Herzogenaurach

Gesamte Gesellschaft ist gefragt

Herzogenauracher Frauen gehen mit Trillerpfeifen und Trommeln auf die Straße, um gegen Gewalt zu protestieren.
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Die "Piranha Social Club Samba Band" trommelte für die Aktion des Zonta-Clubs auf dem Marktplatz. Fotos: Richard Sänger
Die "Piranha Social Club Samba Band" trommelte für die Aktion des Zonta-Clubs auf dem Marktplatz. Fotos: Richard Sänger
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Das "Alte Rathaus" leuchtete am Montagabend orangefarben, Bratwurstduft zog über den Marktplatz. Wer dachte, der Lebendige Adventskalender würde bereits starten, sah sich getäuscht. Vielmehr ging es um ein sehr ernstes Thema.

Der Zonta-Club Herzogenaurach wollte mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion die UN-Kampagne "Orange the World" unterstützen und damit ein Statement für die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen abgeben. Dazu ertönten Trillerpfeifen, die "Piranha Social Club Samba Band" unter Leitung von Alberto Parmigiani ließ ihre Trommeln erklingen.

Es besteht noch Nachholbedarf

Nach Herzogenaurach kam auch Claudia Wolter, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Erlangen-Höchstadt, die ebenfalls einen Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern sah und sich gegen körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt aussprach. "Das ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Eine kommunale Aufgabe, eine Aufgabe der Länder und des Bundes. Dafür müssen wir noch einiges tun, und zwar gemeinsam", sagte sie.

Präsidentin Christine Edgar wies darauf hin, dass jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau durch Partnergewalt stirbt. Weltweit sei jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von sexualisierter Gewalt betroffen, auch in Deutschland. Die Zonta-Präsidentin zitierte aus der Statistik des Bundeskriminalamtes. Demnach sind im vergangenen Jahr in Deutschland 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. Insgesamt seien mehr als 114 000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen geworden.

Zu wenig Verurteilungen

Die Gewalttaten reichten demnach von Körperverletzung bis hin zu Mord und Totschlag. "Rund 8000 Vergewaltigungen werden in Deutschland jährlich angezeigt, nur in knapp 13 Prozent aller Fälle kommt es zu einer Verurteilung", sagte sie. Die Zahlen seien nur die Spitze des Eisbergs. "Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist bei uns trauriger Alltag geworden", stellte die Präsidentin fest.

Die Zahlen seien schockierend. "Sie zeigen, dass weiterhin viel zu viele Frauen unter der Gewalt ihres Partners oder Ex-Partners leiden", sagte Edgar - und auf dem Marktplatz ertönten wieder die Trillerpfeifen.

Zudem setze sich Zonta verstärkt für die Beendigung der weitverbreiteten Kinder- und Zwangsehe ein. International werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen weltweit jährlich über zwölf Millionen Mädchen unter 18 Jahren zwangsverheiratet.

Für mehr Frauenhäuser

Die Kinderehe beendet für die meisten Mädchen jegliche Aussicht, Schule und Ausbildung zu absolvieren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Stattdessen beginnt für viele Betroffene ein Martyrium, das von frühen Schwangerschaften und damit verbundenen Komplikationen sowie von physischer und psychischer Gewalt durch den Partner geprägt ist.

So startete Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auch eine bundesweite Initiative. Unter der Überschrift "Stärker als Gewalt" haben sich dafür Organisationen zusammengeschlossen, die Betroffenen helfen. Ziel ist es, die Hilfsangebote bekannter zu machen und auszubauen. Dabei wird es konkret um die Erweiterung von Frauenhäusern gehen. Bundesweit gibt es etwa 350 Zufluchtsorte für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Im Moment gibt es aber nicht genügend Plätze. Deshalb will die Bundesregierung innerhalb der nächsten vier Jahre 120 Millionen Euro für Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen bereitstellen. Von Gewalt betroffene Frauen sollen demnach künftig einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus erhalten.

Am Ende der Veranstaltung waren Teilnehmerinnen in die "HerzoBar" eingeladen. Dort referierte die Beauftragte der mittelfränkischen Polizei für Kriminalitätsopfer, Heike Krämer, zum Thema "Gewalt - wie kann ich mich als Frau davor schützen".

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