Breitbrunn

Grenzgänger und Brückenbauer

Die Tradition der Feldgeschworenen wird im Landkreis Haßberge hoch gehalten. Landrat Wilhelm Schneider lobt den ehrenamtlichen Einsatz der Siebener für die Gemeinschaft. Trotz Digitalisierung bleibt deren Wissen und Können unverzichtbar.
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Die Kirchenparade zum Auftakt des Kreissiebenertages in Breitbrunn wurde zu einem stattlichen Festzug durch das Dorf.  Fotoos: Günther Geiling
Die Kirchenparade zum Auftakt des Kreissiebenertages in Breitbrunn wurde zu einem stattlichen Festzug durch das Dorf. Fotoos: Günther Geiling
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Breitbrunn — "Als Landrat freue ich mich sehr, dass das wichtige und alte Ehrenamt der Feldgeschworenen bei uns im Landkreis Haßberge nach wie vor so lebendig ist und in hohen Ehren gehalten wird", sagte Landrat Wilhelm Schneider beim Kreis-siebenertag in Breitbrunn. Die Feldgeschworenen seien als Hüter der Grenzen wichtiger Pfeiler in unseren Gemeinden.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst, den Pfarrerin Susanne Wittmann-Schlechtweg und Diakon Joachim Stapf unter das Motto "Grenzgänger - Brückenbauer" gesellt hatten, begann der Traditionstag der Siebener. Joachim Stapf wies darauf hin, dass es immer wieder schwierige Situation gebe und man Brücken von Mensch zu Mensch bauen müsse. Auch Jesus Christus sei Grenzgänger und Brückenbauer gewesen.

Grenzen überwinden

Pfarrerin Susanne Wittmann-Schlechtweg meinte, dass Gerechtigkeit oft an Grenzen stoße. Oft seien wir auch unfair, wenn jemand aufbreche, Grenzen zu überwinden. "Wir Menschen haben Grenzen, vielleicht sogar Granitbrocken in uns. Sie heißen Eitelkeit oder auch Selbstbewusstsein. Oft ist es der eigene Stolz, der Grenzen aufbaut und keine Brücken bauen lässt."

Mit einem Festzug ging es von der Kirche zum Festzelt, wo der Kreisobmann der Feldgeschworenen, Adolf Müller mehr als 60 Prozent der 1087 Feldgeschworenen aus dem Landkreis begrüßen konnte und zahlreiche Ehrengäste, darunter Ehrensiebener Albert Meyer. Bürgermeisterin Gertrud Bühl stellte in ihrem Grußwort die Gemeinde Breitbrunn vor, wo die Flurbereinigung abgeschlossen sei. Ziel sei es nun, Glasfaser in jedes Haus zu bringen. Die Feldgeschworenen seien Hüter der Grenzen und leisteten das älteste Ehrenamt, das trotz Digitalisierung Zukunft habe.

Seit dem 13. Jahrhundert

Landrat Wilhelm Schneider beglückwünschte den VfR Hermannsberg-Breitbrunn als Ausrichter des Festes zu seinem 70. Jubiläum und bedankte sich für die Gastfreundschaft. Er spannte dann den Bogen zu den Feldgeschworenen, die eine unverzichtbare Aufgabe übernähmen, wenn es um den eigenen Grund und Boden gehe. "Das ist heute nicht anders als im 13. Jahrhundert, als dieses Ehrenamt bei uns in Franken entstanden ist".

Die Feldgeschworenen hätten eine wichtige Mittlerfunktion zwischen den Behörden und dem Bürger und seien wichtige Partner der Vermessungsämter. "Trotz aller digitaler Messtechniken, die es mittlerweile gibt, ist ihre Arbeit unverzichtbar. Sie helfen bei der Vermessung mit, sichern und bewahren Grenzsteine und markieren Grundstücksgrenzen - sichtbar und unsichtbar. Diese Aufgabe erfordert nicht nur ausgezeichnete Ortskenntnisse, sondern ein großes Maß an Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl."

Der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (CSU) sprach von der größten Siebener-Vereinigung weltweit; Bayern sei eines der wenigen Länder, das die Vermessung noch nicht privatisiert habe. "Wir stehen zu unserer Vermessungsverwaltung."

Kreisobmann Adolf Müller ging auf die Auffrischungslehrgänge ein, die notwendig seien, weil sich das Abmarkungsgesetz an der einen oder anderen Stelle verändere. Den nächsten Kreis-Siebenertag kündigte er für 16. Mai 2020 in Burgpreppach an.

Jede Menge Verfahren

Der Leiter des Vermessungsamtes in Schweinfurt, Gerhard Hartmann, ließ keinen Zweifel daran, dass Politik und Verwaltung hinter den Feldgeschworenen stehen. "Ohne euch wäre unsere Abmarkungspflicht bald abgeschafft. Das wäre für uns in Franken fatal."

Abteilungsleiter Jürgen Eisentraut vom Amt für Ländliche Entwicklung zeigte auf, dass im Landkreis Haßberge 21 Flurneuordnungen, 41 Dorferneuerungsverfahren, ein freiwilliger Landtausch und vier integrierte ländliche Entwicklungen bearbeitet würden, in ganz Unterfranken seien es 220 Dorf- und Flurneuordnungs-Verfahren.

Als eine wichtige Voraussetzung zur Landnutzung nannte Jürgen Eisentraut auch die Wirtschaftswege. Hier sei man dabei, landwirtschaftliche Kernwegenetz zu planen und zu realisieren. In allen interkommunalen Allianzen des Landkreises lägen solche Konzepte bereits vor oder sie würden erarbeitet. Auch in den Wäldern sei Neuordnung wieder stark gefragt. Ebenso beschäftige sich man mit den Ortskernen. Jeder Bauplatz am Ortsrand könne zu einem Leerstand im Altort führen. Deswegen laute das Schlagwort der Stunde Innenentwicklung vor Außenentwicklung.

Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt, Herbert Lang, sprach von einen sehr guten Flächeninformationssystem. Das "Fis" sei eine echte Hilfe. Gemeinsames Ziel sei es, die Natur und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen.

Anschließend wurden 64 Feldgeschworene für ihre Tätigkeit über 25, 40, 50 und sogar 60 Jahre ausgezeichnet und 28 neue Feldgeschworene vereidigt, darunter mit Susanne Käb aus Ebern/Eichelberg eine Frau.

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