Münnerstadt

Große Probleme im Kabelnetz

Weil es zuletzt massive Probleme gab, hat Bürgermeister Helmut Blank NEFtv ein Ultimatum gesetzt. Viele Bürger schwenken inzwischen auf Satellit um.
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Karl Beudert hat auf Satellit umgestellt. Er will sichergehen, dass er die Fußballweltmeisterschaft anschauen kann.  Foto: Thomas Malz
Karl Beudert hat auf Satellit umgestellt. Er will sichergehen, dass er die Fußballweltmeisterschaft anschauen kann. Foto: Thomas Malz
Karl Beudert ist sauer. "Und das ein paar Tage vor der Weltmeisterschaft", sagt er. In den letzten Tagen gab es im Fernsehen nur eins: das große Rauschen. Hauptsächlich betroffen war die Münnerstädter Altstadt. Erst ein paar Tage zuvor hatte Windheim kein Internet. Wie schon die Bewohner des westlichen Stadtteils, mussten die Münnerstädter die Erfahrung machen, dass sie trotz der größten Hartnäckigkeit einfach keinen Ansprechpartner ans Telefon bekamen. "Ich habe es versucht, immer wieder", betont Karl Beudert. Außer Werbung hat er nichts zu hören bekommen. "Mir reicht es, ich habe mir eine Schüssel bestellt", sagt er. Die ist nun montiert, die Fußball-Weltmeisterschaft gerettet. Inzwischen funktioniert auch der Kabelempfang wieder, aber das ist ihm egal. "Ich kündige", sagt er. Solche Beschwerden hat Bürgermeister Helmut Blank (CSU) in den letzten Tagen etliche erhalten, unter anderem auch aus Großwenkheim. "Wir sind gegenüber dem Zuschussgeber und dem Bürger in der Pflicht", sagt er. "Wir sind die Vertragspartner." Deshalb hat er auch einen Brief an den Anbieter geschrieben.


Schüssel-Vorrat aufgebraucht

Karl Beudert zeigt ein Schreiben, das er Ende Mai erhalten hat. Darin wird dem Kunden mitgeteilt, dass NEFtv seit 2015 zur Tele Columbus Gruppe gehört. "In den vergangenen Monaten haben wir die Produktwelten der verschiedenen Gesellschaften innerhalb der Unternehmensgruppe vereinheitlicht. Ab Juni tritt NEFtv unter der gemeinsamen Marke PYUR auf", heißt es darin. Rechtlich bleibe NEFtv aber Vertragspartner. Zum Schreiben gab es eine neue Telefonnummer, auf der Karl Beudert auch ergebnislos versucht hat, jemanden an die Strippe zu bekommen. "Vier Nummern habe ich angerufen, ohne Erfolg", sagt er. Die ganze Nachbarschaft sei stinksauer. Das merkt auch Elektriker-Meister Klaus Schilling. "Wir haben in den letzten Tagen jede Menge Schüsseln angebracht", sagt er. Jetzt muss er erst einmal neue bestellen, der Vorrat ist beinahe aufgebraucht.
"Mit Schreiben vom 26. 3. 2018 beschwerten sich Bürger der Stadt Münnerstadt über die unzureichende Internetversorgung beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Nürnberg", heißt es in dem Schreiben Helmut Blanks an NEFtv. Es sei dem Freistaat Bayern sowie der Stadt Münnerstadt ein zentrales Anliegen, eine leistungsfähige, flächendeckende Internetversorgung zu gewährleisten. Die Stadt Münnerstadt habe einen Zuwendungsbescheid in Höhe von rund 800 000 Euro erhalten. Im Zuge des geförderten Ausbaus wurden sämtliche Ortsteile mit schnellem Internet durch den Netzbetreiber NEFtv erschlossen. Nunmehr werde diese Leistung unter dem Namen PYUR angeboten.
"Immer häufiger beschweren sich die Bürgerinnen und Bürger bei der Stadt Münnerstadt über unzureichende bzw. gar nicht vorhandene Internet- und Telefonanbindungen (Aktuelle Probleme: Windheim, Altstadt). Das Frustrierende dabei ist, dass unsere Bürgerinnen und Bürger und Ihre Kunden trotz größter Bemühungen keinen Ansprechpartner und schon gar keinen Servicetechniker erreichen können", macht der Bürgermeister seinem Ärger Luft. Und: "Der mit NEFtv bzw. dem Rechtsnachfolger PYUR geschlossene Kooperationsvertrag mit der Stadt Münnerstadt wird derzeit nicht erfüllt. Da Sie es technisch dauerhaft nicht auf den Wege bringen, eine stabile Internet- bzw. Telefonanbindung zu ermöglichen, fordern wir Sie hiermit unter Fristsetzung bis zum 31. 7. 2018 auf, dauerhaft technische Leistungen wie im Kooperationsvertrag festgelegt zu erbringen." Dann wird er noch deutlicher: "Sollte Ihnen dies nicht möglich sein, sehen wir uns verbindlich gezwungen, den Start für eine neue Markterkundung zu geben, um Anbieter zu finden, die technisch, aber auch in der Kundenzufriedenheit in der Lage sind, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münnerstadt sowie den Stadtteilen ausreichend zu versorgen."


Schadenersatz gefordert

Vorsorglich verweist Helmut Blank in dem Schreiben darauf, dass die Stadt bei Nichterfül-lung des Kooperationsvertrages NEFtv ab dem 1. August schadenersatzpflichtig machen werden. Er bittet um Rückmeldung bis 30. Juni.
Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Pressestelle der Tele Columbus Gruppe, zu der NEFtv gehört, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.


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