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Gott Algorithmus

Künstliche Intelligenz und Kirche - wie passt das zusammen?
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Die Füße hochlegen während der Autofahrt: So kann die Mobilität der Zukunft aussehen.  Foto: Rinspeed
Die Füße hochlegen während der Autofahrt: So kann die Mobilität der Zukunft aussehen. Foto: Rinspeed
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Künstliche Intelligenz (KI) im Auto kann Unfälle verhindern und bei Operationen hilfreich sein. Was aber, wenn die neuen Technologien zum Kriegstreiber mutieren oder sich gar dazu aufschwingen, "allmächtig zu werden", wie es Professor Ute Leimgruber in ihrem Vortrag im katholischen Pfarrzentrum St. Hedwig formulierte? "Einem Attribut, das wir bislang nur Gott zusprechen", fügte die Referentin hinzu.

Die katholische Kirche müsse sich zur Digitalisierung äußern, tue das aber bislang zu wenig und vor allem auf eine zu naive Art und Weise. Was sie damit meinte, untermauerte die Professorin für Pastoraltheologie der Universität Regensburg mit einem Zitat aus der Weihnachtspredigt des Limburger Bischofs Georg Bätzing: "Wir sind mehr als Mr. Data, dieser irgendwie sympathische Humanoide in der TV-Serie ,Star Trek'. Gott kommt in echt! Er hat Fleisch angenommen in seinem Sohn Jesus Christus."

Brisant und hochaktuell

Nur zu sagen, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse, das ist für Leimgruber zu kurz gegriffen. Das verdeutlichte sie in ihrem Vortrag "Quality Land - Willkommen in der digitalen Zukunft." Rund 60 Frauen und Männer waren der Einladung des katholischen Kulturkreises und des Freundeskreises der evangelischen Akademie Tutzing zu diesem brisanten und hochaktuellen Thema gefolgt.

Der Leiter des Freundeskreises, Bernd Matthes, räumte ein, dass sich auch die evangelische Kirche mit dieser ethisch hochsensiblen Materie zu wenig beschäftige.

Ihren Vortrag entfaltete die Rednerin vor dem Hintergrund des Buches "Quality Land" aus der Feder von Marc Uwe Kling. In der düsteren Gesellschaftssatire beschreibt er eine völlig durchökonomisierte und digitalisierte Welt, in der Algorithmen den Alltag bestimmen. Leimgruber blickte auf das zweite vatikanische Konzil 1965, in dem sich die Kirche zur Würde des Menschen und zur Humanisierung der Gesellschaft verpflichtet habe. Bei der Beantwortung der Frage "In welcher Welt wollen wir einmal leben?" müssten diese Prämissen Anwendung finden, so Leimgruber.

Ein ausgeprägter Kulturpessimismus lag der Rednerin ebenso fern wie das Bild eines Paradieses auf Erden, das von so manchem KI-Freak im Silicon Valley entworfen wird. Für Leimgruber sind die Computertechnologien Herausforderungen. "Sie fordern uns dazu auf, die Rolle von Individuen und Sozialformen angesichts dessen zu überdenken, was die neue Technik kann und tut. Als Theologin durchdenke ich dies vor dem Hintergrund des christlichen Menschen- und Weltverständnisses."

Sie lieferte Denkanstöße, stellte etwa die Anti-Echokammern vor. Hinter dem von dem Journalisten Hannes Vollmuth geprägten Begriff verbergen sich Formen und Orte der Begegnung. Leimgruber ermunterte die Kirchen dazu, solch offene Orte zu schaffen, an denen Menschen unterschiedlichster Couleur WLAN, Sessel, Tische, Steckdosen, Tee und Kaffee vorfinden. Die Kirche rief sie dazu auf, sich wieder stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und auch Pluralität zuzulassen.

Bislang, so Leimgruber, seien alle Vorhersagen zur KI übertroffen worden. Zudem würde die Technik immer mehr voranschreiten. "Können die Kirchen dazu schweigen, wenn sich die KI in Richtung Göttlichkeit bewegt? Und welche Rolle kommt dem Menschen zu, der Schöpfer dieses göttlichen Wesens ist?", fragte sich die Referentin. Sie konstatierte, dass es bislang keine Antwort der Kirchen auf diesen "Homo Deus" gebe. Leimgruber zeigte sich zuversichtlich, die Entwicklung noch in die richtige Bahn lenken zu können. "Es gibt weltweit Organisationen, die sich ethischen Grundsätzen verpflichtet fühlen." Dazu zählten für sie auch die Kirchen, die zum Beispiel im deutschen Ethikrat vertreten seien.

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