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Diskussion

Grüne ermutigen Frauen, sich verstärkt in der Kommunalpolitik zu engagieren

Kann ich das? Schaffe ich das? Was denken die Leute von mir? "Solche und ähnliche Fragen stellen sich Frauen oft, wenn es darum geht, in einem politischen Gremium Verantwortung zu übernehmen", sagt Da...
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Dagmar Keis-Lechner
Dagmar Keis-Lechner

Kann ich das? Schaffe ich das? Was denken die Leute von mir? "Solche und ähnliche Fragen stellen sich Frauen oft, wenn es darum geht, in einem politischen Gremium Verantwortung zu übernehmen", sagt Dagmar Keis-Lechner, Bezirkstagsvizepräsidentin und Vorsitzende des Grünen-Kreisverbands. Letzterer hatte am Mittwoch in die Kommunbräu eingeladen, um über das Thema "Frauen! m/Macht! Politik!" zu informieren und Frauen dazu zu ermutigen, Position zu beziehen und sich in das politische Geschehen einzubringen.

Zur Einstimmug wurde der Kurzfilm "Krippenwahn" gezeigt, in dem sich eine berufstätige, werdende Mutter auf der verzweifelten Jagd nach einem Krippenplatz befindet. "Wäre die Situation anders, wenn wir mehr Frauen in den Gremien hätten?", fragte Dagmar Keis-Lechner in die Runde. Der Frauenanteil in der Bevölkerung mache mehr als 50 Prozent aus, wenn es aber um die Politik gehe, erreiche man in den besten Fällen maximal 30 Prozent. Frauen seien konditioniert, sich anzupassen und weniger die Konfrontation zu suchen, "wir sind anders, das muss sich in den Gremien widerspiegeln".

Also ist doch die Quote die Lösung? Susanne Bauer, Bezirksvorsitzende der Grünen, setzt sich dafür ein. "Warum diskutieren wir bei Frauen immer über die Eignung, während das bei Männern kein Diskussionspunkt ist?" Das komme ihrer Meinung nach daher, dass an Frauen andere Erwartungen gestellt werden, sie oftmals einer Mehrfachbelastung ausgesetzt sind. Dabei sei die politische Arbeit sehr wertvoll, meinte Dagmar Keis-Lechner. "Ich will Frauen für diese Arbeit begeistern, sie hat mich selbst geprägt und vorangebracht." Organisation, Finanzen, Kreativität, Ideen einbringen - all das seien Fähigkeiten, die man sich in politischer Verantwortung aneigne.

Eine, die sich seit sechs Jahren in der Politik engagiert, ist Barbara Poneleit, Gemeinderätin der Grünen in Igensdorf, Landkreis Forchheim. Jetzt ist sie so weit, dass sie für das Bürgermeisteramt ihrer Gemeinde kandidieren wird.

"Unser Ortsverband hat sich 2013 kurz vor der Landtagswahl gegründet", erzählte sie. Zu zweit säßen sie im Gemeinderat und hätten seitdem einiges bewegt. "Wir haben zum Beispiel eine Bürgersprechstunde vor den Gemeinderatssitzungen für mehr Mitsprache durchgesetzt", erklärte sie und appellierte insbesondere an die Frauen, sich einzubringen. "Ihr habt das Problem, dass es keine Krippenplätze in eurem Ort gibt? Nun, genau das wird hier in der Gemeinde entschieden." Natürlich würden die Grünen nicht fordern, dass jede Frau arbeiten gehen muss, oft sei es aber gar nicht anders möglich.

"So verhält man sich nicht"

Ein weiteres Argument für mehr Frauen in politischen Gremien lieferte Dagmar Keis-Lechner. "Oft ist es ein Einzelner, der viele beeinflusst, nur weil er am lautesten brüllt", sagte sie. Hier seien die Frauen gefragt, indem sie darauf aufmerksam machen: "So verhält man sich nicht, das ist schädlich für die Gemeinschaft." Eine solch bürgernahe, aktive Politik sei anfangs vielleicht etwas anstrengend, aber die Kreisrätin ist überzeugt, dass es sich lohnen würde. "Wir müssen Denkanstöße setzen, Dinge infrage stellen", ergänzte Susanne Bauer. Das allein würde schon viel bewirken.

Doch auch die Männer könnten ihren Beitrag zu mehr Einbindung von Frauen leisten, das beginne mit der Sprache. "Frauen werden durch einen gewissen Sprachgebrauch oft klein gemacht, das nennt man Alltagssexismus", sagte Bauer.

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