Bamberg

Gereuther Bündnis im Finale

Warum ein Gereuther Netzwerk zur Nachwuchsarbeit in die engere Auswahl beim deutschen Kita-Preis gekommen ist, und wo die Schwierigkeiten der Arbeit im Bamberger Süden liegen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Haben sich die Bewegungsbaustelle selbst ausgesucht - die Kinder von St. Gisela schulen unter der Aufsicht von Kindergartenleiterin Nadja Heinbuch spielerisch ihr Balancegefühl und ihre Fußmotorik. Foto: Barbara Herbst
Haben sich die Bewegungsbaustelle selbst ausgesucht - die Kinder von St. Gisela schulen unter der Aufsicht von Kindergartenleiterin Nadja Heinbuch spielerisch ihr Balancegefühl und ihre Fußmotorik. Foto: Barbara Herbst

Ein kleiner Junge trippelt begeistert über einen Ring mit Noppen, der am Boden liegt – ein Mädchen balanciert auf einer runden Matte. Ihre Freundin dreht sich unermüdlich in einer Sitzschüssel, dass einem Erwachsenen schon beim Zusehen schwindelig würde. Ihr scheint es zu gefallen – sie lacht hell auf.

Im Kindergarten St. Gisela ist die Bewegungsbaustelle heiß begehrt. Die Kinder verbessern dort auf spielerische Art ihr Balancegefühl und schulen ihre Fußmotorik. Das alles ist Teil eines Konzepts, das auf einer hohen Kindorientierung basiert. Diese ist neben der Sozialraumorientierung, der Teilhabe und dem Lernen im Prozess ein Kriterium für gute Kinderbetreuung. Was abstrakt klingt macht das Bamberger Bündnis "Aus der Gereuth für die Gereuth" greifbar. Das Gemeinschaftsprojekt der sozialen Dienstleisters "Innovative Sozialarbeit" (Iso) und des katholischen Kindergartens St. Gisela hat sich für den deutschen Kita-Preis in der Kategorie "Bündnis" beworben und kam unter 1500 Bewerbern unter die besten Zehn.

"Die Initiative schafft es, einen ganzen Stadtteil in Bewegung zu bringen - einen Stadtteil, der es nicht so leicht hat", nennt Michael Schröter von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung einen der Gründe, weshalb die Bamberger in der Finalrunde stehen. "Uns geht es nicht nur um Qualität und Ergebnisse, sondern auch um Qualitätsentwicklung in der Kinderbetreuung. Die Rahmenbedingungen unter denen etwas geschaffen wird, finden dabei stets Berücksichtigung." Rahmenbedingungen, die in der Gereuth nicht einfach sind: "Wir sind ein Stadtgebiet in dem der Migrantenanteil und die Arbeitslosigkeit sehr hoch sind - es gibt viele Alleinerziehende, das macht die Sache nicht leicht. Die Eltern der Kinder kommen oft mit ihren Problemen zu uns. Alles auffangen können wir da natürlich nicht", sagt Janna Wolf, Stadtteilmanagerin der "Iso" - sie ist verantwortlich für die Kinder- und Jugendarbeit im "Sozialraum Süd". Das Stigma "Problemviertel" sei für sie jedoch nicht angebracht. Vielmehr sehe sie in den Gegebenheiten des besonderen Stadtgebiets auch eine Chance und Möglichkeit, etwas zu bewegen.

Nadja Heinbuch, Kindergartenleitung in St. Gisela sieht das ähnlich: Für sie stehen bei dem Projekt die Selbstwirksamkeit und die Mitwirkung auf Augenhöhe im Vordergrund. Letztere beginne schon bei den Kleinsten: Die 48 Kinder in ihrem Kindergarten dürften mitbestimmen, wie eines der Zimmer vor Ort gestaltet wird – sie entschieden sich für die Bewegungsbaustelle.

Gelebte Offenheit im Kindergarten

Teilweise kämen auch Kinder aus anderen Stadtteilen in den Kindergarten, weil deren Eltern die Arbeit vor Ort schätzten und das Aufwachsen unter Kindern verschiedener Abstammungen für förderlich hielten.

Generell sei St. Gisela sehr offen. So seien viele Veranstaltungen für alle Bamberger Kinder zugänglich. Ein durch Fördergelder und Spenden finanziertes Kindertheater nennt Heinbuch als Beispiel. "Ich glaube, diese Offenheit unterscheidet uns von vielen anderen", sagt die Erzieherin.

Gemeinsam mit Wolf sieht sie das Bündnis als Impulsgeber und Knotenpunkt, das verschiedene Partner unter ein Dach bringe. Das nahezu kostenlose Frühstück für die Kindergartenkinder, welches durch die "Tafel" und eine örtlichen Bäckerei ermöglicht wird sowie ein öffentliches Kinderturnen mit einem Kursleiter der Volkshochschule seien nur zwei Beispiele für die Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen. Auch die Arbeiterwohlfahrt und den Allgemeinen Sozialen Dienst habe man ins Boot geholt. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die Sozialraumorientierung seien für Schröter von der Kinder- und Jugendstiftung die Kriterien gewesen, weshalb die Bamberger nun im Finale stehen. Bei einem Besuch vor Ort will er nun mit einer Kollegin von der Hochschule für angewandte Pädagogik herausfinden, ob es für den deutschen Kita-Preis reicht. Um die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung messen sich die Gereuther mit Bündnissen aus Berlin, Trier oder Dorfen (Bayern).

Entscheidung im August

Die Entscheidung wird im August dieses Jahres fallen - und selbst wenn es dann nicht reichen sollte, sind Wolf und Heinbuch stolz auf die Teilnahme am Endausscheid: "So ein Finaleinzug motiviert schon", sagt Erstere und freut sich auf die Bekanntgabe der Ergebnisse. "Nach Berlin reisen dürfen wir auf jeden Fall - selbst wenn wir den Preis nicht gewinnen", fügt Heinbuch schmunzelnd hinzu.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren