Bamberg

Geschichte als Faltblatt

Der Prospekt "Bamberger Friedhofsweg - Persönlichkeiten auf dem Hauptfriedhof" ist wieder erhältlich. Die umstrittenen Namen aus der NS-Zeit wurden nicht getilgt.
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Bürgermeister Christian Lange stellte mit Horst Gehringer (links) und Thomas Steger (rechts) das neue Faltblatt "Bamberger Friedhofsweg" vor. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bürgermeister Christian Lange stellte mit Horst Gehringer (links) und Thomas Steger (rechts) das neue Faltblatt "Bamberger Friedhofsweg" vor. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Marion Krüger-Hundrup Die Namensliste der Persönlichkeiten auf dem Hauptfriedhof ist nicht für die Ewigkeit in Stein gemeißelt: "Das Projekt soll weiterentwickelt werden", erklärte Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) bei der Vorstellung des neu aufgelegten Faltblatts "Bamberger Friedhofsweg". So seien schon jetzt Persönlichkeiten in die zweite Auflage aufgenommen worden, die in jüngster Vergangenheit gestorben und auf dem Hauptfriedhof beigesetzt sind: beispielsweise der Studiendirektor und Sportfunktionär Theo Gulden (9.11.1923-14.7. 2019), der Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und CSU-Politiker Paul Wünsche (11.9.1922-16.12.2016) oder der Fotograf Emil Bauer (4.9.1928-21.8.2007).

Lange nannte den Friedhof an der Hallstadter Straße ein "kulturhistorisch interessantes Areal der Stadt Bamberg" und einen "Ort der christlichen Memoria". Das Faltblatt, das am Haupteingang des Friedhofes einem Ständer entnommen werden kann, solle Menschen motivieren, den Gottesacker zu besuchen. Und - wie Thomas Steger vom Friedhofsamt betonte - "auch an den eigenen Tod zu denken und sich mit der Entscheidung für eine Begräbnisart auseinanderzusetzen".

Lange dankte Thomas Steger und Horst Gehringer, Leiter des Stadtarchivs, für die Dokumentation der Namen und Daten. 82 Persönlichkeiten, die eine Bedeutung für das Leben in Bamberg hatten, sind aufgeführt. Da tauchen Namen auf wie Dionysius P. Linder, Bamberger Benediktiner im Kloster Banz und Gründer des Bamberger Naturalienkabinetts (19.3.1762-13.3.1838), der Arzt und Förderer Bamberger Einrichtungen Dr. Johann Lukas Schönlein (1793-1864) oder die einstigen Oberbürgermeister Luitpold Weegmann, Theodor Mathieu und Paul Röhner in den Ehrengräbern.

Lediglich drei Frauen sind namentlich aufgeführt: die Kunstmalerin Ina Bauer-Haderlein (1922-2006), die Journalistin und Schriftstellerin Margret Boveri (1900-1975) sowie die Akademische Bildhauerin Maria Lerch (1884-1962).

Niederschlag gefunden haben im Prospekt auch Bamberger Kriegsopfer in ihrer Gesamtheit, ohne einzeln benannt zu werden - wie etwa die Personen, die beim Bombenangriff im Februar 1945 ums Leben kamen. Oder die Sinti-und-Roma-Familie von Heinrich Anton, die im KZ Auschwitz ermordet wurde und an die ein Gedenkstein erinnert.

Nach einem Stadtratsbeschluss sind auch die drei Namen von Personen wieder aufgenommen worden, die in Beziehung zum Nationalsozialismus gesetzt werden müssen. Denn "nur so ist eine kritische Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte möglich", begründete Lange die Nennung, die durch eine rote Raute kenntlich gemacht ist.

Die weiteren Pläne

Er gab auch einen Ausblick auf weitere Pläne. So solle der "Bamberger Friedhofsweg" auf die Friedhöfe in Gaustadt, Bug und Wildensorg erweitert sowie eine schriftliche Dokumentation als "stadthistorisches Nachschlagewerk" vom Stadtarchiv erarbeitet werden. Für Archivdirektor Gehringer ist eine solche Dokumentation "Heimatkunde und Lokalgeschichte".

Während die erste Auflage des Grabmalrundwegs von der Oberfrankenstiftung und der Sparkassen-Stiftung finanziert wurde, trägt die Stadt Bamberg die Kosten der nunmehr zweiten Auflage von 5000 Exemplaren.

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