Voll besetzt war der Pfarrsaal der katholischen Pfarrei St. Georg in Höchstadt beim Seniorennachmittag "500 Jahre Reformation". Der evangelische Pfarrer Fritz Schäfer schilderte sehr anschaulich die Entwicklung vom sogenannten Thesenanschlag bis hin zur endgültigen Trennung von der katholischen Kirche.
Nach neueren Erkenntnissen wird die Art der Bekanntmachung der Thesen durch Anschlag an der Kirchentür von Wittenberg als unwahrscheinlich erachtet, denn diese waren, so der Referent, wohl wie damals in den Universitäten üblich als Diskussionsgrundlage für Studenten und andere Professoren gedacht; vom einfachen Volk konnte ja kaum jemand lesen.


Bestürzt über Bauernaufstand

Zum "Erfolg" und zum Ausmaß der Reformation hätten sowohl die politischen Machtkämpfe, in die auch der Papst mit eingebunden war, als auch die Erfindung des Buchdruckes beigetragen. Damit sei es erstmals möglich gewesen, die von Luther aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte Bibel auch Nichtlateinern zugänglich zu machen. Dazu kam auch noch die Geschäftstüchtigkeit von Lucas Cranach d. Ä., der als Maler, Druckereibesitzer und Bürgermeister von Wittenberg seine Bilder zusammen mit Bibeltexten vermarkten konnte.
Es bestürzte Luther aber sehr, dass seine Aussagen zur Würde und Freiheit der Geschöpfe Gottes auch zur Grundlage des Aufstandes der Bauern in seiner brutalen Form wurden. Er rief vergeblich zum Einhalten auf, konnte aber die Gewalt nicht aufhalten. Nach der Kaffeepause zeigte Pfarrer Schäfer einen Film, in dem Theologen der beiden großen christlichen Konfessionen darüber berichteten, was die Konfessionen verbindet und was sie noch trennt.
Pia Hackenberg