Juliushof

Großrazzia - auch in Juliushof

Ein internationaler Cybercrime-Einsatz zu Kriegswaffen, Sprengstoff und Betäubungsmitteln führte einen Teil der Einsatzkräfte offenbar in den Hirschaider Gemeindeteil.
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Symbolfoto: adobe stock
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Anette Schreiber Über 1000 Spezialeinsatzkräfte sind am frühen Dienstag in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien aktiv. Wohl einige davon im Hirschaider Gemeindeteil Juliushof. Hier führen Kinder ihre Hunde aus, Handwerker gehen ihren Tätigkeiten nach. Ruhe liegt am Dienstagvormittag über dem kleinen Weiler. Und dabei steht der vermutlich im Fokus einer bundesweiten, ja internationalen Operation in Sachen Cybercrime - Kriegswaffen, Sprengstoff, Betäubungsmittel -, die lange dauert.

Sie hatte schon an Einbrecher gedacht, als sie zwischen vier und halb fünf aufwachte, erklärt eine 55-Jährige. Weil sie mitbekommen hat, wie etliche Autos angefahren sind. Als die Frühaufsteherin dann um dreiviertel fünf mit ihrem kleinen Hund Timmy Gassi geht, hat sie Gewissheit: Keine Einbrecher. "Polizei" zeigt die Beschriftung auf Kleidungsstücken etlicher Einsatzkräfte.

Ganz normale Leute

Aber auf das, was da der Grund für den Einsatz gewesen sein soll, kann sich die Frau keinen Reim machen. Sie kennt die dreiköpfige Familie, in deren Haus sich da eine Vielzahl von Menschen zu schaffen macht. "Ganz normale, ganz ruhige Leute", sagt sie.

So ähnlich beschreibt auch ein 40-Jähriger die Familie. "Sehr seriös, sehr unauffällig." Ihm fällt da der gepflegte Garten ein. Und eben, dass es ordentliche Leute sind. Den Vater hat er öfter mit seinem Sohn, einem Teenager, Radfahren sehen. Von dem frühmorgendlichen Einsatz hat der Mann nichts mitbekommen. Er schlief noch. Als sich abzeichnet, um was es bei diesem Großeinsatz gegangen sein könnte, schüttelt er den Kopf.

Was Großes am Laufen

Dass "was Großes am Laufen" sein musste, das hatte für Peter Greif schon relativ früh festgestanden. Er hat lange im Securitybereich gearbeitet. Seit eineinhalb Jahren trägt er den Fränkischen Tag aus. Und da seien ihm um halb fünf gleich die vielen Autos in der Straße aufgefallen. "Dann die vielen Vermummten" von Spezialeinsatzkommandos. Da hat sich Greif dann so seinen Reim drauf gemacht. Denn seine Fragen hätten die Männer nicht beantwortet.

Tatsächlich, am späten Vormittag sind immer noch Einsatzkräfte im Haus. Unauffällige Kombis mit Münchener Kennzeichen stehen am Straßenrand, einer in der Einfahrt vor der Garage des gepflegten Einfamilienhauses. Gepflegt auch der Rasen. Akurat geschnitte Sträucher und Gebüsch. Ziegelsteinpflaster liegt ordentlich sortiert für einen nächsten Einsatz oder den Abtransport unter einer Plane bereit.

Im 558 Einwohner zählenden Hirschaider Gemeindeteil, der durch seine Vielfalt an Gebäudetypen und -varianten auffällt, fällt ansonsten nichts auf. Hunde werden ausgeführt, fröhliches Lachen kündet von munterem Kinderspiel. Nur in dem Haus gegenüber des untersuchten verraten bewegte Gardinen Interesse der Bewohner an dem, was da vis-à-vis geschieht.

Noch nicht einmal in der Marktgemeindeverwaltung weiß man von dem Großeinsatz. Das Polizeipräsidium in Bayreuth ist nicht involviert. Dann automatisch auch die Polizeiinspektion Bamberg-Land nicht. Von der Presseabteilung am Landeskriminalamt in München heißt es, "Hirschaid, ja, da war was". Da habe man unterstützt. Aber verantwortlich und damit zuständig sei die Task Force Cybercrime Göttingen, also Niedersachsen. Die Nachfrage hier ergibt dann, dass ein deutschlandweiter, ja internationaler Einsatz läuft. Es gehe um Kriegswaffen, Sprengstoff und Betäubungsmittel. Für den Nachmittag ist eine Pressekonferenz anberaumt, heißt es in der Göttinger Pressestelle.

Aus allen Wolken

Der im Urlaub gestörte Bürgermeister fällt buchstäblich aus allen Wolken, als er erfährt, dass auch sein Gemeindeteil von einer internationalen Razzia betroffen sein könnte. "Ich wäre geschockt, wenn es uns erwischt hätte." Die Familie, deren Haus untersucht wird, kennt er nicht persönlich.

Wie am Nachmittag verkündet, erfolgte in neun Bundesländern, darunter auch Bayern, sowie in Litauen und Kroatien die Großrazzia. Fragen zu Juliushof beantwortet die Pressestelle nicht. Von all dem ahnen die Bewohner des beschaulichen 2003 entstandenen Ortsteils nichts. Wie auch. Die vom Einsatz betroffene Familie gilt als unauffällig und ordentlich. Dazu mag es so gar nicht passen, dass bei dem Einsatz wohl auch Glas zu Bruch gegangen ist, worauf man durch den Werkstattwagen einer Fensterbaufirma schließen kann, die sich zu den unauffälligen Spezialeinsatzfahrzeugen gesellt hat.

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