Steinbach

Gottes Segen für Trauben

In Steinbach wurde ein alter Brauch zum Start der Weinlese wieder aufgenommen.
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Die Traubensegnung (hier ein Bild von 2018) ist in Steinbach ein wichtiges Ereignis. Foto: Günther Geiling
Die Traubensegnung (hier ein Bild von 2018) ist in Steinbach ein wichtiges Ereignis. Foto: Günther Geiling
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Zum mittlerweile 14. Mal wird in der Winzergemeinde Steinbach der Brauch der Segnung der ersten Trauben begangen. Hierzu findet am Sonntag, 15. September, um 10 Uhr ein Festgottesdienst statt, der vom "Stabacher Kirchenblech", Bläsern aus Steinbach und Ebelsbach, musikalisch umrahmt und von Steinbacher Winzern mitgestaltet wird. Anschließend werden auf dem Platz vor der Kirche die neuen Früchte zusammen mit Brot und einem Gläschen des vorjährigen Weins verkostet.

Begleitet werden die Winzer jedes Jahr vom "Träublmadla". Bisher haben sich Lisa Fischer, Anna-Lena Werb, Antonia Brech und Julia Meyer als würdige Repräsentantinnen erwiesen, ab diesem Jahr hat Sonora Virnekäs das Amt übernommen und wird mit einem Prolog die Veranstaltung eröffnen.

Aufgewertet wird die Traubensegnung durch den Besuch von Anna-Lena Werb, die als Weinprinzessin das Abt-Degen-Weintal repräsentiert.

Die Weihe der ersten Trauben ist ein neuer, jedoch auf frühchristlicher Tradition beruhender kirchlicher Brauch. Bereits im heidnischen Rom wurde das Fest des ersten Traubenschnitts begangen. Bereits im 3. Jahrhundert verwandelte die Kirche dieses Fest zu einer sakramentalen Handlung. Jedes Jahr fand am 6. August die Weihe der ersten Trauben statt.

Im Missale Bambergense von 1490 findet sich in lateinischem Wortlaut ein Traubenweihe-Gebet, dessen deutsche Übersetzung so lautet: "Segne, Herr, auch diese neuen Trauben, die Du, Herr, mit himmlischem Tau, mit Regen und in mildem und ruhigen Wetter zur Reife zu bringen Dich gewürdigt hast und sie uns gabst zu unserem dankerfüllten Gebrauch im Namen unseres Herrn Jesus Christus."

Steinbach zahlte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Weinzehnt nach Bamberg (Kloster Michaelsberg, Katharinenspital). Der Brauch der Traubenweihe dürfte folglich auch in Steinbach eine lange Tradition haben.

Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis hat den Brauch 2006 mit Unterstützung der Winzer in Steinbach wieder aufleben lassen. Die eucharistische Würdigung von Brot und Wein sowohl in der katholischen als auch in der evangelisch-lutherischen Kirche, die Kommunion bzw. das Abendmahl als dem neben der Taufe gemeinsamen Sakrament, das Erntedankfest mit dem Dank für den Wein, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit und nicht zuletzt die Freude an Trauben und Wein, der vielen Menschen Arbeit gibt, unterstreichen die besondere Stellung dieses alten, 2006 wiederbelebten Brauches.

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