Forchheim

Gießwasser stinkt gottserbärmlich

Die Brunnen im Neuen Friedhof in Forchheim werden von einem Naturteich gespeist. Dieses Wasser ist voller Algen und riecht extrem unangenehm.
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Das Gießwasser aus den Schöpfbrunnen des neuen Friedhofes in Forchheim ist durch das Algenwachstum grün. Und es riecht übel.  Fotos: J. Hofbauer
Das Gießwasser aus den Schöpfbrunnen des neuen Friedhofes in Forchheim ist durch das Algenwachstum grün. Und es riecht übel. Fotos: J. Hofbauer
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Josef Hofbauer

Ein widerlich modriger Geruch weht über die Gräber des Neuen Friedhofes in Forchheim. Ursache ist das Gießwasser in den Schöpfbrunnen, das so übel riecht.
"Ist das überall so?", will eine Seniorin wissen, die mit einer Gießkanne Wasser unterwegs ist. Eine andere Dame bestätigt: "Ich habe schon ein paar Schöpfbrunnen ausprobiert. Das Wasser stinkt überall gottserbärmlich. Aber ich weiß nicht, woran das liegt."


Wie am Hafenbecken

Ein Mann berichtet: "Ich gieße seit 23 Jahren das Grab meiner Schwiegereltern, aber so schlimm wie heuer war es noch nie. "Es riecht, als stünden Sie an einem Hafenbecken, das hundert Jahre keinen Sauerstoff abbekommen hat", schildert der Zeuge seine Beobachtung.
Ursache ist das Wasser aus dem Naturteich zwischen der Stadtgärtnerei und dem Friedhof, in dem das Regenwasser der Gärtnerei gesammelt wird. Dieses mit einer Folie ausgelegte Becken ist rund 15 mal 20 Meter groß und fünf Meter tief. "Es fasst 1300 Kubikmeter Wasser", erklärt Herbert Fuchs, Leiter des Forchheimer Stadtgartenamtes.
Das meiste Wasser ist verbraucht. Die aktuelle Tiefe des trapezförmigen Beckens schätzt Fuchs auf knapp einen Meter. Auf etwa 30 Kubikmeter schätzt Fuchs den kläglichen Rest. Da sei es kein Wunder, dass dieses Wasser "umgekippt" sei. Das Laub, das sich auf dem Boden des Teiches abgesetzt hatte, habe angefangen zu faulen. Durch die enorme Hitze in den vergangenen Tagen entwickelte sich ein reges Algen-Wachstum, das verantwortlich sei für den Gestank.


Das Wasser ist sogar Dünger

Pumpen befördern das Wasser in die Schöpfbrunnen im Friedhof. Deshalb verbreitet sich auch dort der üble Geruch. "Den Blumen macht das nichts. Das ist sogar Dünger", versichert Herbert Fuchs.
"Ich bin froh, dass wir diesen Teich haben. Angesichts der außergewöhnlich hohen Temperaturen hat das Wasser lange gehalten", so Fuchs. Er macht den Friedhofsbesuchern Hoffnung, dass es mit der Geruchsbelästigung ganz schnell vorbei sein werde.
Am Boden des Beckens sei ein Fühler eingebaut. Seit Dienstag wird deshalb kein Wasser mehr vom Naturteich in die Schöpfbrunnen im Friedhof gepumpt. "Wir haben auf die Wasserleitung der Stadtwerke umgeschaltet. Ein Begrenzungsgeber, also ein Fühler, der den Wasserstand anzeigt, sorgt dafür, dass kein Schlamm vom Boden aufgesaugt wird und die Leitung verstopft." Durch das Frischwasser, das in den Schöpfbrunnen zunehmend mit dem stehenden Wasser vermischt wird, werde das Problem der Geruchsbelästigung bald beseitigt sein, zeigt sich Herbert Fuchs überzeugt. "Wenn da ein paar Leute ihre Gräber gießen, gehört das Algenproblem der Vergangenheit an", so Fuchs.
Weil das Trinkwasser kostbar ist, sei der Anschluss an die städtische Wasserversorgung aber nur eine Interimslösung. "Sobald es wieder regnet und sich der Naturteich füllt, wird wieder auf das gesammelte Regenwasser umgestellt", so Fuchs.


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