Herzogenaurach

Gemeinsamkeit statt Einsamkeit

Über 1000 Jahre Lebenserfahrung treffen sich Woche für Woche im Herzogenauracher Kreis'l. Senioren, die vor allem eines nicht wollen: einsam sein. Seit fünf Jahren gibt es diesen regelmäßigen Treff, am Dienstag wurde gefeiert.
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Zum Geburtstag kam auch Bürgermeister German Hacker zum Gratulieren vorbei. Irene Zwack (l.) und Elke Krause (2.v.r) freute dies ebenso wie die Stammtischbrüder und -schwestern.  Fotos: Michael Busch
Zum Geburtstag kam auch Bürgermeister German Hacker zum Gratulieren vorbei. Irene Zwack (l.) und Elke Krause (2.v.r) freute dies ebenso wie die Stammtischbrüder und -schwestern. Fotos: Michael Busch
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Michael Busch Joachim Hubmann lacht. Die Überraschung ist gelungen. Ursprünglich hatte die illustre Runde an der großen Tafel sich Matjes gewünscht, doch nun tischt der Wirt des Herzogenauracher Kreis'l nach der Festtagssuppe einen Krustenbraten auf. Nicht etwa, weil es bald Weihnachten ist und er einen Stammtisch verwöhnen will, sondern weil "sein besonderer" Stammtisch das fünfjährige Bestehen feiert.

Irene Zwack und Elke Krause, die beiden ehemaligen Stadträtinnen waren vor fünf Jahren bereits dabei und freuen sich über das kleine Jubiläum. Elke Kraus erklärt, dass die Idee im Grunde schnell geboren war: "Oft bleibt bei den älteren Menschen einer alleine, der Partner lebt nicht mehr oder lebt im Heim. Die Folge: Der andere geht nicht mehr so oft raus und vereinsamt mit der Zeit." Dem wollte man vor fünf Jahren entgegentreten.

Bei ähnlichen Stammtischen und Einrichtungen für Senioren informierten sich die beiden, was sich auf die Beine stellen ließe - und sehr schnell war man bei dem wöchentlichen Stammtisch angelangt. Mit dem Wirt Joachim Hubmann habe die Gruppe einen Wirt gefunden, der sich als Glücksfall herausstellte, da er alle Wünsche mitmachte und vor allem durch seine offene und freundliche Art die Truppe begeistert.

Irene Zwack erzählt: "Wir stimmen hier in der Runde über das Essen der kommenden Woche ab und dann wird uns der Wunsch in der Regel erfüllt." Neben dem Essen spielt das Gespräch aber eine weitere wichtige Rolle. "Es geht um allerlei Themen", berichtet Zwack, "aber es geht noch mehr um den Spaß".

Ergänzendes Angebot

Bürgermeister German Hacker, der zum Gratulieren vorbei kam, freut sich über das Engagement, das ehrenamtlich, gelöst von einer institutionellen Einrichtung, ausgeübt wird. "Es gibt keinen Grund daheim in den vier Wänden zu sitzen, das ist hier ein toller Treff." Die vorherige Suche durch die Stadt, die Möglichkeiten im Mehrgenerationenhaus oder an anderen Standorten haben gezeigt, dass das gar nicht so einfach war, letztlich auch wegen der Essensversorgung. "Diese private Initiative ergänzt unsere städtischen Angebote und die kirchlichen Angebote." Als kleines Dankeschön und "Geburtstagsgeschenk" ging eine Runde auf den Bürgermeister.

Damit habe die Grundidee, so Zwack und Krause, Erfolg gehabt: "Die Vereinsamung spielt bei älteren Menschen eine Rolle, hier können wir dem Entgegenwirken." Aufnahmebedingungen? Weder ein Mindestalter noch ein Höchstalter sind gefordert. Wer Lust und Laune hat, wem die eigenen vier Wände zu eng werden, der soll dienstags ab 12 Uhr einfach vorbeischauen. Wer etwas zu Essen haben will, muss sich allerdings vorher anmelden und entsprechend bestellen.

Joachim Hubmann ist von "seinem" Seniorentisch jedenfalls begeistert: "Ich mag deren Humor und wir lachen viel, das zeichne die Runde aus. Zum Geburtstag gab es das Überraschungsessen, später selbst gebackenen Kuchen der Senioren und einen Wunsch des Wirtes: "Auf die nächsten fünf Jahre und darauf, dass die Runde gesund und munter bleibt."

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