Loffeld

Geschichten über Mensch und Zeit

Der Schauspieler und Liedermacher Michael Fitz gastierte im Loffelder Brauereisaal. Dem Publikum trug er seine oft eigenwillige Sicht auf den Lauf der Welt vor.
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Er spielte in der Krimiserie "Tatort" an der Seite von Batic und Leitmayr den lässigen und jugendlichen Tatort-Kommissar Carlo Menzinger: Am Freitag erlebten die Besucher der Reihe "Kultur im Brauereisaal" eine weitere Facette des bayerischen Multitalents Michael Fitz. Zugegeben, eine etwas eigenwillige, mit hintersinnigem Humor und poetischen Geistesblitzen gespickte Facette, aber nicht minder interessant.

"Von jetzt auf gestern" heißt sein jüngstes Programm. Gleich sein erstes Lied "Willkommenskultur" führt in die Vergangenheit, als 2015 "die Massen von Menschen aus Österreich rausgeschubst und nach Bayern reingeschubst wurden", wie es der Liedermacher ausdrückt. In dem Lied geht es um die persönliche Willkommenskultur im Hause Fitz. Schließlich stelle ein Besuch auch eine logistische Aufgabe dar. "Da musst du aufräumen, einkaufen, etwas kochen: einen Kaffee oder Tee. Da bist du beschäftigt."

Einige Gäste im Publikum konnten sich das Schmunzeln nicht verkneifen, so locker und beiläufig kam die Aussage von Michael Fitz daher. In dieser Form sollte es den ganzen Abend weitergehen. Es waren zum Teil tiefsinnige Gedankenspiele, die er vortrug. Oder auch ein neuer Kosmos, ein unentdecktes Land, eine unendliche Reise, auf die der Schauspieler und Song-Schreiber seine Zuhörer mitnahm.

Gedanken über die Menschheit

Gedankenspiele wie beispielsweise die von der Menschheitsgeschichte, als die ersten Menschen von den "Bäumen runtergehüpft sind und mitten in der Wiese standen". Gedankenspiele, die darin mündeten, sich vorzustellen, dass es selbst in Urzeiten, als der Mensch noch in Höhlen lebte, schon eine Wohnungsnot gegeben haben könnte. Wie heute in München. Ob das allerdings der Grund war, warum der Neandertaler ausgestorben ist, dürfe bezweifelt werden.

Michael Fitz ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, ein Wanderer zwischen den Welten. Allerdings stellt sein bayerischer Dialekt auch einige Anforderungen an fränkische Ohren. Das Gefühl von Ohnmacht, trotz aller Anstrengung nicht beachtet zu werden, fasste Michael Fitz im Song "Du sigst mi ned" (Du siehst mich nicht) zusammen. Die Erkenntnis aus dem Song lieferte er umgehend nach: "So ein Mensch braucht einen Partner, der ihm 24 Stunden das gibt, was er braucht. Das ist ein Knochenjob."

Mit den Jahren hatte Michael Fitz vieles gesammelt. Ein Thema jagte das andere beim Auftritt in Loffeld. Er sang von Paarbeziehungen, die eine Art eigenes Elysium sind, und von der Zeit, die unweigerlich vergeht - ein virtuelles Starterpaket, das jeder Mensch bei der Geburt mitbekommen hat. Zeit, die sich wie Gummi ziehe, aber manchmal auch davonlaufe. Irgendwann ist die Lebenszeit dann um. "Warum muss sie vergehen?" Eine Frage, die sich sicher so mancher im Saal schon gestellt haben mag.

War es eine Therapiestunde?

Michael Fitz machte keine Stimmungslieder, denn dafür seien andere zuständig. Allerdings dürfte die Meinung eines Besuchers seiner Konzerte dann doch etwas danebengegriffen sein, der meinte, das sei kein Konzert, sondern eine Therapiestunde.

Die Reihe "Kultur im Brauereisaal" hat sich mittlerweile etabliert. Zwischen 120 und 130 Leute sind gekommen, füllen regelmäßig den Saal bei den Veranstaltungen. Am Ende des Kleinkunstabends wurde auch diesmal der Wunsch nach Zugaben laut. Bei der Enge der Bühne bleibt für den Künstler kaum Platz. Hinter dem Vorhang ist zu wenig Platz, auch der Weg in die hinteren Reihen ist schwierig, weil überall Leute sitzen. Also bleibt Michael Fitz auf der Bühne stehen und gibt mehrere Zugaben. Das Lied "Hinter meiner Stirn" gipfelte in der Erkenntnis, dass "jeder meint, er weiß, was los ist hinter meiner Stirn". Im Gegensatz zum Computer habe der Kopf allerdings keinen Lüfter.

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