Großer Einsatz ohne Einsatzort

Ein typisches Szenario: Unwetter im Landkreis führt zu massiven Einsätzen von Rettungskräften. Doch diesmal war alles sehr theoretisch.
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In der Bevölkerung bekam fast keiner etwas mit. Dabei wurde von den Führungskräften intensiv und angestrengt gearbeitet.  Foto: Stefan Brunner
In der Bevölkerung bekam fast keiner etwas mit. Dabei wurde von den Führungskräften intensiv und angestrengt gearbeitet. Foto: Stefan Brunner
Vollgelaufene Keller, ausgelaufene Heizöltanks, abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume und Gerüste auf Fahrbahnen. All das passierte am vergangenen Wochenende in Herzogenaurach und im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Sie haben nichts davon mitbekommen? Fake-News, weil am Wochenende zu wenig los war? Der Verdacht könnte aufkommen. Doch für einen Teil der Bevölkerung war geschildertes Szenario sehr realistisch.
In zahlreichen fränkischen Kreisen und Städten wurde seitens der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben die Bewältigung verschiedenster Großschadenslagen geübt. So eben auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt.


Standort für das Planspiel

An den Orten, wo es zu den Unwettereinsätzen gekommen sein soll, war tatsächlich nichts zu erkennen. Kein Einsatzfahrzeug, keine Hilfskräfte. Lediglich bei der Fachklinik in Herzogenaurach war einiges in Bewegung. Pressesprecher Stefan Brunner erklärt das Szenario: "Die Klinik Herzogenaurach musste im Rahmen dieser Übung evakuiert werden. Das ist auch der Grund, warum dort am Samstag so viele Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk und Polizei zu sehen waren."
Das gesamte Szenario wäre allein zu Übungszwecken nicht problemlos darstellbar gewesen. Daher wurde die Schadenslage in Form einer sogenannten erweiterten Stabsrahmenübung abgearbeitet.
"Ein Organisationsteam zur Übungsvorbereitung hatte hierzu eine Vielzahl einzelner Unwettereinsätze im gesamten Landkreis zu einem realistischen Ganzen zusammengefügt und spielte diese im Laufe des Vormittags in die Übung ein", erklärt der Sprecher der Feuerwehren im Kreis.


Evakuierung der Klinik

Das Besondere und die zusätzliche Schwierigkeit bei der Aufgabenstellung war neben den "klassischen Unwettereinsätzen" ein zusätzlicher Brand in der Elektroverteilung der Fachklinik Herzogenaurach. Der führte zunächst zur Räumung der Stationen und im weiteren Verlauf zur Evakuierung von mehreren Hundert Patienten aus der gesamten Klinik. "Es war abzusehen, dass die Stromversorgung über mehrere Tage hinweg nicht wieder hergestellt werden könne. Gerade für die Kräfte von BRK und ASB stellte dies natürlich eine besondere logistische Herausforderung dar, die jedoch im Ernstfall auch erfolgreich gemeistert werden hätte können."
Wichtig ist bei solch einem Einsatz aber auch die Zusammenarbeit mit der Integrierten Leitstelle in Nürnberg. "Um einen realitätsnahen Funkverkehr mit der Leitstelle darstellen zu können, ohne deren Kräfte und Mittel zu binden, wurden deren Aufgaben von Vertretern der beteiligten Rettungskräfte aus einem vor Ort befindlichen Fahrzeug der Fachgruppe Führung/Kommunikation des THW-Ortsverbandes Nürnberg heraus wahrgenommen."
Die "alarmierten" Feuerwehren und Hilfsorganisationen aus Herzogenaurach, zahlreichen weiteren Landkreisgemeinden und der Stadt Nürnberg wurden ebenfalls fiktiv von Funkarbeitsplätzen aus dargestellt, die in einem Seminarraum in der Fachklinik eingerichtet worden waren. Die mit der Bewältigung dieser Großschadenslage beauftragte Einsatzleiter von Feuerwehr, THW und Rettungsdienst, die zunächst vor Ort die Führung der Kräfte übernahmen, hatten in dem stetig anwachsenden Szenario alle Hände voll zu tun. Schnell war klar, dass hier ein erhöhter Koordinierungsbedarf bestand.
In der Folge trat im Landratsamt Erlangen-Höchstadt die sogenannte Führungsgruppe Katastrophenschutz zusammen, durch die der an der "Einsatzstelle" befindliche Fachberater des Technischen Hilfswerks, Michael Haas vom THW-Ortsverband Baiersdorf, zum örtlichen Einsatzleiter bestimmt wurde.


Unterstützung von Überall

Zu dessen Unterstützung fand sich in der Feuerwache Herzogenaurach der Stab für die örtliche Einsatzleitung zusammen, bestehend aus Führungskräften der Kreisbrandinspektion, der Rettungsdienste, des THW sowie von Polizei und Bundeswehr, technisch begleitet durch die Besatzung und Ausstattung des Einsatzleitwagens der "Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung" aus Baiersdorf.
Und warum das Ganze? Der Übungszweck bestand in erster Linie im Aufbau und der Überprüfung der verschiedenen Führungsebenen, die organisationsübergreifende Besetzung von Stabsfunktionen sowie der Kommunikation zwischen diesen, die sowohl "klassisch" mittels Papiervordrucken, Telefon und Fax als auch digital über Digitalfunk und online abgewickelt wurde.


Rundum Versorgung

Ein weiterer Schwerpunkt war die Planung der Information der Bevölkerung, zum einen durch Warndurchsagen durch Lautsprecherfahrzeuge und Rundfunk als auch durch Einrichtung eines Bürgertelefons und Informationen im Internet und in sozialen Netzwerken, die zwischen den Pressestellen der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen sowie des Landratsamts abgestimmt und dann im Ernstfall auch durch das Polizeipräsidium Mittelfranken übernommen und weiter verteilt worden wären.
Gegen 13 Uhr wurde die Übung dann beendet, deren Erkenntnisse nun in den folgenden Wochen ausgewertet werden. Und eines kann man getrost nachschieben: auch wenn diese Großschadenslage (fast) keiner mitbekommen hat, einige wenige Einsatzkräfte kamen kräftig ins Schwitzen. busch/brunner
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