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trieb.inFranken.de  Die IG Bau Oberfranken ehrt treue Mitglieder und will sich weiter für faire Arbeitsbedingungen einsetzen.

Gewerkschafter zeigen sich kämpferisch

Am 14. August dieses Jahres hat Rudolf Gregor seine 70 Jahre vollgemacht. Für seine jahrzehntelange Mitgliedschaft bei der IG Bau Oberfranken wurde der Lichtenfelser gemeinsam mit 58 weiteren Jubilare...
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Diese Jubilare können auf 60, 65 und 70 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft zurückblicken. Mit im Bild ist Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (2. v. r.). Fotos: Gerda Völk
Diese Jubilare können auf 60, 65 und 70 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft zurückblicken. Mit im Bild ist Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (2. v. r.). Fotos: Gerda Völk
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Am 14. August dieses Jahres hat Rudolf Gregor seine 70 Jahre vollgemacht. Für seine jahrzehntelange Mitgliedschaft bei der IG Bau Oberfranken wurde der Lichtenfelser gemeinsam mit 58 weiteren Jubilaren aus den Kreisverbänden Coburg, Lichtenfels und Kronach am Samstagnachmittag im Landgasthof "Karolinenhöhe" ausgezeichnet.

Rudolf Gregor hat mit dreizehneinhalb Jahren in einer Glasfabrik in Marktleuthen (Landkreis Wunsiedel) als Glasmacherlehrling angefangen. Geboren im Kreis Glogau in Niederschlesien, blieb ihm nach der Vertreibung nichts anderes übrig, als die Mutter zu unterstützen. Der Vater und ein Bruder sind im Krieg gefallen.

Als Streikposten aktiv

Rudolf Gregor hat bis zu deren Konkurs im Jahr 1965 in der Glasfabrik gearbeitet. Danach ist er nach Lichtenfels gezogen, hat ein Jahr auf dem Bau gearbeitet und war anschließend bei der Firma Esto-Klinker in Ebersdorf bei Coburg beschäftigt. In all den Jahren ist Rudolf Gregor nie in den Sinn gekommen, der Gewerkschaft den Rücken zu kehren. Im Gegenteil. Während seiner Arbeit in der Glasfabrik hat er die Arbeit seiner Gewerkschaft aktiv als Streikposten unterstützt. "Schon damals bin ich für die Rechte der Arbeitnehmer eingetreten", erzählt der rüstige Rentner.

Vor 150 Jahren haben sich Bauarbeiter in Deutschland zum ersten Mal gewerkschaftlich organisiert. Auch wenn sich seit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Maurervereins im Jahr 1869 auf dem Bau viel geändert hat, stellt sich auch heute noch die Frage nach fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. "Das ist, was uns antreibt", erklärte Gerald Nicklas, Bezirksvorsitzender der IG Bau Oberfranken. Nicklas bedauerte, dass die heutigen Berufsstarter mittlerweile vergessen haben, dass nur eine starke Gewerkschaft etwas erreichen kann.

In seiner Festrede erinnerte Hauptredner Stefan Gerbig daran, dass 1949 ein in jeder Hinsicht wegweisendes Jahr war. Das Grundgesetz der Bundesrepublik trat in Kraft und auf der bayerischen Bezirkskonferenz wurde der Grundstein zur heutigen IG Bau gelegt. Doch ohne ihre Mitglieder sei vieles, was die Gewerkschaften in der Bundesrepublik erreicht haben, nicht durchsetzbar gewesen.

Gerbig sprach sich für ein klares Bekenntnis zur solidarischen, umlage- und paritätisch finanzierten Rente aus. "Sie alleine muss die wichtigste Säule der Rentenversicherung bleiben." Deswegen brauche es neben den Branchenmindestlöhnen auch einen gesetzlichen Mindestlohn, der zum Leben und später für eine auskömmliche Rente reiche.

Zwar sei die Arbeitslosigkeit gesunken, aber gleichzeitig auch die gesamte Arbeitswelt in Deutschland in Unordnung geraten. "Wie Unkraut haben sich schlechte und unfaire Arbeitsbedingungen ausgebreitet", klagte Gerbig. Die IG Bau werde sich in den nächsten Jahren mit diesen Fragen auseinandersetzen, sich für die Zukunft wappnen und diese aktiv mitgestalten. gvö

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