Marktrodach

Gräbner plant "soziale Bürgerliste"

Der aus der SPD ausgetretene Bürgermeister will mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl 2020 zum fünften Mal den Chefsessel im Marktrodacher Rathaus erobern.
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Foto: Veronika Schadeck
Foto: Veronika Schadeck

Veronika Schadeck Der Name für seine Liste steht noch nicht fest, aber Norbert Gräbner kann sich eine sogenannte "soziale Bürgerliste" vorstellen. Diese soll als freie Gruppe für den Gemeinderat kandidieren und ihn zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt küren. In den nächsten Monaten will er sich auf die Suche nach Kandidaten machen. Gräbner ist zuversichtlich, dass er 16 Kandidaten - so viele Sitze sind es im Marktrodacher Gemeinderat - für seine "soziale Bürgerliste" finden wird. Zuversichtlich stimmt ihn dabei die Rückendeckung, die er von verschiedenen Bürgern erhalten habe.

Einer, der sich angesichts der aktuellen Sitzung verwundert zeigt, ist Dietmar Regel. Für den Unternehmer ist die Kommunalpolitik kein Neuland. Bis zum Jahre 2014 saß er für die SPD im Gemeinderat. Damals stellte Regel sich nicht mehr zur Wiederwahl. "Ich wollte Platz machen für die jüngere Generation, aber die hat es nicht besser gemacht."

Geachtet und respektiert

Unverständnis äußert der 63-Jährige über die Entwicklung der SPD in seiner Gemeinde. Er bezeichnet Gräbner als ehemaliges Aushängeschild der SPD - als einen, der seinen Job als Bürgermeister gut gemacht hat. Regel ist überzeugt, dass es - hätte Gräbner die nötige Unterstützung von den beiden SPD-Ortsverbänden erhalten - im Jahre 2020 keinen Gegenkandidaten gegeben hätte. "Gräbner wird sowohl von CSU als auch von den Freien Wählern geachtet und respektiert."

Regel äußert auch Verständnis für den Parteiaustritt Gräbners. Er spricht von Intrigen innerhalb der Partei, von Teilnahmslosigkeit und mangelnde Unterstützung seitens der Kreis-SPD. "Es ist wieder einmal ein Bild des Grauens." Dass jemand mit 62 Jahren zu alt sein soll, könne er nicht nachvollziehen. Gräbner wird auch in den kommenden Jahren mit seinem Wissen und Erfahrungen noch einiges bewegen, ist Regel überzeugt.

Oliver Skall, den die Oberrodacher SPD ins Rennen um das Bürgermeisteramt schicken will, bezeichnet es als ein gutes Recht von Gräbner, eine eigene Liste zu gründen. "Das ist Demokratie." Skall hofft aber, dass die Sozialdemokraten der SPD-Liste treu bleiben. Mehr wolle er aktuell nicht dazu sagen, betont er. Als Begründung weist Skall darauf hin, dass er derzeit lediglich von der Oberrodacher SPD als Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen wurde. Nun komme es auf die Unterrodacher SPD an, ob diese einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Dies ist bislang noch immer offen. Freuen würde sich Skall, sollte er auch von Unterrodacher Seite die Unterstützung erhalten. Letztendlich wird in einer gemeinsamen Nominierungsversammlung über den SPD-Kandidaten entschieden.

Hoffen auf fairen Wahlkampf

Skall unterstreicht unterdessen noch einmal seine Bereitschaft, bei der Wahl im kommenden Jahr für die SPD antreten zu wollen. "Ich stelle mich nach wie vor als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung." Dementsprechend hofft er auf einen offenen und fairen Wahlkampf.

Einen Zeitplan, wann die "soziale Bürgerliste" stehen soll, hat Gräbner indes noch nicht. "Wir haben noch Zeit - und ich habe momentan viel zu tun!" Während Gräbner nun klare Vorstellungen hat, wie er seinen Bürgermeistertitel verteidigen kann, ist er sich bezüglich des Kreistagsmandats noch unschlüssig. "Für mich ist das ein Wermutstropfen." Mit einer eigenen Liste werde er den Sprung in den Kreistag nicht schaffen, das weiß er. Doch wie gut informierten Kreisen zu entnehmen ist, hat die CSU Gräbner ein Angebot gemacht. Und auch die Freien Wähler sollen ein Signal gesendet haben. Eine Entscheidung steht indes noch aus. Nach wie vor schlage sein Herz für die Sozialdemokratie, aber dieses Band sei zerrissen, so Gräbner. Seiner Stimme ist dabei zu entnehmen, dass er immer noch enttäuscht ist, dass er auf Druck der Genossen aus der SPD-Kreistagsfraktion ausgeschlossen wurde.

Losgetreten wurde die Diskussion Anfang des Jahres, als Gräbner in einer Sitzung des SPD-Ortsvereins Oberrodach einen Großteil der Mitglieder mit der Aussage überrascht hatte, 2020 wieder kandidieren zu wollen. Dies hatte zu Diskussionen geführt, weil es innerhalb des Ortsvereins Überlegungen gab, ob es nicht sinnvoller wäre, das Bürgermeisteramt in jüngere Hände zu geben.

Die daraus resultierenden Unstimmigkeiten hatten schließlich zum Austritt Gräbners aus der SPD geführt. Die Kreis-SPD hatte dies daraufhin zum Anlass genommen, den Marktrodacher Bürgermeister aus der Kreistagsfraktion zu werfen.

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