Gundelsheim

Gemeindeschiff mit Flüssiggas

Die 50. Kirchweih in Gundelsheim war ein Fest voller Dankbarkeit für das Vergangene und Zuversicht für die Zukunft. Erzbischof Ludwig Schick machte Mut zum Neuaufbruch.
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Im Festzelt trug sich Erzbischof Ludwig Schick ins Goldene Buch der Gemeinde Gundelsheim ein, Bürgermeister Jonas Merzbacher schaute zu.
Im Festzelt trug sich Erzbischof Ludwig Schick ins Goldene Buch der Gemeinde Gundelsheim ein, Bürgermeister Jonas Merzbacher schaute zu.
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Marion Krüger-Hundrup Kreuzfahrtschiffe stehen bei Umweltbewegten nicht in einem guten Ruf. Weil diese riesigen Pötte belastende Emissionen ausstoßen. Ganz anders dagegen der Ozeandampfer in Gundelsheim: Die katholische Pfarrkirche "Sieben Schmerzen Mariens", die architektonisch an einen solchen erinnert, schippert umweltfreundlich durch das Häusermeer. Sozusagen mit Flüssiggas, wie sich Gäste aus Nah und Fern am gestrigen Sonntag selbst überzeugen konnten: Das 50. Jubiläum der Kirchenweihe war angesagt.

Ein fröhliches Fest ohne Misstöne oder Qualmwolken aus den Schiffsschloten. Dafür eine schwungvolle Bugwelle, die in die Zukunft schwappt: "Nehmt Neuland unter den Pflug und sät nicht in die Dornen!" zitierte Erzbischof Ludwig Schick den biblischen Propheten Jeremia. "Nehmt die Zukunft in den Blick und schenkt für den Neuaufbruch Stärkung!"

Keine langen Reden

Zum Festgottesdienst erschien das Gotteshaus für die zahllosen Besucher fast zu klein. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Kirche "jung geblieben ist bei 50 Jahren", wie Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) in seinem Grußwort feststellte. Das kommunale Oberhaupt nannte drei Wünsche, die er der jubilierenden Pfarrgemeinde auf ihrem künftigen Weg mitgeben wolle: "Ich wünsche einen Glauben, der begeistert und beflügelt, Menschen, die etwas bewegen und eine Kirche, die nicht zu lange dauert und immer eine gute Botschaft hat." Was Erzbischof Schick zu der launigen Replik veranlasste: "Herr Bürgermeister, es ist gut, dass sie mit einem kurzen Grußwort zur Kürze des Gottesdienstes beigetragen haben!"

Tatsächlich wurde die Geduld der Gottesbesucher nicht durch lange Reden strapaziert. Ortspfarrer Alexander Berberich beließ es bei einer Begrüßung aller und stellte fest. "Wir feiern heute etwas Großes!" In ökumenischer Verbundenheit ließ der evangelische Pfarrer von Memmelsdorf-Lichteneiche, Udo Bruha, zehn Sekunden lang einen Wecker eine sanfte Melodie abspielen, die von der "Sehnsucht nach Liebe, Heimat, Geborgenheit bei Gott" kündete.

Das Leben als Fest

Gemeindearchivarin Maria Köppl überreichte mit wenigen erklärenden Worten an den Erzbischof die von ihr verfasste Jubiläumschronik. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Agnes Pflaum drückte im Namen ihres Laiengremiums und der Kirchenverwaltung die Freude darüber aus, "dass der Erzbischof diesen Festtag mit uns feiert".

Und nicht nur der Kapitän des Bistumsschiffes samt Beibooten feierte die 50. Kirchweih mit, sondern neben Pfarrer Berberich auch die mit Gundelsheim eng verbundenen Priester Peter Barthelme, Martin Emge, Edgar Hagel, Walter Ries und Marianus Schramm. Als Diakon assistierte Christoph Gahlau. Und als der Musikverein und der Gesangverein Gundelsheim das Lied "Unser Leben sei ein Fest - in dieser Stunde und jeden Tag" intonierte, fiel die große Gemeinde stimmkräftig mit ein.

Rückblick und Ausblick

Doch es wurde nicht nur die Gegenwart gefeiert und in die Zukunft geschaut, sondern auch auf die vergangenen 50 Jahre zurückgeblickt. Erzbischof Schick tat dies mit Dank an diejenigen, die diese Kirche in Gundelsheim geplant und gebaut sowie viel Eigenleistung erbracht haben.

Dank galt allen, die seit 1969 die Kirche erhalten und darin gewirkt haben - besonders die einst in Gundelsheim tätigen Karmeliten. Danke sagen müssten auch alle, die "hier geistige Orientierung für ihr Tun und Lassen zum Wohl ihrer selbst und ihrer Mitmenschen erfahren haben".

In der Kirche werde mitgeteilt, so der Prediger, dass "unser Leben ein Anfang und ein Ziel von Gott gegeben ist". Und der Auftrag, das Gute zu tun und das Böse zu lassen. In der Kirche lerne jeder, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben. Und dass "nicht der Egoismus und die Habgier, die egoistische Selbstverwirklichung das Leben glücklich macht, sondern die Nächstenliebe und der Einsatz für das Gemeinwohl". Kirche mache aus Christen soziale Menschen, die sich für die einsetzen, die am Rande stehen wie Menschen mit Behinderungen, Alte, Kranke, Flüchtlinge, Asylanten.

Erinnerung an Kriegsbeginn

Auch ihnen galten die Fürbitten. Eindringlich klang aber besonders die, die an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor genau 80 Jahren erinnerte und den Himmel um Frieden für die Welt bestürmte.

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