LKR Erlangen-Höchstadt

Gewerkschaft zieht für den Landkreis eine positive Mindestlohn-Bilanz

Der "8,50-Euro-Daumen" ist oben: Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für den Landkreis Erlangen-Höchs...
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Der "8,50-Euro-Daumen" ist oben: Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für den Landkreis Erlangen-Höchstadt eine positive Bilanz. "Zum ersten Mal haben alle Beschäftigten einen festen Lohnsockel unter den Füßen - von der Küchenhilfe bis zur Verkäuferin im Backshop: Wer arbeitet, muss dafür mindestens 8,50 Euro pro Stunde bekommen", sagt Regina Schleser. Für die Geschäftsführerin der NGG Nürnberg-Fürth ist der gesetzliche Mindestlohn der "Einstieg in den Lohn-Aufstieg für Menschen, die zuvor mit Niedrigstlöhnen abgespeist wurden".
Vom "Schreckgespenst Mindestlohn", vor dem die Arbeitgeber auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt noch vor einem Jahr gewarnt hätten, sei nichts übrig geblieben: Der Mindestlohn sei weder "Konjunktur-Bremser" noch "gefährlicher Job-Killer". Die NGG legte dazu jetzt eine aktuelle Mindestlohn-Analyse vor, die das Pestel-Institut (Hannover) im Auftrag der Gewerkschaft gemacht hat.


Mehr Stellen in der Gastronomie

Die Wissenschaftler werteten dabei laut einer Pressemitteilung der NGG auch die Beschäftigungssituation im Landkreis aus: "Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt. Insgesamt arbeiteten dort im Juni vergangenen Jahres immerhin 1164 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte - und damit 3,5 Prozent mehr als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab", sagt Schleser.
Nach Angaben der NGG Nürnberg-Fürth hat der Mindestlohn zudem dazu geführt, dass etliche Arbeitgeber aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht haben. "Viele Mini-Jobs waren besonders schlecht bezahlt. Durch den Mindestlohn sind die Mini-Jobber dann über die 450-Euro-Grenze gerutscht. Und das sind jetzt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das ist ein Riesenerfolg", sagt Regina Schleser.
Auch die Beschäftigtenzahl insgesamt habe sich mit dem gesetzlichen Mindestlohn positiv entwickelt: Im Sommer des vergangenen Jahres gab es im Landkreis Erlangen-Höchstadt 1634 Menschen mehr, die einen Job hatten als noch im Sommer des Vorjahres.
Dabei habe auch der Staat vom Mindestlohn profitiert. Er musste weniger Menschen unterstützen und sparte bei den Hartz-IV-Ausgaben. Denn die Zahl der Aufstocker ist um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen: "Diese Menschen können nun von ihrer Arbeit leben. Sie sind nicht länger auf die Stütze vom Staat angewiesen", so Regina Schleser.
Diese Zahlen liefern für die Geschäftsführerin der Gewerkschaft NGG Nürnberg-Fürth eine "klare Botschaft": "Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat den Beschäftigten gutgetan. Und er hat der Wirtschaft nicht geschadet." Im Gegenteil: Das Lohn-Plus habe dem Landkreis Erlangen-Höchstadt eine höhere Kaufkraft beschert, von der insbesondere auch die heimische Wirtschaft profitiert habe. "Denn Beschäftigte, die den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, haben das zusätzlich verdiente Geld nahezu eins zu eins in den Konsum gegeben", so Schleser.


Mindestlohn soll noch steigen

Um diesen Menschen die Chance zu geben, auch Geld für größere Anschaffungen auf die hohe Kante zu legen, müsse der Mindestlohn allerdings steigen: "Unser Ziel ist es, ihn möglichst rasch in einem ersten Schritt auf zehn Euro pro Stunde anzuheben", macht die Geschäftsführerin deutlich. Die NGG habe einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der gesetzliche Mindestlohn überhaupt eingeführt worden sei. Jetzt werde die Gewerkschaft ebenso hartnäckig daran arbeiten, ihn schrittweise "zu liften".
Für die NGG Nürnberg-Fürth ist eine Erhöhung des Mindestlohns nur konsequent. Das zeige auch eine Berechnung des Bundesarbeitsministeriums: Um eine Rente von mindestens 769 Euro pro Monat - also gerade einmal die Grundsicherung im Alter - zu bekommen, müsse ein Beschäftigter immerhin mindestens 11,50 Euro pro Stunde verdienen. Und das 45 Jahre lang bei einer Vollzeitstelle. "Ein Leben lang arbeiten und dann doch nur Alters-Hartz-IV bekommen - das kann und das darf es nicht sein. Der gesetzliche Mindestlohn steckt noch in den Kinderschuhen. Aber wir werden ihn groß bekommen", ist sich Schleser sicher. red

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