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Bad Rodach

Grüne: "Als Partei angekommen"

Bad Rodachs Grüne holten mit Katrin Göring-Eckardt eine Spitzenpolitikerin ihrer Partei als Unterstützerin im Ringen um Wählerstimmen in die Stadt. Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in Hanau.
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Freude über den Gast aus der Grünen-Bundesspitze an der Basis in Bad Rodach (von links): Ramona Stegner, Ina Sinterhauf, Bernd Lauterbach, Katrin Göring-Eckardt, Werner Zoufal, Dagmar Escher, Gerhard Kirchner und Karin Ritz. Foto: Christoph Winter
Freude über den Gast aus der Grünen-Bundesspitze an der Basis in Bad Rodach (von links): Ramona Stegner, Ina Sinterhauf, Bernd Lauterbach, Katrin Göring-Eckardt, Werner Zoufal, Dagmar Escher, Gerhard Kirchner und Karin Ritz. Foto: Christoph Winter

Etwa eine halbe Stunde hat Katrin Göring-Eckardt im Festsaal des Bad Rodacher Jagdschlosses, dem Haus des Gastes, die Vorstellungen von Bündnis '90 / Die Grünen erläutert, ehe sie auf die fremdenfeindliche Bluttat mit elf Toten zwei Tage zuvor in Hanau zu sprechen kommt.

Der Täter habe sich auf eine Stimmung stützen können, "deren politischer Arm im Bundestag sitzt", sagt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis '90 / Die Grünen. Sie verliest die Namen der Opfer. Im Saal herrscht lautlose Stille, Betroffenheit wird greifbar. Hoffnungsvoll stimmt die Spitzenpolitikerin, dass "die Zivilgesellschaft gegen den Terror zusammensteht", dass es Mahnwachen im Lande gibt. Die Veranstaltung der Grünen und des Offenen Kreises Bad Rodach begann auch still, mit einer Gedenkminute an die Toten in der hessischen Stadt, "denn wir stehen immer noch unter dem Eindruck dieser unfassbaren Bluttat", so der Sprecher des Offenen Kreises, Werner Zoufal.

Vor etwa einem halben Jahr hat Werner Zoufal die Grünen-Fraktionsvorsitzende beim Wahlkampf in Sonneberg getroffen. Und weil Göring-Eckardt aus dem Kreis Gotha stammt, ist ihr der Stadtname selbstverständlich im Idiom der Thüringer als "Sumbarch" geläufig. Sie sagte dem Bad Rodacher zu, die Thermalbad-Stadt zu besuchen.

Politik dürfe sich nicht nur auf die großen Städte beschränken, so Göring-Eckardt, die den Klimawandel als eine "riesige Herausforderung" sieht. Im ländlichen Raum, also auch in und um Bad Rodach, werde motorisierter Individualverkehr unabdingbar sein. "Deshalb fordern wir Grüne, die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Bürger gleich zurückzugeben." Stadt und Land müssten zusammenarbeiten und als Einheit gesehen werden. Sie forderte eine zügige Klima- und Verkehrswende und "eine andere Landwirtschaftspolitik". Geboten sei, mit allen Bevölkerungsgruppen zu reden, auch mit den protestierenden Bauern oder der Industrie. Ihre Partei arbeite daran, Planungsprozesse zu verkürzen. "Es muss bei Bauvorhaben eine Umweltverträglichkeit reichen und eine juristische Einspruchsmöglichkeit."

Die Gesellschaft sieht Katrin Göring-Eckardt aktuell in "einer unfassbar politischen Zeit". Zwei ehemalige Volksparteien bildeten die Große Koalition und die Grünen seien mit einer neuen Situation konfrontiert: "Wir Grünen waren immer fürs Chaos zuständig", jetzt stehe man in der politischen Verantwortung und sei "als Partei angekommen", so die Fraktionsvorsitzende, die dem Realo-Flügel zugeordnet wird und als Protagonistin eines eher wertkonservativ fundierten grünen Lebensstils gilt.

Statements statt Fragen

Die Wirtschaft arbeite am Wandel, wobei die Menschen mitgenommen werden müssten. Zuvor hatten die Bad Rodacher Grünen ihre Kandidaten für Stadtrats- und Kreistagswahl am 15. März sowie das Wahlprogramm vorgestellt. Kreistags-Spitzenkandidatin Dagmar Escher erinnerte an den verhinderten neuen Verkehrslandeplatz bei Neida und die Querelen um den Regiomed-Konzern. "Das Klinikum muss in kommunaler Hand bleiben. Es ist falsch, mit Gesundheit Geld verdienen zu wollen." Bei allen politischen Entscheidungen sei der Klimaaspekt zu berücksichtigen.

Hier war sie sich mit Ina Sinterhauf einig, die für die Grünen das Amt des Oberbürgermeisters von Coburg gewinnen will. Städte und Gemeinden hätten beim Baurecht und beim Öffentlichen Personennahverkehr klimapolitische Einflussmöglichkeiten. Die anschließende Fragerunde geriet aus dem Fahrwasser, gab es doch eher politische Statements denn tatsächliche Fragen.

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