Nordhalben

Gemischte Erinnerungen an 1990 beim Frankenwaldverein

Norbert Neugebauer Ungläubiges Staunen bei den Jüngeren, gemischte Gefühle bei den Älteren, die vor 30 Jahren die Öffnung des Fußgängerüberwegs nach Titschendorf selbst miterlebt hatten. Nach einer Wa...
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Frankenwaldvereins-Obmann Michael Wolf aus Nordhalben (links) kommentierte zusammen mit dem Titschendorfer Ortsteilbürgermeister Manfred Rank die Fotos von der Öffnung des Grenzübergangs.  Foto: Norbert Neugebauer
Frankenwaldvereins-Obmann Michael Wolf aus Nordhalben (links) kommentierte zusammen mit dem Titschendorfer Ortsteilbürgermeister Manfred Rank die Fotos von der Öffnung des Grenzübergangs. Foto: Norbert Neugebauer

Norbert Neugebauer Ungläubiges Staunen bei den Jüngeren, gemischte Gefühle bei den Älteren, die vor 30 Jahren die Öffnung des Fußgängerüberwegs nach Titschendorf selbst miterlebt hatten. Nach einer Wanderung über die alten Sperranlagen der DDR-Grenze brachten Bilder von damals die Umstände der Wendezeit und die emotionalen Ereignisse um die Jahreswende 1989/90 in Erinnerung.

Obmann Michael Wolf war in den historischen Tagen damals selbst mit der Kamera unterwegs gewesen und zeigte dazu Zeitungsberichte über die Ereignisse.

Die Nordhalbener Ortsgruppe des Frankenwaldvereins hatte im Vorfeld mit Eingaben und Resolutionen sowie einer Demonstration, zusammen mit den mutigen Titschendorfer Bürgern und der Marktgemeinde Nordhalben, dafür gesorgt, dass am 7. Januar 1990 der Grenzzaun für eine Begegnungswanderung und nachfolgend für einen festen Fußgängerüberweg geöffnet wurde.

Abriss war bereits geplant

Dies begründete eine bis heute bestehende Verbindung der alten Mitstreiter aus beiden Orten und die jährliche Wiederholung der damaligen Wanderung zu den nächsten Nachbarn in Thüringen. Das "Jubiläum" nach 30 Jahren fand auch Interesse von zahlreichen Gästen aus dem Umland, so dass sich eine stattliche Anzahl von Wanderern über den Ortsteil Grund, vorbei am Dreiherrenstein an der Landesgrenze, auf den Weg machte. Michael Wolf zeigte anhand der heute noch sichtbaren Überbleibsel die DDR-Befestigungseinrichtungen und die Stelle des damaligen Wachturms mit Blick auf Nordhalben. Dabei erläuterte er, dass der kleine Ort Titschendorf nach einem Plan der alten Regierung noch 1988 abgerissen und die Bewohner umgesiedelt werden sollten, was manchem Mitwanderer einen kalten Schauer über den Rücken jagte.

Der Zerfall des "Ostblocks" und das Ende der DDR sorgten dann dafür, dass die von ehemaligen Nordhalbenern gegründete Gemeinde heuer ihr 400-jähriges Bestehen feiern kann.

Wie vor 30 Jahren empfing eine Schar Titschendorfer Bürger mit Ortsteilbürgermeister Manfred Rank die Nordhalbener mit einem Begrüßungsschluck am früheren Gasthaus. Gemeinsam ging es dann weiter in die voll besetzte Badgaststätte "Bondi" in Nordhalben, wo die Erinnerungen aufgefrischt wurden.

Einschüchterungsversuche

Zu den Bildern des Obmanns kommentierten die Mitstreiter die Ereignisse, die bei den Zeitzeugen noch in lebhafter Erinnerung waren. Dazu gehörten auch die Schilderungen der Einschüchterungsversuche der letzten DDR-Regimevertreter gegenüber den "Aufmüpfern", ebenso wie die infrage gestellte "Republiktreue" von neugierigen bundesdeutschen Militärangehörigen. Heute amüsante Anekdoten - damals durchaus noch mit möglichen ernsten Konsequenzen verbunden.

Für die spätere Generation der Anwesenden waren die Dokumente und Erzählungen aus der Wendeepoche kaum fassbar, wie aus den Reaktionen unschwer abzulesen war. Mit einem gemütlichen Ausklang endete die kleine Feier, nicht ohne die Fortsetzung der "Grenzwanderung" auch in den nächsten Jahren fest auszumachen.

Nach dem Auftakt steht bei der Nordhalbener Ortsgruppe des Frankenwaldvereins mit der Jahreshauptversammlung am 3. Februar im Gasthaus Wagner der nächste Termin im Vereinskalender.

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