Ebermannstadt

Gespalten, zerrissen, führungslos und bedeutungslos?

Es grenzt an ein politisches Erdbeben. Der CSU-Ortsverband Ebermannstadt - über Jahre hinweg stärkste politische Kraft - findet niemanden, der bereit wäre, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidiere...
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Es grenzt an ein politisches Erdbeben. Der CSU-Ortsverband Ebermannstadt - über Jahre hinweg stärkste politische Kraft - findet niemanden, der bereit wäre, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Eine politische Bankrott-Erklärung, zumal die CSU-Stadträte nichts unversucht ließen, in der zu Ende gehenden Legislaturperiode ihre Unzufriedenheit mit Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) kund zu tun.

Und: ein unübersehbares Indiz für die innere Zerrissenheit der Partei, in der es gleich mehrere Lager gibt. Da sind die "Realos", die im Stadtrat versuchen, Entscheidungen zum Wohle der Ebermannstadter Bürger zu treffen. In Sachen Baulandausweisung und Kinderbetreuung, Tourismuskonzept oder Stärkung der Infrastruktur gibt es jedoch einen parteiübergreifenden Konsens. Was den CSU-Räten den Vorwurf einbringt, sie hätten kein Profil, stimmten mit dem politischen Gegner.

Nicht zuletzt deshalb entschied sich Ortsvorsitzender Sebastian Striegel für eine Radikalkur, einen kompletten Neuanfang. Mit einer Mischung aus jungen, heimatverbundenen aber zukunftsorientierten Leuten und erfahrenen Kommunalpolitikern, die bereits Erfahrung gesammelt haben, soll eine Mannschaft geformt werden, die das Vertrauen der Bürger wieder zurückgewinnen will. Da ist Geduld gefragt. Es wird dauern, bis das Tal der Tränen, das die Mitglieder des Ortsverbandes Ebermannstadt durchschreiten müssen, überwunden ist.

Antje Müller ist zurück

Die Alternative dazu heißt Antje Müller (54), Spitzenkandidatin der Liste FDP/Bürgerforum, die am Donnerstag ihren Aufnahmeantrag als FDP-Mitglied gestellt hat. Ihr Traum, Bürgermeister-Kandidatin zu werden, ist damit für die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende nun doch noch in Erfüllung gegangen. Vor sieben Jahren, in der Ära Franz Josef Kraus, buhlte sie sogar um den CSU-Kreisvorsitz, und nur allzu gerne wäre sie statt Michael Hofmann in den Bayerischen Landtag eingezogen. Als das alles nicht klappte, sollte sie in ihrer Heimatstadt für die CSU den Bürgermeistersessel erringen. Doch im Ortsverein regte sich Widerstand, die Basis murrte. Statt der Wunsch-Kandidatin Antje Müller trat Rainer Schmeußer in den Ring. Die Folge: Die beim Kernkraftunternehmen Areva beschäftigte Expertin in Leittechnik und Elektronenphysik kehrte der CSU den Rücken, gab ihr Parteibuch zurück.

Aber auch bei der FDP tanzt Antje Müller wieder auf zwei Hochzeiten. Sie kandidiert für den Forchheimer Kreistag und will gleichzeitig Bürgermeisterin von Ebermannstadt werden. Ihr zur Seite stehen die alten Weggefährten wie das CSU-Ehrenmitglied Franz Josef Kraus, der sie einst als Wunsch-Nachfolgerin auserkoren hatte und der auf der Liste FDP/Bürgerforum auf Platz acht für den Stadtrat kandidiert. Der ehemalige stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Thomas Dorscht, mittlerweile der "Kopf" des Bürgerforums, führt die Liste neben Antje Müller an. Der frühere CSU-Fraktionsführer im Stadtrat Ebermannstadt, Hubert Herbst, hat mittlerweile seine politische Heimat ebenso beim Bürgerforum gefunden, wie die ehemalige CSU-Ortsvorsitzende Diana Striegel und ihr Ehemann Peter.

Ortsvorsitzender geschockt

"Nicht weiter tragisch", findet Ortsvereins-Chef Sebastian Striegel. Nur das Verhalten von Altbürgermeister und Ehrenmitglied Franz Josef Kraus hat ihn schockiert. Kraus habe der Partei seine uneingeschränkte Unterstützung angeboten, wollte aber nicht mehr kandidieren - weder für den Stadtrat, noch für den Kreistag. "Da hat er offenbar nicht die Wahrheit gesagt. Das nehme ich persönlich", erklärt Sebastian Striegel. Den anderen abtrünnigen Parteimitgliedern weint er offenbar keine Träne nach. "Wenn sie sich woanders besser aufgehoben fühlen, sollen sie eben dort hingehen!" Überdies hätten Aktionen aus dem Kreis derer, die nun die Seiten gewechselt haben, der Ebermannstadter CSU mehr geschadet, als genutzt.

Auch eine Art, sich von offenbar undisziplinierbaren Parteimitgliedern zu distanzieren. Gleichzeitig ist das auch der Beleg, dass in Ebermannstadt nach wie vor ein großer Riss durch die Partei mit dem C im Namen geht. Eine denkbar schlechte Voraussetzung, die Bürger davon zu überzeugen, ihr Kreuzchen bei der nächsten Wahl gerade bei dieser Gruppierung zu machen.

j.hofbauer@infranken.de

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