Coburg
geschichtsblätter

Gründung von Brose, Kaeser und Waldrich

Wer hisste die Weiße Fahne auf der Veste Coburg bei Kriegsende 1945? Dieser Frage geht Alexander Wolz, Leiter des Staatsarchivs Coburg, in der neuesten Ausgabe der Coburger Geschichtsblätter nach, die...
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Die neue Ausgabe der Coburger Geschichtsblätter  Foto: C. Boseckert
Die neue Ausgabe der Coburger Geschichtsblätter Foto: C. Boseckert

Wer hisste die Weiße Fahne auf der Veste Coburg bei Kriegsende 1945? Dieser Frage geht Alexander Wolz, Leiter des Staatsarchivs Coburg, in der neuesten Ausgabe der Coburger Geschichtsblätter nach, die sich dieses Mal schwerpunktmäßig mit dem 19. und 20. Jahrhundert beschäftigen. Wolz konnte bei seiner Fragestellung auf bisher unberücksichtigte Quellen zurückgreifen, die hier erstmals veröffentlicht werden. Aus seiner Feder stammt auch ein Aufsatz über den Coburger Politiker und Verleger Feodor Streit (1820-1904), der sich um die politische Einigung Deutschlands im 19. Jahrhundert bemühte und dabei Kontakte unter anderem zu Herzog Ernst II., Ferdinand Lasalle und Karl Marx pflegte.

Mit der Geschichte des früheren Uniontheaters und seiner Chefin Margarethe Birnbaum (1899-1979) beschäftigte sich der Historiker Christian Boseckert (Coburg/Würzburg). Dem schließt sich eine Bilddokumentation über den baulichen Zustand des alten Kinos und dessen Abbruch im Jahre 1999 an. Gefertigt wurden diese Bilder von Karl-Ulrich Pachale (Historische Gesellschaft Coburg). Zudem untersuchte Boseckert die Entwicklung Ketschendorfs von einem Bauerndorf am Ende des 18. Jahrhunderts zu einem städtisch geprägten Ort zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei stieß Boseckert auf zahlreiche soziale Spannungen zwischen Alteinwohnern und Zugezogenen, Streitereien um althergebrachte Dorfrechte und Klagen über Umweltverschmutzung im Zuge der Industrialisierung. Wirtschaftsgeschichtlich befassen sich die Geschichtsblätter mit der Ersten Thüringischen Waschmaschinenfabrik Otto Hörhold, die 1901 in der Mittelmühle von Neuses bei Coburg eröffnet wurde. Der Beitrag stammt hier von Johanna Fendl (Gerätemuseum "Alte Schäferei" Ahorn). Ein Schlaglicht wird auch auf das Jahr 1919 geworfen, als in einer kurzen Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland zahlreiche Jungunternehmer den Mut besaßen, eigene Fabriken zu gründen. In Coburg entstanden in diesem Zeitraum die Firmen Brose, Kaeser und Waldrich, die heute das wirtschaftliche Bild der Vestestadt nachhaltig prägen.

Zwei Aufsätze, von Kin Pan Wu (Universität Bonn) und Pfarrer i. R. Rainer Axmann, beschäftigen sich zudem mit der Person des Coburger Sinologen und Missionars Ernst Faber (1839-1899).

Als historisches Gebäude wird dieses Mal das Gebäude Ketschengasse Nr. 1 (ehemals Feinkostgeschäft Berlin) samt seinem Hinterhaus in der Kirchgasse vorgestellt. In dem frühneuzeitlichen Apothekerhaus aus der Zeit Herzog Johann Casimirs fand 1802 der erste katholische Gottesdienst nach Einführung der Reformation in Coburg statt.

Die Geschichtsblätter, welche von der Historischen Gesellschaft Coburg herausgegeben werden, sind in den Buchhandlungen Riemann, Thalia und Roßteutscher erhältlich und kosten 18 Euro. red

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