Heiligenstadt

Gemeinderat für fünf Monate

Jürgen Stadter wurde im Marktgemeinderat Heiligenstadt als Nachrücker für den verstorbenen Johannes Harrer vereidigt. Ob der Posten des Dritten Bürgermeisters nachbesetzt werden sollte, darüber gab es eine heftige Diskussion.
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Jürgen Stadter bei seiner Antrittsrede im Marktgemeinderat Fotos: Carmen Schwind
Jürgen Stadter bei seiner Antrittsrede im Marktgemeinderat Fotos: Carmen Schwind
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Der 53-jährige Jürgen Stadter (CSU) aus Tiefenpölz ist neuer Marktgemeinderat in Heiligenstadt. "Durch den Tod des Dritten Bürgermeisters und Marktgemeinderats Johannes Harrer, der auf dem Wahlvorschlagsträger der Christlich-Sozialen Union kandiert hat und über diese Liste bei den Kommunalwahlen am 16. März 2014 in den Marktgemeinderat Heiligenstadt gewählt wurde, rückt jetzt der Listennachfolger Jürgen Stadter in den Marktgemeinderat nach", erklärte Geschäftsleiter Rüdiger Schmidt in der Marktgemeinderatssitzung.

Den Eid nahm Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) ab. Stadter schwor dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern Treue. Der Eid endete mit "So wahr mir Gott helfe". Hier merkte Stadter an: "Sofern es überhaupt einen Gott gibt. Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen." Der neue Rat ist gelernter Werkzeugmacher, verheiratet und hat keine Kinder. Er bezeichnet sich als "Urgestein", denn er ist in Tiefenpölz verwurzelt und sammelt Fossiliensteine. Solche hat er auch schon in Texas gesucht.

Nach seiner Vereidigung meinte Jürgen Stadter: "Ich bin nicht besonders glücklich wegen der tragischen Umstände und des Ablebens von Johannes Harrer." Er sei nicht immer einer Meinung mit ihm gewesen, er habe ihn geschätzt und sie hätten einiges gemeinsam vorgehabt.

Nach der Vereidigung ging es darum, ob ein Dritter Bürgermeister gewählt werden muss. Rüdiger Schmidt erklärte, dass gesetzlich verpflichtend nur die Wahl eines Ersten und eines Zweiten Bürgermeisters sei. "Bei der letzten Fraktionsvorsitzendenbesprechung war man einstimmig der Meinung, dass infolge der kurzen Amtszeit und aus Pietät kein neuer Dritter Bürgermeister mehr gewählt werden soll", trug Schmidt vor.

Helmut Krämer ergänzte, dass man das Thema erörtert habe und Monika von Stauffenberg (CSU) ihre Mitglieder nur habe informieren wollen. Zweiter Bürgermeister Hans Göller (SPD) sah keine Diskussionspunkte und zeigte sich überrascht, dass doch ein Dritter Bürgermeister gewählt werden soll: "Wir bleiben aber bei unserer Meinung."

"Nicht ganz konform"

Monika von Stauffenberg meinte, sie "gehe nicht ganz konform mit der Darstellung". Sie habe in der Sitzung gesagt, dass sie die Entscheidung nicht ohne Rücksprache mit ihren Mitgliedern treffen könne. "Herr Harrer war unser Vorsitzender und hat uns gut in der Öffentlichkeit vertreten", sagte sie und meinte, dass hinsichtlich der Wahl Nachteile für ihre Fraktion entstehen könnten. Bernd Büttner (BN) fand, dass die Wahl eines Dritten Bürgermeisters "einen Beigeschmack" habe.

"Schlechtere Voraussetzungen?"

Peter Landendörfer (WG) dagegen sprach sich für eine Wahl aus: "Ich habe lange mit mir gerungen, aber man muss die Situation sehen." Jeder gehe hier in den Wahlkampf. Die CSU habe jetzt schlechtere Voraussetzungen, da sie keinen Kandidaten habe. "Die Bürgermeister gehen hinaus und sind als Großwort-Onkel gern gesehen", meinte Landendörfer. Es sei eine Sache der Chancengleichheit, dass auch ein CSU-Mitglied sich draußen präsentieren könne. Hans Göller schimpfte, dass die Bürgermeister keine "Grußwort-Onkel" seien, sondern die Gemeinde vertreten würden. "Wird anerkannt", antwortete Landendörfer, und Jürgen Stadter meinte: "Wenn das so ein wichtiger Posten ist, warum brauchen wir dann jetzt keinen?"

Helmut Krämer warf Monika von Stauffenberg noch einmal vor, dass sie ihre Fraktion nur habe informieren wollen. Das regte Elisabeth Dicker (CSU) auf, die anbrachte, dass Fraktionsvorsitzende nicht für alle sprechen könnten: "Wenn wir eine andere Meinung haben, können auch wir bestimmen."

Letztendlich sprachen sich acht Marktgemeinderäte gegen die Wahl eines Dritten Bürgermeisters aus, nur fünf waren dafür.

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