Kulmbach
bewährungsstrafe

Gericht kann Handel mit Opium nicht nachweisen

Mit einem blauen Auge davon kam ein 40 Jahre alter Asylbewerber aus Kulmbach. Ihm wurde vorgeworfen, in der Gemeinschaftsunterkunft mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Dies war jedoch nicht nach...
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Mit einem blauen Auge davon kam ein 40 Jahre alter Asylbewerber aus Kulmbach. Ihm wurde vorgeworfen, in der Gemeinschaftsunterkunft mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Dies war jedoch nicht nachweisbar. Verurteilt wurde der Mann schließlich nur wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.

Das Leben des 40 Jahre alten Asylbewerbers ist aus den Fugen: 2011 kam der Mann mit seiner Frau und zwei Kindern nach Deutschland, inzwischen ist die Familie um weitere zwei Kinder angewachsen. Die Familie lebt von 1200 Euro im Monat. Eine Arbeitserlaubnis hat der 40-Jährige nicht. Er erzählte, dass er in Kulmbach in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt. Erst habe er nur ein Zimmer gehabt, inzwischen bewohne die Familie drei Zimmer. Doch von Glück und Sicherheit kann der Mann nur träumen.

Seine Frau leide unter schweren Depressionen, sei suizidgefährdet. Sie war schon in der Bezirksklinik. Auch er sei krank, weil ihm die Abschiebung drohe. Nur seine Kinder und die Sorge um die Kinder halten ihn am Leben, erklärte er. Seit 2013 sei sein Asylantrag abgelehnt. Er lebe in ständiger Angst, dass die Polizei bei ihm klingeln könne.

Der Mann stammt aus Afghanistan, sei jedoch im Iran aufgewachsen und habe eine iranische Frau geheiratet. Er war nur sechs Jahre in der Schule und durfte im Iran nicht arbeiten. Seinen Kindern wollte er ein ähnliches Schicksal ersparen. Deshalb sei er nach Deutschland gekommen. Doch auch hier darf er nicht arbeiten.

Im April letzten Jahres fuhr der 40-Jährige nach Hamburg, um dort mit seinem Anwalt in Sachen Asylrecht zu sprechen. Dort habe er auf der Straße Drogen angeboten bekommen. Er habe 15 Gramm Roh-Opium gekauft sowie 60 Tabletten Methadicct. Dabei handelt es sich um ein Medikament mit Methadon. Der Angeklagte wollte es einsetzen, um vom Opium wegzukommen. Vor Gericht räumte er den Kauf und den Besitz der verbotenen Betäubungsmittel ein. "Ich hatte schon in Afghanistan Kontakt mit Drogen und habe manchmal was genommen", sagte der Mann vor Gericht. Seine Aussagen wurden übersetzt.

Dass die Polizei in der Gemeinschaftsunterkunft auch eine Feinwaage gefunden habe, erklärte der Asylbewerber damit, dass er kontrollieren wollte, ob die angegebene Menge auch richtig gewesen sei. Das Rohopium wurde zu "Teriak" verarbeitet. Dabei handelt es sich um eine braune Paste, in der auch Koffein und Paracetamol enthalten sind.

Der Angeklagte, der von Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall vertreten wurde, räumte den Besitz der Betäubungsmittel von Anfang an ein, stritt jedoch eine Veräußerung ab. Die Zeugen, mit deren Hilfe die Polizei auf den Asylbewerber aufmerksam wurde, sind außer Landes oder nicht mehr greifbar.

Schließlich stellte das Gericht den Vorwurf des Handeltreibens ein. Es wäre nur um die Veräußerung von zwei Gramm Teriak gegangen. Außerdem habe ein weiterer Zeuge bei der Polizei angegeben, ein Gramm gekauft zu haben. Der Polizist, der die Drogen in der Kulmbacher Asylbewerberunterkunft gefunden hatte, betonte, dass es sich nicht mehr um eine "geringe Menge" gehandelt habe.

Schließlich einigten sich Gericht und Staatsanwaltschaft darauf, den Vorwurf wegen Handelns mit Betäubungsmitteln einzustellen. Der Angeklagte wurde lediglich wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt. Da die "geringe Menge" nur wenig überschritten wurde, handelte es sich um einen minder schweren Fall, betonte Richterin Nicole Allstadt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Christopher Feulner, regte eine Bewährungsstrafe von elf Monaten an. Außerdem solle sich der Angeklagte einem Drogenscreening unterziehen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er trage auch die Kosten des Verfahrens.

Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall plädierte für nur sechs Monate Freiheitsstrafe.

Richterin Nicole Allstadt folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der 40-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten verurteilt. Er muss sich unter Aufsicht und Leitung eines Bewährungshelfers stellen und vier Mal im Jahr zum Drogenscreening. Außerdem solle er eine Suchttherapie machen und müsse dies auch nachweisen. "Wir glauben, dass die Situation schwierig ist, aber wir wollen sicherstellen, dass Sie den richtigen Weg weitergehen und dass Sie dauerhaft von Drogen Abstand nehmen", gab die Richterin dem Angeklagten mit auf den Weg.

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