Forchheim

Grünes Feuer aus Forchheim

Seit einem halben Jahr ist Lisa Badum Bundestagsabgeordnete für das Bündnis 90/Die Grünen. Mit dem FT sprach die Forchheimerin über ihre Rolle als klimapolitische Sprecherin - und über ihre erste Berliner Konfrontation.
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Foto: Thomas Trutschel / photothek.net/Deutscher Bundestag
Foto: Thomas Trutschel / photothek.net/Deutscher Bundestag
Lisa Badum ist die erste Abgeordnete aus dem Wahlkreis Bamberg-Forchheim, die für das Bündnis 90/Die Grünen in das Bundesparlament gewählt wurde. Seit einem halben Jahr macht die 34-jährige Forchheimerin nun Politik in Berlin. Beim Frühlingsempfang der Kreis-Grünen gab Lisa Badum ihren ersten "Bericht aus Berlin" vor heimischem Publikum.
"Sehr stolz" seien die Grünen darauf, dass Lisa Badum den Sprung in den Bundestag geschafft habe, sagte Karl Waldmann, der Kreis-Fraktionssprecher und langjährige Mentor von Lisa Badum. Ihr Bericht aus Berlin klinge so, als wäre sie schon eine "alte Häsin", lobte Waldmann.
Am Rande des Empfangs sprach die Forchheimer Abgeordnete mit dem FT über ihre ersten Schritte auf dem Berliner Parkett.

Bei Ihrer ersten Rede im Bundestag gab es einen Moment, als Sie die geballte Faust hochstreckten. Eine einstudierte Geste?
Lisa Badum: Das war nicht geplant, sondern hat sich im Eifer des Gefechtes ergeben. So etwas kann passieren, wenn einen das Gefühl mitreißt.

Wie waren die ersten Schritte in der Grünen-Fraktion. Konnten Sie Ihre Wunschposition einnehmen? Oder muss man am Anfang nehmen, was man kriegt?
Weder noch. Ich wollte Energiepolitik machen, weil ich beruflich aus diesem Themenfeld komme. So habe ich mich auch positioniert. Doch dann hat es vier Monate gedauert, bis die Sprecherpositionen zugewiesen wurden. Und als die klimapolitische Sprecherin dann als Bundesvorsitzende kandidiert hat, habe ich dann gleich meinen Hut für das Thema Klima in den Ring geworfen. Das ist sogar besser als das, was ich ursprünglich wollte. Als klimapolitische Sprecherin bin ich breiter aufgestellt als in der Energiepolitik. Als Neue gleich so einen Posten zu bekommen, ist aber tatsächlich nicht selbstverständlich und ich freue mich sehr darüber.

Können Sie sich als klimapolitische Sprecherin mit derselben Freiheit ausdrücken, wie Sie das vom Forchheimer Kreistag gewohnt waren?
Im Klimabereich, das ist ein spannendes Thema. Etwa wenn es um den Kohle-Ausstieg geht. Ich kann zu hundert Prozent der Zeit mit Leidenschaft dabei sein. Auch hier kann ich meinen eigenen Stil haben, aber natürlich ist es ein neues Parkett.
Worin besteht der Unterschied, im Umweltausschuss des Kreistages oder im Umweltausschuss des Bundestags zu reden?
In Berlin ist es ein ganz anderes Format. Da ist zu jedem Tagesordnungspunkt eine Frage von jeder Fraktion erlaubt - und eventuell eine Nachfrage.

Und damit kommen Sie zurecht?
Beim ersten Mal war es schwierig. Ich habe etwas beharrlicher nachgefragt - und wurde zurechtgewiesen. Die Staatssekretärin und einige Mitglieder des Ausschusses sagten mir, so etwas kenne man hier nicht. Dies hier sei ein harmonischer Ausschuss.

Eine entmutigende Erfahrung?
Nein. Ich habe schnell bemerkt, dass nichts, was jemand sagt, unverrückbar ist. Am Anfang war ich etwas zögerlicher. Aber wenn ich einen Impuls geben will, muss ich dafür aufstehen. Man kann eben nicht warten, bis man angesprochen wird. Ich komme da langsam rein, schließlich bin ich nur meinem Gewissen verpflichtet. Die Wählerinnen und Wähler geben mir das Mandat und niemand sonst.

Haben Sie Kontakt zu den Wählern oder frisst Sie die Arbeit in Berlin bereits auf?
Es ist sehr viel organisatorische Arbeit am Anfang und noch immer suche ich ein Büro im Wahlkreis. Und auch Dinge wie E-Mails lesen und Reden schreiben benötigen viel Zeit. Aber ich treffe auch viele Menschen.

Und haben auch Zeit, Berlin privat zu erleben?
Einmal war ich mit meiner Nichte im Naturkundemuseum. Und einmal bei einer Lesung der Schriftstellerin Angelika Klüssendorf. Aber um wirklich Zeit für mich in Berlin zu haben, müsste ich hinfahren, wenn keine Sitzungswoche ist.

In den Kreistagssitzungen waren Sie für Ihren mitunter konfrontativen Stil bekannt. Gab es schon eine bemerkenswerte Konfrontation in ihrer Bundestagskarriere?
Bei einer Begegnung mit der Staatssekretärin haben wir uns nichts geschenkt, es war wie Feuer und Wasser. Ihr Hinweis, dass sie in meinem Alter auch noch so idealistisch gewesen sei, hat mich erst recht geärgert und ich habe ihr gesagt, dass ich den Hinweis auf das Alter unpassend finde. Solche Zusammenstöße können befruchtend sein, aber ich lege es nicht darauf an.

Haben Sie das Gefühl, etwas zu bewegen?
Ja, die Arbeit ist sehr konkret. Etwa bei den Abstimmungen mit den Umweltverbänden. In den letzten Wochen habe ich drei Wirtschaftspodien besucht. Ein Podium war vom Bund der Deutschen Industrie. Ich hatte ein bisschen Muffensausen. Aber alle Podien haben unsere Grünen Positionen bestätigt: CO2 muss seinen Preis haben und wir können das Bewusstsein dafür schaffen. Ich habe das Gefühl, dass ich die Ideen verfolgen kann, die mir wichtig sind und dass mich keiner aufhält. Das gibt mir das Gefühl, etwas zu bewegen.

Haben Sie auch Kontakt zu Ihrem Heimatwahlkreis? Kriegen Sie etwas mit von den ganz normalen Sorgen in der Region?
Ich bin in der Regel zwei Wochen in Berlin und zwei Wochen in Franken. Aber der Kontakt zu den Wählerinnen und Wählern in der heimischen Region kann schon noch mehr werden. Der Kontakt zu Vereinen ist gut, aber ich habe das Gefühl, manche Bürgerinnen und Bürger empfinden es als Hürde, sich an mich zu wenden. Jeder kann mir schreiben. Das könnte noch mehr werden - und ich möchte auch noch mehr draußen sein.

Das Interview führte
Ekkehard Roepert
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