Frank Rubner (CSU) erinnerte daran, dass das Gebäude ein Gesprächsthema sei. "Auch wenn manche Bürger meinen, es sei zu modern, brauchen wir es, um eine touristische Attraktion draufzulegen", sagte Rubner und verglich das "Archiv der Zukunft" mit dem Kuchlbauer Turm einer bayerischen Brauerei, der vom weltberühmten Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet worden ist und sich zu einem einzigartigen Anziehungspunkt entwickelt habe. "Ich freue mich über jeden Touristen, den wir dadurch mehr nach Lichtenfels locken."

Siegbert Koch (Bündnis 90/Die Grünen) wollte wissen, was der Denkmalschutz zu dem Bauwerk mit seiner aus auf 600 Grad erhitzten Edelstahl-Konstruktion sage. Dazu Bürgermeister Hügerich: "Das Landratsamt als zuständige untere Denkmalschutzbehörde war mit einem Vertreter im Gestaltungsbeirat im Vorfeld des Entscheides dabei und hat alles mitgetragen."

Meinung geändert

Helmar Zipp (SPD) räumte ein, anfangs Bedenken gegen das Vorhaben gehabt zu haben, doch dann war er nach der Vorstellung des Projekts begeistert. "Es wird keinen Touristen geben, der hier nicht ein Foto schießt", sagte er, und seine Fraktionskollegin Elke Werner bemerkte, dass das "Archiv der Zukunft" dem Marktplatz ein völlig neues Flair verleihe.

Während Otto Dinkel (CSU) das Bauwerk als "Hingucker" bezeichnete, das vielleicht interessanter werde als das Rathaus, kamen von seinem Parteifreund Alfred Thieret kritischere Töne. "Wir sollten nicht nur an den Tourismus denken, sondern auch berücksichtigen, dass mit dem neuen Gebäude das Ensemble gestört wird. Natürlich ist das Haus ein Highlight, aber vielleicht am verkehrten Platz", sagte der Seubelsdorfer. Trotz seiner mahnenden Worte erteilte er wie alle anderen Bauausschussmitglieder das gemeindliche Einvernehmen für das "Archiv der Zukunft".

Neben diesem Jahrhundertprojekt wurden noch andere Punkte im Gremium behandelt. So gab Stadtbaumeister Gerhard Pülz einen Sachstandsbericht über den Fortschritt der Erschließung des Gewerbegebiets "An der Zeil II". Der Oberflächenwasserkanal ist fertiggestellt, ebenso die Arbeiten an Gas- und Wasserleitungen. Mit dem Straßenbau solle im kommenden Januar begonnen werden. "Wir liegen im Zeitplan und werden wie geplant im Spätherbst 2019 das Gewerbegebiet fertigstellen", sagte Pülz, der ferner freudig verkündete, dass auch die Baukosten in Höhe von rund 6,1 Millionen Euro eingehalten würden.

Ein weiteres Millionenvorhaben ist die Sanierung des Rathauses I, über dessen Fortschritt Hochbaumeister Ulrich Sünkel berichtete. Man habe unter anderem einen Wartebereich geschaffen, die historische Treppe mit ihrem Geländer gereinigt (Sünkel: "Das sieht aus wie neu!") und das Einwohnermeldeamt neu gestaltet.

Anstehen würden jetzt noch die Sanierung der Stuckdecke, der Wände und des Parkettbodens im historischen Sitzungssaal, der Außenfassade des Erdgeschosses und die Fertigstellung der Brandmeldeanlage. Kosten sollte die Renovierung 1,917 Millionen Euro, allerdings entstanden Sünkel zufolge wegen nicht vorhersehbarer Gegebenheiten Mehrausgaben von 300 000 Euro. "Wir rechneten nach ersten Schätzungen mit knapp 2,5 Millionen Euro, werden aber doch mit Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro davonkommen", sagte der Hochbaumeister. hub



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