LKR Coburg
zur besinnung von Elmar Jonas

Glaubwürdiges Christsein

Wenn beim Einkaufen die Verpackung etwas anderes verspricht, als der Inhalt hergibt, bezeichnen wir das als Etikettenschwindel. Auch in der Politik sind wir davor nicht gefeit. Ist es etwa gerecht, we...
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Wenn beim Einkaufen die Verpackung etwas anderes verspricht, als der Inhalt hergibt, bezeichnen wir das als Etikettenschwindel. Auch in der Politik sind wir davor nicht gefeit. Ist es etwa gerecht, wenn ein 18-jähriger Flüchtling aus Afghanistan nach Hause soll, während seine Mutter und Geschwister hierbleiben dürfen? Ist es sozial, Flüchtlinge in großen Massenlagern monate- und jahrelang von der Gesellschaft zu isolieren? Ist es christlich, wenn Ehegatten ihre Partner und Kinder nicht nachholen dürfen? Wer den Flüchtling vor sich hat, der sich um Frau und krankes Kind im Flüchtlingslager sorgt oder die Kinder, denen Vater oder Mutter fehlt, weiß, was diese Politik für Folgen hat. Ist es christlich, jungen Flüchtlingen die Ausbildung zu verweigern, obwohl sie nicht abgeschoben werden können? Über 14 000 Ausbildungsplätze blieben letztes Jahr in Bayern unbesetzt. Und dennoch wird Hunderten von Flüchtlingen die Ausbildung verweigert. Welch eine Verschwendung von menschlichen Möglichkeiten zum Schaden der Wirtschaft und Gesellschaft!
Und was tun wir da den jungen Menschen an, die - zum Nichtstun verdammt - vom Staat unterhalten werden müssen und ihre Gott-gegebenen Fähigkeiten und Gaben nicht zum Wohle der Gemeinschaft entfalten können!
Im Namen des Gekreuzigten, dessen Kreuz seit 1. Juni in allen staatlichen Gebäuden in Bayern hängt, dürfen wir dieses unnötige Leid der Flüchtlinge nicht einfach hinnehmen. Als Christen müssen wir unsere Stimme erheben, besonders wenn solche Politik als sozial, gerecht oder gar christlich bezeichnet wird.
Aber bloße Empörung kann sehr selbstgerecht sein. Wir müssen uns auch ehrlich fragen, wo wir selbst unseren Glauben nur oberflächlich leben und Gottes Liebe unseren Alltag nicht prägt.
Der französische Schriftsteller Georges Bernanos sagte: "Das große Unglück dieser Welt ist nicht, dass es Ungläubige gibt, sondern dass wir so mittelmäßige Christen sind." In diesem Sinn hat Papst Franziskus alle Christen dazu eingeladen, "noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern", bzw. "ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen." Am besten beginnen wir sofort, indem wir uns an Jesus Christus wenden, der in uns gegenwärtig ist: "Jesus, Du Licht in unseren Herzen, Du Bruder aller Menschen, Du ersehnst uns zum Wirken mit Dir. Hier bin ich. Da für Dich. Ganz Dein. Entfache in mir das Feuer Deiner Liebe."
Durch unsere Hingabe und zweifellosen Glauben kann Er dies durch Seinen Atem-Geist tun.
Und so wirken wir gemeinsam, indem wir in jedem bewussten Atemzug Seine Liebe und Kraft empfangen, um sie im Ausatmen den Menschen zu geben, den Flüchtlingen, den Politikern, den uns Nahestehenden, Allen.

Elmar Jonas aus Kronach ist Diplompädagoge.
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