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Coburg

Geprägt von zwei Weltkriegen

Es ist und war bisher ein unwahrscheinlich reiches und vielfältiges Leben, auf das Anna Michalska an ihrem 104. Geburtstag zurückblicken konnte.
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"Mein Leben scheint mir der Jahre nach lang und doch ist es so schnell vergangen. Und wollte ich alles, was zwischen den Zeilen steht, aufschreiben, es würde ein Buch mit vielen Seiten werden", hob Anna Michalska hervor. Die Bilder machen die Vergangenheit der 104-Jährigen lebendig. Von links: der Ehemann und damalige Soldat Johann Michalska, Anna Michalska als junge Frau, das Hochzeitsbild und Anna Michalska mit Töchterchen Roswitha.  Fotos: Edwin Meißinger
"Mein Leben scheint mir der Jahre nach lang und doch ist es so schnell vergangen. Und wollte ich alles, was zwischen den Zeilen steht, aufschreiben, es würde ein Buch mit vielen Seiten werden", hob Anna Michalska hervor. Die Bilder machen die Vergangenheit der 104-Jährigen lebendig. Von links: der Ehemann und damalige Soldat Johann Michalska, Anna Michalska als junge Frau, das Hochzeitsbild und Anna Michalska mit Töchterchen Roswitha. Fotos: Edwin Meißinger
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Die kleine Anna wurde am 11. Februar 1916 in Mengersgereuth-Hämmern, Kreis Sonneberg, geboren. Zu dieser Zeit regierte noch der deutsche Kaiser Wilhelm II, der Erste Weltkrieg war noch in vollem Gange und es waren schwierige Zeiten. Jubilarin Anna Michalska, nun im Coburger Seniorenstift Casimir lebend, erinnerte sich: "Nach dem verlorenen Krieg kam eine sehr arme Zeit und als ich 1922 in die Schule kam, war die Inflation schon sehr nahe. Mein Vater arbeitete in einer Fabrik und wenn er am Samstagmittag mit seinem Lohn nach Hause kam, stand die Mutter schon an der Haustür, um schnell für das Geld einzukaufen, denn am Montag war es schon nichts mehr wert." Anna Blechschmidt war eine derart gute Schülerin, dass sie eigentlich selbst Lehrerin werden wollte. Allerdings waren für die weitere Schulausbildung und das Studium kein Geld vorhanden, so dass sie letztendlich in einem kleinen Spielwarenbetrieb für elf Pfennige die Stunde zu arbeiten anfing. Damals waren 50 Wochenstunden normal und Urlaub kannte man nicht. 1938 verstarb der Vater nach kurzer, schwerer Krankheit. Etwa zwei Jahre später, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen, lernte Anna daheim in der Stube ihren künftigen Ehemann Johann Michalska kennen. Michalska war ein Flüchtling aus Ostpreußen und in Rüttmannsdorf aufgewachsen. Anna und ihr "Hans" verliebten sich ineinander und heirateten am 3. Mai 1941.

Für das junge Paar hätte alles so schön laufen können, wäre da nicht der von den Nationalsozialisten geforderte "arische Stammbaum-Nachweis" gewesen. Glücklicherweise setzte sich der damalige Standesbeamte sehr für das junge Paar ein. Johann Michalska musste als Soldat Dienst tun. Er war als Sanitäter bei den Panzergrenadieren eingesetzt. Nach einem Heimaturlaub ihres Mannes merkte Anna Michalska, dass sie schwanger ist. Sie bekam Tochter Roswitha. Ehemann Hans geriet in russische Gefangenschaft, aus der er 1946 zerlumpt und abgemagert nach Hause kam. Zwei Jahre später wurde Sohn Siegfried geboren.

Es ging schwierig weiter für die Familie. Da Johann Michalska ursprünglich Schmied war, beschloss die russische Besatzungsmacht, dass er nach Aue zum Uranabbau gehen müsse. Da er das unter keinen Umständen machen wollte, floh er 1950 in den Westen. Zu Pfingsten des folgenden Jahres hieß es in Anna Michalskas Wohnort, die Amerikaner stünden mit Panzern an der Grenze. So setzte sie ihren Sohn Siegfried in den Kindersitz am Fahrrad und fuhr zur Grenze, um mit ihrem Mann das weitere Vorgehen zu besprechen. Doch plötzlich kam alles ganz anders. Die Waldarbeiter sollten eine feste Grenze errichten und Anna Michalska konnte mit ihrem Kind nicht mehr zurückkehren. Ihre siebenjährige Tochter Roswitha war krank bei der Großmutter im Osten geblieben. Erst einige Zeit später war die Familie wieder vereint.

Mutter Anna und ihre Kinder mussten in ein Übergangslager gehen und unzählige Fragen beantworten, damit man ihnen das Bleiberecht für den Westen zusprach. Auch für ihren Mann erhielt sie dort die Aufenthaltsgenehmigung. Die Familie lebte zunächst im Bergdorf Weimersdorf, bevor sie in Dörfles-Esbach eine Wohnung erhielt. Ehemann Hans arbeitete bei der Firma Trutz in Coburg und Anna Michalska machte Heimarbeit, bis sie 1956 bei der Firma Goebel eine Anstellung als Malerin fand. Dieser Arbeit blieb sie bis ins Jahr 1976 treu.

Hans starb 1967 an einem Herzinfarkt. Anna Michalska machte den Führerschein, damit sie unabhängiger und nicht mehr so alleine war. Fast 47 Jahre wohnte die Jubilarin in Dörfles-Esbach. Nun sind es schon 14 Jahre in Coburg. Ihren 104. Geburtstag konnte Anna Michalska zusammen mit ihrer Tochter Roswitha, ihrem Sohn Siegfried und ihrer Schwiegertochter feiern. Coburgs Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber gratulierte von Herzen. Die beiden Frauen unterhielten sich angeregt. Anna Michalska hat zwei Kinder, fünf Enkelkinder und vier Urenkelkinder.

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