Bamberg

Gewerbepark - für wen?

Unternehmer erklären, wie wichtig neue Flächen für sie sind. Aber es gibt Widerspruch.
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HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller (mit Mikrofon) erklärt, warum die Handwerkskammer gerne ein Ausbildungszentrum in Bamberg errichten möchte.  Foto: Barbara Herbst
HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller (mit Mikrofon) erklärt, warum die Handwerkskammer gerne ein Ausbildungszentrum in Bamberg errichten möchte. Foto: Barbara Herbst
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Vertreter des IHK-Gremiums Bamberg und der Handwerkskammer machten bei der Podiumsdiskussion von FT und Radio Bamberg deutlich, dass das Interesse am Gewerbepark Geisfelder Straße groß sei. "Wir haben in unserem Gremium das Für und Wider erörtert, es gibt eine deutliche Mehrheit pro Gewerbegebiet. Den Unternehmen fehlt in Bamberg die Luft zum Atmen, sie brauchen neue Flächen", erklärte Ursula Krauß. "Viele Bamberger Familienunternehmen haben darauf gesetzt, dass auf dem Konversionsgelände Flächen angeboten werden", sagte Florian Müller (beide IHK). "Sie wollen Bamberger bleiben und trotzdem expandieren. Gelingt das nicht, werden sie abwandern müssen." Ähnliches berichtet Matthias Graßmann für das Handwerk, wo viele Betriebe mitten in Wohn- oder Mischgebieten angesiedelt sind.

Bürgermeister Christian Lange sieht die Gefahr, dass Arbeitsplätze in Bamberg verloren gehen. Und HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller berichtete von den Plänen seiner Kammer, ein Ausbildungszentrum im westlichen Oberfranken zu errichten, mit klaren Präferenzen für Bamberg. Doch dafür brauche man 2,5 bis vier Hektar Fläche.

Volker Braun räumte für die Bürgerinitiative ein, dass Gewerbe notwendig sei und Flächen brauche. Es gehe aber auch um den Weg dorthin. "Die Stadt Bamberg hätte hier die Chance vom ganzen Flächenbedarfs-Run mal wegzugehen." Es gebe in Bamberg mehr als 20 Hektar brachliegende Gewerbeflächen, dezentral, verstreut - aber vorhanden. Wirtschaftsreferent Stefan Goller erwiderte, dass diese Flächen alle kleiner als ein Hektar seien und damit nicht den Anforderungen der Betriebe entsprächen. "Es gibt nur kleine und Kleinstparzellen. Quer übers Stadtgebiet, ohne Erschließung, ohne Baurecht. Die einzige Entwicklungsmöglichkeit ist die Muna."

"Bedeuten mehr Gewerbeflächen mehr Gewerbesteuern? Das ist manchmal auch wie Lotto spielen", meint der langjährige GAL-Stadtrat Peter Gack. "Die Stadt geht verschwenderisch mit Gewerbeflächen um, am Laubanger oder auf dem Sperbergelände. Sie muss sparsamer damit umgehen, wenn die Flächen so knapp sind." Seine Parteifreundin Ursula Sowa findet, man könne schon "Visionen für das Muna-Gelände entwickeln. Wenn wir noch ein bisschen mehr Zeit gehabt hätten, hätten wir eine ganz tolle Lösung gefunden." Das HWK-Ausbildungszentrum wünscht sich Sowa dagegen "in die Stadt hinein, ich hätte da schon drei gute Vorschläge, die ich hier nicht verrate".

Die Aufgaben wachsen

"Dass wir Gewerbeflächen brauchen, ist gottseidank mittlerweile unstrittig", erklärte OB Starke. "Wir versuchen das Muna-Gelände zu nutzen und dabei ein Gleichgewicht von Ökonomie und Ökologie zu wahren." Ohne Gewerbesteuereinnahmen könne die Stadt den wachsenden Aufgaben wie Schulsanierungen oder Kita-Ausbau nicht mehr gerecht werden. Wenn das Ratsbegehren erfolgreich sei, könne man den Bebauungsplan zuende führen und selbst entscheiden, wer aufs Gelände darf: "Unternehmen ohne großen Flächenbedarf, vorzugsweise an Bamberger Firmen, die bisherige Flächen als Wohnraum zur Verfügung stellen." Dass sich das so umsetzen lässt, zweifelte hingegen Karin Einwag an.



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