Lichtenfels

Geschichten ging er auf den Grund

Der Journalist Andreas Welz aus Buch am Forst starb überraschend im Alter von 74 Jahren.
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So kannten viele Menschen am Obermain Andreas Welz: Mit Kugelschreiber, Block und Kamera bei der Arbeit. Foto: Matthias Einwag
So kannten viele Menschen am Obermain Andreas Welz: Mit Kugelschreiber, Block und Kamera bei der Arbeit. Foto: Matthias Einwag

Unverwechselbar in seiner barocken Erscheinung, gemütlich und jovial, ein höchst kompetenter und gewissenhafter Journalist, jahrzehntelang ein sehr zuverlässiger Mitarbeiter des Fränkischen Tages, ein sehr liebenswerter Mensch und Kollege: Das war Andreas Welz. Unerwartet ist er im Alter von 74 Jahren in Buch am Forst gestorben.

Vielleicht hat der "Andy", wie er in der Redaktion gerne genannt wurde, gerade an einem weiteren Bericht gearbeitet oder dafür recherchiert. Andreas Welz war Lokaljournalist mit Leib und Seele. Er lebte und liebte diesen Beruf. Wenn er von der Zeitung einen Auftrag erhielt, begnügte er sich nicht mit dem, was meist üblich ist. Es gehörte zu seiner Berufsauffassung, Veranstaltungen, über die er berichten sollte, notfalls nachzurecherchieren, um mehr Klarheit zu schaffen - auch für sich. Dies kam dann den Medien und den Lesern zugute. Bemerkenswert war auch die direkte Art, mit der er bei Pressekonferenzen nachhakte, auch wenn es für Betroffene mitunter unbequem wurde. Dieses journalistische Prädikat konnte sich Andreas Welz mit zunehmender Berufserfahrung leisten. Er beherrschte das journalistische Handwerk und hielt dessen Grundregeln in Ehren. Sensationsjournalismus war ihm fremd. "Es geht mir nicht um Selbstdarstellung. Mich interessieren die Hintergründe", hat er in einem Interview einmal gesagt.

Komplexe Themen reizten ihn

Der Journalist aus Buch war an allen lokalen Themen interessiert und konnte über alle Veranstaltungen berichten. Auch Kultur-Termine nahm er wahr. Anspruchsvolle und komplexe Themen reizten den Mitarbeiter mit dem Kürzel "awe" besonders. Gerne kümmerte er sich zum Beispiel um die bäuerliche Land- und Forstwirtschaft am Obermain.

In den vergangenen Jahren berichtete er für die Print-Medien regelmäßig vom großen Lichtenfelser Schützen- und Volksfest. Ebenso gerne machte er sich auf die Spuren unserer Vorfahren und arbeitete Lokalgeschichte auf.

Andreas Welz berichtete aus dem gesamten Landkreis Lichtenfels und aus angrenzenden Gebieten, am liebsten aber aus seinem Heimatort Buch und von hier über alles, was interessant war. Wenn es um Buch am Forst ging, war er zur Stelle. Als das Jubiläum "800 Jahre Buch am Forst" näher rückte, war der Mann mit dem Blick für historische Zusammenhänge Initiator und Mitgestalter für die Feier im Jahr 2015. Seinem Einsatz und seiner profunden Kenntnis über diesen Flecken Erde an der Landkreisgrenze zu Coburg verdanken die Menschen dort seit Jahrzehnten breite Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

In der Wohnung des Försters

Seit Mitte der 1980er-Jahre lebte Andreas Welz in dem Ort nahe der Landkreisgrenze zu Coburg, zuletzt in einem Nebengebäude des dortigen Schlosses - dort, wo früher der Förster gewohnt hatte. Gemeinsam mit seinem Bruder verbrachte er seine freie Zeit damit, den Bau instand zu setzen.

Seit 2014 war Andreas Welz Ortssprecher seines Heimatortes. In dieser Funktion brachte er regelmäßig Wünsche und Anregungen aus dem Lichtenfelser Stadtteil zur Sprache. In Ausschüssen brachte er kommunale Anregungen und Probleme aus dem Stadtteil vor, und er nahm an Sitzungen des Stadtrates teil. Andreas Welz war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Buch.

40 Jahre gehörte er dem dortigen Ortsverband der CSU an und war jahrelang dessen Zweiter Vorsitzender. Für die Treue zu seiner Partei wurde er im Oktober geehrt. "Franz Josef Strauß kannte mich persönlich", hat er einmal gesagt.

Am 4. April 1944 hatte Andreas Welz im ostpreußischen Königsberg das Licht der Welt erblickt. Seinen Geburtsort, auf den an diesem Tag Bomben fielen, hielt er in Ehren. So baute er den Ortsnamen in eine E-Mail-Adresse ein, die lange Jahre gültig war. Sein Vater war Pastor, die Mutter Sekretärin bei einer Wehrmachtsorganisation. Andreas hatte vier Geschwister. Nach Kriegsende floh die Familie über Hamburg und Hannover nach Berlin. 1965 entschied sich der junge Mann, zur Marine zu gehen. Für die Handelsmarine war er bis 1984 auf hoher See und kam so in der ganzen Welt herum.

Mit 43 Jahren stieg Andreas Welz in den Journalismus ein. Er kam 1989 zum Obermain-Tagblatt und absolvierte ein Volontariat. Von dort wechselte er zur Neuen Presse. Bis zu seinem Tode arbeitete er als freier Mitarbeiter für alle drei Zeitungen am Obermain. red

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