Lichtenfels
Glosse von Matthias Einwag

Gleichberechtigung + Gleichverpflichtung = Gleichmacherei

Mit der Gleichberechtigung ist das so eine Sache. Man hat sie oder frau hat sie nicht. Schon das Wort klingt verdächtig. Irgendwie nach Gleichschaltung. Und nach Quote. Gerade in Zeiten des Genderns h...
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Mit der Gleichberechtigung ist das so eine Sache. Man hat sie oder frau hat sie nicht. Schon das Wort klingt verdächtig. Irgendwie nach Gleichschaltung. Und nach Quote. Gerade in Zeiten des Genderns habe ich durchaus eine diverse Einstellung zur Gleichberechtigung. Was nicht heißen soll, dass ich gleichen Lohn für gleiche Arbeit gleichsetze mit schlecht. Noch besser wäre: Gleiches Ergebnis bei gleichem Aufwand und gleicher Kreativität gleichartiger Werktätiger.

Gleichwohl liegt es auf der Hand, dass allzu viel Gleichmacherei schon zu Zeiten des real existierenden Sozialismus nicht erfolgreich verlaufen konnte. Und geschichtlich betrachtet ist Gleichberechtigung etwas, das immer wieder angestrebt, aber selten erreicht werden konnte. Was hätte wohl König Ludwig II. davon gehalten, wenn man ihm zugemutet hätte, Untermieter in Neuschwanstein aufzunehmen? Und was wohl Ludwig XIV. gesagt hätte, wenn sein exaltierter Hof in Versailles als Volksfest für Clochards geöffnet worden wäre? Liberté, Égalité, Pfefferminztee. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Nein, nicht der obligatorische Küchendienst für Familienväter. Gääähn! Das ist eine banale Minimalforderung des vergangenen Jahrhunderts.

Erübrigt hat sich inzwischen wohl auch die jahrhundertealte Forderung, den Zölibat abzuschaffen, um Frauen das Priesteramt in der Katholischen Kirche zu ermöglichen. Das will ja inzwischen kaum eine Frau mehr. Insofern sind die Frauen und Männer zumindest in dieser Frage gleichgestellt, denn kaum ein Mann will noch noch Priester werden. Ein postbiblisches Gleichnis für die angewandte Gleichstellung. Während es Frauen in Saudi-Arabien nun endlich gestattet ist, selbst am Steuer eines Autos zu sitzen, winken Autofahrerinnen in Industriestaaten nur müde ab: Wollen wir gar nicht mehr, wir warten aufs selbst fahrende, selbst einparkende Auto. Auf eine Innovation, die von Frauen, Männern und Transgendern sehnlichst herbeigesehnt wird. Ein intelligentes Auto, das um Dieselfahrverbotszonen am Stuttgarter Neckartor herumschippert und das sich nicht auf einen Frauenparkplatz stellt, wenn ein Mann am Steuer, pardon: in der Fahrgast/-gästinnenzelle sitzt. Kurzum: Gleich und gleich gesellt sich nur dann gern, wenn gemeinsam das Ungleiche bekämpft werden kann. Proletarier gegen Kaiser Nero zum Beispiel. Manta-Fahrer gegen Golf-Proleten. Veganer gegen Fleischwölfe.

Wahre Gleichberechtigung wäre ohnehin erst erreicht, wenn jeder Werktätige alles könnte und machte: Zahnärzte reparieren Zahnriemen, Monteure kredenzen Merlot, Redakteure wirken als Rektoren, Mathelehrer als Marktforscher, Soldaten als Gastronome, Astronauten als Bergleute ...

Oder - frei nach Karl Valentin: Wenn die Feuerwehrleute montags als Polizisten eingesetzt würden, dienstags als Förster, mittwochs als Zeitungsausträger, donnerstags als Postboten und freitags als Beichtväter/- schwestern/- diverse ...

Kein guter Vorschlag, finden Sie? Zugegeben, ich bin nicht der Kreativste auf diesem Terrain, kann mir also nicht in buntesten Farben ausmalen, wohin übertriebene Gleichstellung zu führen vermag. Vielleicht doch noch zu einer Päpstin und einer US-Präsidentin. Doch wem, außer den Amtsinhaberinnen, würde das nützen?

Mir ist es egal, ob eine Frau oder ein Mann meine Steuererklärung anmahnt, mir ein Knöllchen an die Windschutzscheibe hängt, die Regierung führt, den TV-Wetterbericht präsentiert oder köstlichen Nonsens in die Zeitung schreibt. Solange er/sie sein/ihr Ding korrekt macht, ist's mir gleich, diese Stellung beziehe ich.

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