Ebensfeld
Unser Thema der Woche // Grenzerfahrung

Grenzen gibt es auch für Kinder

Verhaltensregeln können etwas Positives und etwas Negatives sein. Selbst die Kleinsten müssen diese beiden Seiten kennenlernen und wie sie damit umgehen, weiß Monika Moritz vom Kindergarten St. Josef.
Artikel drucken Artikel einbetten
Grenzen sind manchmal wichtig: Zum Beispiel im Zusammenleben. Die Triangel ist für die Kinder das Zeichen, dass sie jetzt der Erzieherin und Kindergartenleiterin Monika Moritz zuhören sollen.  Foto: Theresa Schiffl
Grenzen sind manchmal wichtig: Zum Beispiel im Zusammenleben. Die Triangel ist für die Kinder das Zeichen, dass sie jetzt der Erzieherin und Kindergartenleiterin Monika Moritz zuhören sollen. Foto: Theresa Schiffl

Theresa Schiffl Grenzen sind wichtig für das Zusammenleben. Und das fängt schon bei den Kleinsten an. Dies kann Monika Moritz, die seit 2006 Leiterin im Kindergarten St. Josef in Kleukheim ist, bestätigen. Als Mutter und durch ihre Arbeit mit einer Gruppe von aktuell 27 Mädchen und Jungen spricht sie aus Erfahrung.

"Bei uns gelten teilweise andere Regeln als zu Hause. Aber das ist wichtig, damit Struktur da ist und wir so eine große Gruppe betreuen können", erklärt sie. Die meisten fügen sich automatisch in dieses System ein, so die Kindergartenleiterin. "Ich glaube, dass jedes Kind den Wunsch zu einer Gemeinschaft zu gehören in sich trägt. Deswegen denken sich viele ,Was alle machen, das mache ich auch.' Die meisten fügen sich relativ schnell in das System ein."

Entwicklung der Erziehung

Im Kindergarten gibt es bestimmte Gesprächsrituale wie die Morgenrunde, die eingehalten werden und den Tag strukturieren. "Außerdem haben wir Kommunikationsregeln: Wenn wir Erzieherinnen mit der Triangel klingeln, dann müssen uns alle zuhören. Das gleiche gilt, wenn ein Kind etwas erzählt: Ihm soll zugehört werden und es soll aussprechen dürfen."

Dass zu Hause in den Familien andere Regeln gelten, sei völlig normal: Dort müssen sich die Erziehungsstrukturen erst entwickeln, meint Monika Moritz. Eltern müssten sich zunächst einmal darüber bewusst werden, was ihnen wichtig ist. "Und man muss konsequent sein. Das ist alles andere als leicht", sagt Monika Moritz.

Ein weiteres Problem sei, dass den Kindern mittlerweile zu viel Entscheidungsfreiheit ermöglicht wird. "Sie sind mittlerweile völlig anders. Die vielen Möglichkeiten überfordern sie teilweise einfach. Mitbestimmung muss ihre Grenzen haben und manche Entscheidungen treffen einfach wir als Eltern", so Monika Moritz.

2006 fing sie als Leiterin an und gab diese Position dann für die eigene Familienplanung kurze Zeit später wieder ab. Seit 2015 leitet sie nun wieder den Kindergarten in Kleukheim. "Also wenn ich das vergleiche: 2006 hatte mein Wort noch einen Wert, ich war noch mehr eine Autoritätsperson. Mittlerweile gibt es aber einige, die sagen: ,Nein, das will ich jetzt nicht machen. Daheim läuft das ganz anders.' Und das funktioniert bei einer großen Gruppe einfach nicht." Die Kinder testen hier ihre Grenzen aus, meint die Leiterin aus Kleukheim.

Grenzen anderer kennenlernen

Aber auch untereinander müssen sie erst lernen, wo ihre "Rechte" aufhören und die des anderen beginnen. "Was mache ich zum Beispiel, wenn jemand etwas tut oder etwas passiert, das ich nicht will?" In Kleukheim setzen die Erzieherinnen gerade was Gewalt betrifft ein klares Zeichen: Selbst wenn die Kinder von einem anderen geschlagen werden, wird ihnen beigebracht nicht zurück zuschlagen. "Wir hauen nicht zurück, wir sprechen in der Morgenrunde über solche Themen und darüber, wie sie anders gelöst werden könnten."

Gerade was sozial-emotionale Fähigkeiten betrifft, hätten viele mittlerweile auch Probleme. "Auf gute Umgangsformen legen wir ebenfalls viel Wert. Außerdem versuchen wir Kindern, die zu schüchtern sind, zu helfen und auch denen, die zu forsch sind und immer mitbestimmen wollen. Beide Extreme sind für das spätere Leben nicht gut."

Aber es gibt trotz der sinnvollen Grenzen solche, die möglichst schnell überwunden werden sollen: die zwischen den Eltern und die bei den Kindern untereinander. Um neue Familien möglichst schnell in die Gemeinschaft zu integrieren, werden sie mit Bildern an einer Pinnwand vorgestellt. "So kommen die Eltern viel schneller miteinander ins Gespräch. Uns ist es wichtig, dass sie sich austauschen können oder mal ein anderes Kind mitnehmen", sagt Monika Moritz.

Wie sieht es bei den Kindern mit neuen Gruppenmitgliedern aus? "Die sind total unkompliziert und unvoreingenommen", sagt die Erzieherin und lacht. Sie hätten hier auf dem Land jedoch wenig Berührungspunkte mit ausländischen Kindern oder Armut. "Über Armut reden wir zum Beispiel bei St. Martin, aber sonst sind das eher Erfahrungen, die sie in ihrer Freizeit machen." Aber als vor zwei Jahren einmal zwei Mädchen aus Amerika im Alter von zwei und vier für neun Monate da waren, wurden sie schnell in der Gruppe aufgenommen. "Das war total unkompliziert und sie haben schnell mit den anderen gespielt. Und die Sprachbarriere haben sie mit Händen und Füßen überbrückt und sich sogar noch gegenseitig etwas beigebracht", sagt sie.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren