Kulmbach

Goldmacher und Galgenvogel

Der Traum, Gold selbst herstellen zu können, ist so alt wie die Menschheit. Baron von Krohnemann gaukelte dem Kulmbacher Markgrafen Christian Ernst vor, genau das zu beherrschen. Doch der Schwindel flog auf.
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So sah der Künstler Max Wild die Kunst des Goldmachens. Repro: BR
So sah der Künstler Max Wild die Kunst des Goldmachens. Repro: BR
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Der Liebling des Chefs kann auch tief fallen - so war das schon immer. Und genau so erging es dem Günstling des berühmten Fürsten Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth: Der Emporkömmling des Hofes war Christian Wilhelm Baron von Krohnemann (1636 - 1686).

"Er hat mehrfach seinen Glauben gewechselt. Er war Alchimist, Scharlatan, ein Frauenheld und am Ende ein Galgenvogel", sagte Wolfgang Schoberth bei seinem Vortrag über den legendären Baron im Pfarrheim Stadtsteinach.

Tatsächlich wurde Krohnemann am 27. April 1686 auf dem Galgenberg in Kulmbach gehenkt. Eine tragische Geschichte, denn eigentlich hatte der Markgraf ihn begnadigt. Doch die Begnadigung kam zu spät. In seinen roten Uniformrock gekleidet soll Krohnemann schließlich sein Leben ausgehaucht haben.

Krohnemann ist typisch für eine Zeit, in der die Alchemie mit Magie, Hokuspokus und Magie verknüpft war. Schmelzöfen, Gläser und Phiolen erinnern an die frühen Versuche der Menschheit, Gold künstlich herzustellen. Nicht immer ging es im 17. Jahrhundert nur um Gold, sondern auch um Lebenselixiere, um den "Stein der Weisen".

Geister, Hypnose und Telepathie

Häufig experimentierten die Chemiker in Sachen Umwandlung von Stoffen. "In den Laboren wurde destilliert, filtriert, kristallisiert, potenziert", legte Schoberth bei seinem Vortrag, den er für das Colloquium Historicum Wirsbergense erstellt hatte, offen. 25 Interessierte lauschten seinen Ausführungen.

Manchmal mischten sich Geistvisitationen, Telepathie, Hypnose und Spiritismus in die naturwissenschaftlichen Experimente.

Schoberth ließ in seinem Vortrag über Krohnemann, der so tragisch endete, auch einige Kollegen des Barons aufleben: So war Georg Honauer ein legendärer Goldschmied und Alchemist im Zeitalter der Renaissance.

Domenico Manuel Caetano, ein Bauernsohn aus Neapel, gab sich als Graf von Ruggiero aus und galt ebenfalls als Alchemist und Goldmacher der Barockzeit.

Giuseppe Balsamo nannte sich Alessandro Graf von Cagliostro und verkaufte als solcher in London und Paris Liebestränke, Jugendelixiere und Schönheitsmixturen.

Krankheiten heilen, Erben zeugen

Krohnemann indes versprach dem Markgrafen Christian Ernst, eine Universaltinktur herzustellen. Sie sollte eine Doppelfunktion haben - nämlich Krankheiten zu heilen und männliche Erben zu zeugen. Außerdem sollte die Tinktur aus unedlen Metallen Silber und Gold extrahieren können. Der Markgraf indes war zunächst misstrauisch, doch der Geheime Rat Caspar von Lilien präsentierte angeblich von Krohnemann hergestellte Goldklümpchen. Als Krohnemann dann auch noch signalisierte, dass er, wenn er in die Dienste des Markgrafen gestellt würde, sogar zum evangelischen Glauben übertreten werde, war das Eis gebrochen.

Als Frauenheld bekannt

Krohnemann konnte sich nicht nur beim Markgrafen einschmeicheln, sondern soll ein legendärer Frauenheld gewesen sein. Er wurde Münz- und Baudirektor, Geheimer Rat, Kommandant der Landesfestung. Sogar als Taufpate des Erbprinzen Georg Wilhelm wurde er eingesetzt.

Der Markgraf unterstützte die Tätigkeiten des Filous mit 1000 Dukaten sowie zusätzlich mit 1000 Talern für "philosophische Öfen, Geschirre und Instrumente". Doch Krohnemann widmete sich mit der finanziellen Ausstattung nicht seiner Kunst, sondern ließ es sich stattdessen mit jungen Damen gutgehen.

Immer wieder kamen Zweifel auf. Und schließlich wurde Krohnemann 1684 nach Kulmbach verbannt. "Nachdem weitere Experimente im Roten Turm und auf der Plassenburg scheiterten, ergriff er die Flucht. Am 12. Februar 1686 setzte er sich in der Nacht aus der Plassenburg ab", erzählte Schoberth.

Krohnemann versuchte, sich ins Kirchenasyl nach Marienweiher zu retten, wurde katholisch. Durch die Amtshilfe des Bamberger Bischofs indes wurde er 1686 an die markgräflichen Soldaten übergeben und vor das Kulmbacher Banngericht gestellt.

Das Gericht verurteilte ihn zum Tod am Galgen, wo er ein unrühmliches Ende fand.

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