Neustadt bei Coburg
Stadtrat 

"Große Lösung" für die Zukunft

Bei der energetischen Sanierung des Rathauses entschied sich das Gremium für die teurere von zwei Varianten. Sie erscheint der überwiegenden Mehrheit der Ratsmitglieder langfristig gesehen die bessere zu sein.
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Äußerlich wird sich das Neustadter Rathaus bei seiner Sanierung nicht wesentlich verändern. Foto: CT-Archiv, Albert Höchstädter
Äußerlich wird sich das Neustadter Rathaus bei seiner Sanierung nicht wesentlich verändern. Foto: CT-Archiv, Albert Höchstädter
"Energetische Sanierung des Rathauses mit Umbau Erdgeschoss und Mediathek" lautete der Punkt auf der Tagesordnung für die Sitzung des Stadtrats. Die Dauer der Bearbeitung war dem Umfang des Projekts angemessen. Nach rund zwei Stunden fiel die Entscheidung für eine "große Lösung". Es ist eine Vorentscheidung.
"Wir werden uns noch umsehen, bei anderen, die ähnliche Projekte umgesetzt haben", sagte Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) abschließend. Es gebe dann immer noch die Möglichkeit, etwas an den Plänen zu ändern. Die Fachleute des Architekturbüros Eichhorn hatten vor der Abstimmung den Räten mehrere Varianten für eine Sanierung des Rathauses vorgestellt und zu jeder die Vor- und Nachteile angeführt.
Zwischen einer Minimallösung mit Kosten in Höhe von 8,73 Millionen nach heutiger Planung und einer Maximallösung mit geplanten Kosten von gut zehn Millionen Euro galt es zu entscheiden. Dabei wächst die Förderung, die die Stadt erwarten kann, nicht im gleichen Maß wie die Gesamtkosten. Bei der Minimallösung beträgt sie 4,21 Millionen, bei der Maximallösung 4,59 Millionen Euro. Die bisher im Haushalt vorgesehenen Geldmittel reichen nicht aus, um die große Lösung zu bezahlen. Dafür müssten ab 2018 noch an die drei Millionen Euro eingeplant werden.
Dennoch sprachen sich viele Stadtratsmitglieder für die teure Variante aus. Langfristig gedacht, sei dies wohl die bessere Lösung für die Stadt, so die überwiegende Ansicht.


Dämmung lieber innen

Wichtiger Aspekt - vor allem, um an Fördermittel zu kommen - ist die Dämmung. Diese außen an das Gebäude anzubringen, bezeichneten die Architekten als nicht praktikabel. Es sei aufwendig und werde dazu führen, dass sich die gesamte Erscheinung des Bauwerks verändere, hieß es. "Eine Innendämmung ist auch ausdrücklich im Förderbescheid der Regierung genannt", bestätigte Zweite Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU).
Alle Trennwände werden erneuert. Alternativ hätte es die Möglichkeit gegeben, sie mit aufgesetzten Platten zu versehen.
So kann aber das Raumsystem gleich neu geordnet werden. Alle abgehängten Decken in den Büros werden erneuert und die Fenster ausgetauscht. Dabei kommt wärmedämmendes Glas zum Einsatz, das auch einen besseren Sonnenschutz bietet, als die bisherige Verglasung.
Im Bereich der Mediathek wollen die Räte einer möglichen Veränderung der Mediennutzung Rechnung tragen. Daher wird dort ein doppelter Boden eingebaut. Das ermöglicht es, jederzeit flexibel Kabel an alle möglichen Stellen im Raum zu verlegen, um beispielsweise digitale Geräte anzuschließen.
Als das Rathaus gebaut wurde, waren Flachdächer ohne Neigung in Mode. Sie erwiesen sich aber als nicht gerade zukunftsfähige Lösung. Vielfach musste nachgebessert werden. Im Zuge der jetzt geplanten Sanierung soll nun ein so genanntes "nicht hinterlüftetes Warmdach mit Gefälledämmung" auf das Gebäude gesetzt werden.


Knackpunkt Heizung

Bei der künftigen Heizung stand eine Anlage für die Verbrennung von Holzpellets zur Diskussion oder eine Sole-Wärmepumpe. In beiden Fällen ist eine zusätzliche Gasheizung für Bedarfsspitzen notwendig. Die Pellets-Lösung wäre günstiger gewesen in der Anschaffung, hätte aber Lagerbedarf für das Brennmaterial erfordert und wäre wartungsintensiver gewesen. Daher entschied der Stadtrat sich für eine Sole Wärmepumpe. Dazu gehören Rohre, die bis zu 100 Meter tief in die Erde unter dem Marktplatz getrieben werden müssen. Die erforderlichen Bohrungen wollen die Planer zeitgleich mit der ohnehin geplanten neuen Gestaltung des Platzes vornehmen, wenn das Pflaster ohnehin aufgerissen werden muss.


Integrierte Kühlung

Die Wärmeverteilung erfolgt über die Zimmerdecken mit Heiz- und Kühldecken in den Büros und der Mediathek. Damit kann auf Klimageräte verzichtet werden.
In den Sitzungssälen wird eine mechanische Be- und Endlüftung eingebaut. Diese wirkt nicht als Klimaanlage, sondern sorgt lediglich für einen regelmäßigen Luftaustausch und damit für Sauerstoffzufuhr.
Die Beleuchtung in den Obergeschossen wird auf LED-Technik umgerüstet. Auch damit wird Energie eingespart. Verkabelte Rauchmelder und Handdruckknopfmelder für den Feueralarm sind ebenso vorgesehen wie eine neue Beleuchtung für die Fluchtwege.
Zu der künftigen Gestaltung der Außenanlagen wird noch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Erst wenn diese vorliegt, soll darüber entschieden werden, ob sie ins Bauprogramm aufgenommen werden soll oder nicht.
Bis auf Pia Faber (FW) stimmten alle Ratsmitglieder für diese Planung. Jürgen W. Heike (CSU) hatte die Sitzung kurz vor der Abstimmung bereits verlassen.

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