Bamberg

Großes Fest steht bevor

Die älteste evangelische Kirche Bambergs feiert Jubiläum. Es ist die weltweit einzige protestantische Kirche, die von einem Papst geweiht wurde. Und das ist nicht die einzige interessante Geschichte von St. Stephan.
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Der Chor der St. Stephanskirche mit Stelltafeln der monatlichen Veranstaltungen.  Foto: Joseph Beck
Der Chor der St. Stephanskirche mit Stelltafeln der monatlichen Veranstaltungen. Foto: Joseph Beck
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Im kommenden Jahr feiert die Kirche St. Stephan auf dem Stephansberg mit einem großen Programm ihr Weihejubiläum vor 1000 Jahren. "Es wird ergänzt mit 1000 Begegnungen", so der Dekan des Evangelisch-Lutherischen Bezirks Bamberg, Hans-Martin Lechner.

Die Stephanskirche ist nicht nur die älteste evangelische Kirche in der Weltkulturerbestadt Bamberg, sondern weltweit auch die einzige evangelische Kirche, die von einem Papst geweiht wurde - nämlich von Benedikt VIII im Jahre 1020. Der Papst weilte damals gerade in Bamberg. Von diesem Kirchenbau ist jedoch leider nichts übrig geblieben. Der älteste Teil der heutigen Kirche ist der Turm aus dem 13. Jahrhundert, dessen Renovierung kürzlich beendet wurde.

Erst katholisch, dann evangelisch

Das Stift wurde im Jahr 1007 durch Bischof Eberhard I von Bamberg gegründet, eventuell auf Weisung der Kaiserin Kunigunde. Das lässt zumindest ihre Statue mit dem Modell der Stephanskirche vermuten, die man rechts oben über dem Choraltar gegenüber der Marienstatue sieht. Die 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöste Stiftung wurde 1808 der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde übergeben. St. Stephan hat also 800 Jahre katholische und 200 Jahre evangelische Geschichte.

2020 werden zum 1000. Weihejahr eine Fülle von Aktionen und Veranstaltungen stattfinden. Pfarrer Walter Neunhoeffer als Organisator ergänzt dazu, dass das Festjahr überkonfessionell, kulturell, politisch, geschichtlich, musisch und ökumenisch ausgerichtet sei.

Begegnungsort für alle

"Mit der Einbeziehung der breiten Öffentlichkeit soll sich die Kirche St. Stephan im Rahmen dieses feierlichen Jubiläums als Vorbild und Begegnungsort aller Glaubensrichtungen, Generationen und der gesamten Gesellschaft öffnen", führt Neunhoeffer aus. Dann verweist er als Beispiel auf die dekanatsübergreifende und ökumenisch ausgerichtete Kinderbibelwoche. Einladend für alle Bürger fänden Veranstaltungen auch außerhalb der Kirche in neuen und öffentlichen Räumen statt, um Nähe und Begegnung zu schaffen.

Programm

Die Veranstaltungen sind auf sieben verschiedenfarbigen Postkarten unter den Themen aufgelistet: Jubiläum, Ökumene, Jugend, Kultur, Kirche, Musik und Vorträge. Der Festgottesdienst zu 1000 Jahre St. Stephan findet am Sonntag, 19. Januar, mit Uraufführung des Stephansliedes, Chor und Bläsern statt.

Der Kunigundentag am Samstag, 29. Februar, wird erstmals gemeinsam im Dom gefeiert mit symbolischem Umzug aus dem Domgottesdienst zu der anschließenden Veranstaltung in St. Stephan mit der Oberen Pfarre. Durch den ebenfalls gemeinsamen Jugendkreuzweg oder die Wiederbelebung der alten Tradition des "Kinderbischofs" (jetzt Schülerbischof genannt), will man die Jugend einbinden und ihr Gehör verleihen. Eine Kinderkantate und Konzerte erfüllen sicher viele musikalischen Wünsche. "So sollen 1000 Jahre gefühlt und begangen werden", fügt Gerald Raab als Mitarbeiter des Teams hinzu.

Papst Franziskus eingeladen

Dekan Lechner fasste zusammen: "St. Stephan feiert gemeinsam mit Bamberg das Jubiläumsjahr - überkonfessionell und bewusst evangelisch." Ob Papst Franziskus der Einladung, die von katholischer und evangelischer Seite gemeinsam ausgesprochen und nach Rom weitergeleitet wurde, entspreche, wisse man noch nicht. Man sei aber "noch immer in freudiger Erwartung", sagt Lechner.

Die Einstimmung auf die große Feier fand bereits am 2. Oktober statt. Vikarin Liesa Weber hatte diesen Abend gestaltet. Dekanatskantorin Ingrid Kasper spielte mit einer Improvisation an der Orgel. Dabei fasste sie je 100 Jahre zu einer Minute musikalischem Extrakt zusammen und erhielt großen Beifall für ihren Vortrag.

Dann hatten alle Gäste Gelegenheit, sich die ausgestellten Exponate in der Kirche anzusehen oder bei Gerald Raab in die Schreibstube zu gehen, um mit Federkiel und Tinte zu schreiben. Den Abend schloss der Posaunenchor unter der Leitung von Walter Forchert. Den Schlusssegen spendete Vikarin Weber.

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