Bad Kissingen

Groß in Form

Das Neujahrskonzert mit Hornist Arkady Shilkloper und Sopranistin Dagmar Schellenberger fasziniert das Publikum.
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Schöne Stimme, große Komödiantin: Dagmar Schellenberger beim Neujahrskonzert
Schöne Stimme, große Komödiantin: Dagmar Schellenberger beim Neujahrskonzert

Der weltweit gefeierte Hornist Arkady Shilkloper und eine bestens aufgelegte Dagmar Schellenberger hoben das Neujahrskonzert des Kissinger Winterzauber in eine andere Liga.

Das Orchester hat noch nicht Platz genommen, da erscheint am Rand der Bühne, fast unbemerkt, ein Mann in schlichtem schwarzen Hemd mit einem Alphorn, setzt es an den Mund, formt nur mit Atem und Lippen erste Töne und setzt dann zu einem nicht für möglich gehaltenen Furioso an. Konzertant und so ganz anders als "...weit über Berg und Tal, das Alphorn schallt", wie im Volkslied besungen. Das Orchester kommt dazu, übernimmt die Begleitung, und das Konzert setzt schon mit der Eigenkomposition "Alpine Trail Suite" ein Ausrufezeichen.

Das will man hören

Das Neujahrskonzert ist eine Zugnummer des Winterzaubers. Wieder ein vollbesetzter Max-Littmann-Saal. Nicht das gewohnte Stammpublikum, überwiegend Gäste und Besucher aus der Region gönnen sich an diesem besonderen Tag in der Kurstadt einen beschwingt musikalischen Start ins neue Jahr. Garant für den anhaltenden Erfolg ist am Pult Lior Shambadal - soll man wirklich glauben, dass er schon zum 16. Mal in Bad Kissingen dirigiert - seine Berliner Symphoniker und ein heiteres Programm auf ansprechendem Niveau auch für Besucher, denen klassische Musik eher fremd ist, und Shambadal hat schon in jedem Jahr für die eine oder andere Überraschung gesorgt. Weil das Konzert nicht nur im Weltbad, sondern auch zweimal in Berlin aufgeführt wird, kann man sich bemerkenswerte Künstler an die Seite holen. Wie Sopranistin Dagmar Schellenberger. Ihre klassische Gesangsausbildung führt zu einem weichen Sopran, mit dem sie Mozartpartien und Auftritte an der Scala gestaltet. Sie hat sich einen Namen als Operetten- und Musicalsängerin gemacht, ist darüber hinaus auch noch eine ausgewiesene Komödiantin. Wer so viel in die Waagschale werfen kann, kann auch das weltgrößte Operettenfestival, die Seefestspiele in Mörbisch, leiten, dem fliegen auch im Regentenbau die Herzen zu.

Berliner Luft zum Mitklatschen

Den "Berliner Teil" muss man dem Orchester einfach zugestehen. Das liegt im Blut, ist aber auch schmissig gespielt. "Glühwürmchen" und "Unter den Linden", kennt jeder, singt und klatscht gerne mit. Durchaus bemerkenswert hingegen Mendelssohn-Bartholdys Hochzeitsmarsch. Einmal nicht militärisch stampfend genommen, kommt er auf leichten Sohlen daher, wie eine Braut, die in die Kirche auch eher schwebt. Immer noch Berlin, jetzt aber Eduard Künneke und seine Ballade vom "verrosteten Ritter" samt pfiffigen Knappen.

Witzig und komödiantisch gibt Dagmar Schellenberger den Erzähler und zu Oskar Straus' "nüchternem Mädchen" irrt sie "leicht angeschickert" durch das Orchester. Beifallsstürme! So was passt halt zu Neujahr! Dann aber kommt die große Zeit des Arkady Shilkloper. Shambadal hatte mit Leopold Mozarts "Sinfonia Pastorale" und Richard Strauss' "Alphorn" Stücke für das seltene Konzertinstrument ausgesucht, und der Ausnahmekönner brilliert auch mit dem Corno da Caccia und dem Elefanthorn.

Da gibt es, wie beim Jazzkonzert, schon mal spontanen Zwischenapplaus, der sich zu Ovationen steigert bei seiner Eigenkomposition "Tribute", mit der er nach seinen Worten eine Verbeugung aller Musikgenres von Klassik über Beatles bis zu Jazz ausdrücken will. Was er dann das Waldhorn erzählen lässt, ist atemberaubend. Neben einer wunderbar fließend geführten, sehnsuchtsvoll russischen Melodie, die vom Kontrabass über die 1. Violine bis hin zur Oboe fließt, dem Horn solistisch auch noch explosives Schlagwerk als Aufgabe zuweist und selbst gehauchte Rhythmen hörbar macht, da hält das Publikum den Atem an. Wäre das ein Schlusspunkt gewesen.

Zugaben

Aber da stand noch Richard Wagner auf dem Programm. Auch hier Shilkloper und Schellenberger in großer Form. Die trägt auch bei den diversen Zugaben. Kann man das Publikum beim Neujahrskonzert ohne Singen und Klatschen nach Hause schicken? Shambadal kann's nicht. Also nochmal "Berliner Luft" und "Annen Polka". Bleiben wird jedoch Shilkloper, denn das war dann doch eine andere Liga.



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