Bamberg

Goldenes Jahr für "Blaue Jungs"

Dankbar und voller Stolz denken die Sänger des Bamberger Marinechors an ihren Auftritt bei der Taufe des Schiffes "Bamberg" in Rostock-Warnemünde zurück. In dieser Woche sind sie auf dem Bamberger Maxplatz zu hören.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Die Blauen Jungs" um ihren Chorleiter Günter Rauh (mit Schifferklavier)  Foto: privat
"Die Blauen Jungs" um ihren Chorleiter Günter Rauh (mit Schifferklavier) Foto: privat

Am Donnerstag, 19. Dezember, geht mit einem Auftritt ab 17.30 Uhr beim Weihnachtsmarkt am Maxplatz ein besonderes Jahr für den Bamberger Marinechor "Die Blauen Jungs" zu Ende. Schließlich durften die Sänger um Günter Rauh die Taufe des Bundespolizei-Einsatzschiffes "Bamberg" durch Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in Rostock-Warnemünde musikalisch begleiten.

Der Chorleiter erinnert sich im Interview daran und blickt voraus auf das nächste Jahr, das ein außergewöhnliches Konzert verspricht.

Welche Bedeutung hatte es für Ihren Chor, die Schiffstaufe musikalisch umrahmen zu dürfen?

Günter Rauh: Als wir die Nachricht erhielten, dass wir nach Rostock-Warnemünde zum Singen eingeladen sind, waren wir sehr erfreut und auch ein bisschen stolz. Für uns war es eine Ehre, für diesen nicht alltäglichen Anlass engagiert zu werden. Der Stellenwert war sehr hoch, zumal wir uns mit unserem Hobby, dem seemännischen Gesang, identifizieren. Sicher, wir sind nicht alle Seeleute gewesen - aber wir lieben den Norden, die Seefahrt und das Meer, ohne unsere Heimat zu vergessen. Dass für uns diese Reise kein Spaziergang wird, war uns klar.

Wir haben aber die Strapazen gerne in Kauf genommen. Man bedenke, dass die Reise um Mitternacht mit dem Bus begann und am folgenden Tag um 11 Uhr in Warnemünde endete. Anschließend Stellprobe und eine Stunde später war schon unser Auftritt, der übrigens mit sehr viel Applaus belohnt wurde. Am nächsten Tag ging es nach einer Übernachtung in der örtlichen Kaserne von Warnemünde nach Bamberg zurück.

Den Bamberger Marinechor gibt es seit nun 57 Jahren. Im Geburtsjahr waren Seemannschöre eine Seltenheit, später boomten sie. Wie ist die Situation aktuell und das Interesse am maritimen Liedgut?

Auch wir mussten uns dem Wandel der Zeit anpassen. Wir hatten früher mehrmals größere Reisen mit anschließenden Auftritten des Marinechores und der Bordkapelle. Ob wir in Österreich (Steyr, Feldkirchen, Ried) oder an der Küste in Bremerhaven mit rund 800 Zuhörern oder Kiel in der Ostseehalle waren. Die Bamberger Marinekameradschaft und ihr Chor waren schon immer in maritimen Kreisen bekannt und gefragt.

Da es heute genügend Marinechöre in anderen Städten gibt, ist es sehr wichtig, weiter ein gutes Niveau zu besitzen. Dann findet man auch Anerkennung. Man braucht Überzeugung und Freude, Beharrlichkeit und viel Fleiß. Das Publikum spürt sofort fehlende Überzeugung. Das seemännische Liedgut wird immer noch gerne gehört, auch in unserer Region. Allerdings ist die Konkurrenz größer geworden, was wir positiv sehen.

Der Altersdurchschnitt ihres Chores liegt bei 70 Jahren. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?

Natürlich. Unser großes Problem ist es, Nachwuchs zu finden. Nach unseren Auftritten in Bamberg und Umland kommen Menschen auf uns zu, die sich freudig über unseren Auftritt äußern. Wir nutzen die Gelegenheit und laden Männer zum Singen mit uns ein. Die meisten Zusagen verpuffen leider nach der Begeisterung. Bei uns ist jeder willkommen, der gerne singt und sich in der richtigen Tonlage bewegt. Von einem neuen Sänger wird kein Solovortrag erwartet. Es ist mir wichtig, dass ein neues Mitglied sich in unserer Gemeinschaft wohlfühlt.

Allerdings: Am Montagabend, an dem unsere Proben stattfinden, muss man sich von der Couch erheben und auf Fernsehen verzichten. Kleiner Trost: Nach der Probe habe ich noch keinen Sänger missmutig nach Hause gehen sehen. Wer bei uns reinschnuppern möchte: Unsere Proben finden jeden Montag um 19 Uhr im Marineheim in Bug statt.

Was dürfen die Besucher des Weihnachtsmarktes am Donnerstag erwarten?

Beim Auftritt ab 17.30 Uhr werden wir ausschließlich Weihnachtslieder - meist mit maritimem Bezug - zum besten geben. Wir wollen die Menschen einstimmen auf die kommende Weihnacht und an früheren Zeiten erinnern. Selbstverständlich sind auch moderne Stücke zu hören.

Gibt es schon konkrete Planungen für das nächste Jahr?

Am 4. März fahren wir zu der Amberger Marinekameradschaft und geben dort ein zweistündiges Konzert mit Melodien von Seefahrt und Fernweh. Unser größtes Highlight wird am 2. Mai ein Benefizkonzert im Hegelsaal in der Konzert- und Kongresshalle Bamberg sein. Wir erwarten 600 Besucher, die von vier Seemannschören aus Franken unterhalten werden. Der Reinerlös fließt einem guten Zweck im Bamberger Raum zu. Eintrittskarten gibt es ab März bei uns im Marineheim in Bug.

Ende Juli 2020 wird wie jedes Jahr unser Sommerfest in Bug auf dem Marineareal stattfinden. Auch bei Geburtstagen, Kirchweihen und öffentlichen Festen sind wir wieder dabei und vergessen werden auch nicht die Senioren in den Altenheimen unserer Stadt.

Die Fragen stellte

Michael Memmel

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren