LKR Haßberge
Glosse von Andreas Lösch

Gleichberechtigung? Nein? Dann seid wenigstens ein bisschen nett zu einander

Gleichberechtigung für alle! Jawohl: für alle. Naja ok, vielleicht doch nicht, weil: Total öde, wenn man plötzlich niemanden mehr diskriminieren oder jemandem klarmachen kann, dass er einfach nicht in...
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Gleichberechtigung für alle! Jawohl: für alle. Naja ok, vielleicht doch nicht, weil: Total öde, wenn man plötzlich niemanden mehr diskriminieren oder jemandem klarmachen kann, dass er einfach nicht in der Position ist, gleichberechtigt zu sein. "Du nicht, du WURM! Alle Macht dem Gelde, und davon hab ich reichlich. *fieser Lacher*" - Da sieht man doch gleich, dass man durch Geld und die Verfügung über Ressourcen ein bisschen gleichberechtigter ist als der Rest. Immerhin: Man wird auch wahrscheinlicher ausgeraubt oder lösegelderpresst. Der normale Bürger braucht sich mit seinen paar Kröten auf dem Konto um solche Sachen keine Sorgen zu machen. Unabhängig davon soll aber niemand ausgeraubt, gefoltert oder anderweitig unwürdig behandelt werden. Weil: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es im Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Mit der Geburt endet das dann aber auch direkt wieder, also bist du quasi kurz frei und gleich an Würde, aber dann machen dir die Gesellschaft und die Regierung und mitunter die Krankenkasse einen Strich durch die Rechnung. 193 Staaten haben den Menschenrechtgrundsatz für sich reklamiert, weil sie Mitglied bei den Vereinten Nationen (UN, United Nations) sind. Das sind sehr viele Länder, und zu ihnen gehören auch zum Beispiel Nordkorea, Somalia, Syrien und der Irak. Irgendwie komisch, denn "frei und gleich" kann man sich dort wohl nicht fühlen. Wer aber nun sagt, Länder wie Deutschland oder die USA machen es besser, der irrt. Die USA hat schließlich den Rassismus jahrhundertelang gelebt und geliebt - auch heute tun es noch viele Amerikaner. Sie denken zum Beispiel: Schwarze sind Weißen unterlegen, und es ist wohl das gute, gottgegebene Recht des weißen Mannes, diese These zu verbreiten. Solche Menschen sind oft davon überzeugt, zu den Guten zu gehören. Das ist ziemlich doof. Dabei profitieren alle von Gleichberechtigung, man müsste sie halt leben und lieben wie ein Südstaaten-Offizier den Rassismus.

Die UN-Menschenrechtscharta ist durchdacht und wichtig. Gleich im zweiten Artikel macht sie klar, was Gleichberechtigung bedeutet: "Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand." Problem: Die Charta ist nicht verbindlich. Wenn man mag, kann man sie sich ausdrucken und ein bisschen damit herumwedeln. Ein Bürger, der glaubt, dass seine Würde wirklich unantastbar ist, wie es auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vorgibt, der irrt sich gescheit. Während das Grundgesetz bindend und für alle anderen deutschen Gesetze maßgebend ist, hat die UN-Menschenrechtscharta nur den Rang einer Empfehlung: "Also, es wäre nett, wenn ihr die Würde des Menschen...also, ihr wisst schon...frei und gleich...und bitte seid nett zueinander, ok?" - "Ja, ok", sagen die Länder. Ja, ok. Weil sie unverbindlich sind, liegen die Menschenrechte dann bisweilen nutzlos herum. Das Problem: In vielen Konflikten auf der Erde geht es nicht um einzelne Menschen, sondern um Religionen und Ideologien, um die ethnische Zugehörigkeit, um Territorium und Besitz. Da gerät das Individuum ins Hintertreffen und die Menschenrechte mit ihm. Schließlich geht es um etwas Größeres. So rechtfertigen Staatslenker immer ihr Handeln - Gleichberechtigung hat da keinen Platz.

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