Erlangen

Geschichten bringen Menschen ins Gespräch

Kann man auch unter Nachbarn allein sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Projekt "Erlangen erzählt". Es geht um das Erzählen, Zuhören und Kontakte knüpfen, erläutert Felicitas Keefer, die im A...
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Martin Sanchez, Felicitas Keefer, Frank Steigner vom Sozialdienst und Ruth Zilch (stehend v. l.)  Foto: Sylvia Hubele
Martin Sanchez, Felicitas Keefer, Frank Steigner vom Sozialdienst und Ruth Zilch (stehend v. l.) Foto: Sylvia Hubele

Kann man auch unter Nachbarn allein sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Projekt "Erlangen erzählt". Es geht

um das Erzählen, Zuhören und Kontakte knüpfen, erläutert Felicitas Keefer, die im Auftrag der "Aktion Mensch" das Projekt leitet und zu den Treffen an unterschiedlichen Orten zu immer neuen Themen einlädt.

An diesem Nachmittag berichten zwei Protagonisten von ihren Erlebnissen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Martin Sanchez kam im Alter von elf Jahren aus Argentinien nach Deutschland, Ruth Zilch stammt dagegen aus dem Ruhrgebiet und zog 1967 mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Bayern und erfuhr erst dort, dass sie eigentlich in Franken gelandet war.

Freundliche Nachbarn

Während sie sich im Ruhrgebiet auf die Betreuung der Kinder durch Oma und Opa verlassen konnte, war sie hier auf sich allein gestellt. Glücklicherweisewaren die Nachbarn freundlich und zeigten der damals jungen Frau,wo sich Kindergarten, Kirche und Einkaufsmöglichkeiten befanden.

Für Sanchez kam dagegen die Sprache als Hindernis hinzu. Da seine Urgroßmutter aus Deutschland stammte, sprach seine Mutter bis zur Schulzeit mit ihm Deutsch. Doch der Anfang war nicht leicht. Nach einem halben Jahr in Erlangen besuchte er ein Gymnasium als Gastschüler und wechselte in den ersten Jahren immer wieder die Klassen. Zum Glück hatten Nachbarn einen Sohn im gleichen Alter, mit dem er sich anfreunden konnte. Die ob der Einsamkeit verspürte Traurigkeit schob er aufs Wetter.

Beide konstatierten, dass Alleinsein gewählt sein kann und es Zeiten gebe, in denen Menschen für sich sein müssten. Einsamkeit verspürten sie dagegen,wenn es niemanden gebe, von dem Hilfe zu erwarten sei. "Wenn man sich einsam fühlt, muss man das manchmal aushalten", ist sich Zilch sicher. Sanchez dagegen setzt auf eigene Initiative: "Ich kann nicht immer zu Hause sitzen und warten, bis ein anderer kommt."

Nach dem Impuls der beiden Erzähler kommen die Menschen an den Tischen schnell miteinander in Kontakt und sind bald in Gespräche vertieft.

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