Kronach

Gemalte Haut zeigt Seele

In seiner 250. Ausstellung zeigt der Kronacher Kunstverein Bilder des in Kronach geborenen Künstlers Cornelius Völker. Unter dem Titel "Hautnah" gibt es tiefe Einblicke in die Anatomie des menschlichen Seins und seiner Vergänglichkeit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Bilder von Cornelius Völker zeigen Gefühlszustände. Foto: privat
Die Bilder von Cornelius Völker zeigen Gefühlszustände. Foto: privat

In seiner 250. Ausstellung zeigt der Kronacher Kunstverein Bilder des in Kronach geborenen Künstlers Cornelius Völker. Unter dem Titel "Hautnah" gibt es tiefe Einblicke in die Anatomie des menschlichen Seins und seiner Vergänglichkeit.

Die Bilder von Cornelius Völker zeigen Schönes, wie die prallen, rosigen Lippen, die nichts anderes zu wollen scheinen, als die Süße des Lebens zu kosten - oder den jugendlichen Hals, der sich genussvoll hingebend nach hinten neigt. Cornelius Völker blickt dabei jedoch tiefer als nur "hautnah". Er lenkt die Aufmerksamkeit unter die mehr oder weniger schöne Oberfläche. Seine Bilder sind Psychogramme. Sie zeigen Gefühlszustände, Sehnsüchte, aber auch die Deformationen, die Körper und Seele durch das Einwirken von Zeit und Leben erleiden - und sie bieten dem Betrachter die Möglichkeit, damit in Resonanz zu treten.

Körper sprechen lassen

Völker gelingt es, den dargestellten Körper sprechen zu lassen. Seine gemalte Haut hat Seele. Hier zeigt sich die Magie des Künstlers: Selbst Cellulite wird plötzlich spannend und auf eine bestimmte Art so schön, dass man sie gerne ansehen mag und dass dies etwas in einem berührt. "Es geht mir um Vergänglichkeit, um Hinfälligkeit und um die Auseinandersetzung mit Zeit. Als Künstler interessiert mich nicht nur, wie man Runzeln malt, sondern auch: Wie malt man letztlich Tod?", so der 54-Jährige.

Die Kronacher Ausstellung beschäftigt sich darüber hinaus mit einem anderen Thema, das unweigerlich mit Körper und Seele verbunden ist: Es geht um Wunden, um Verletzungen. Cornelius Völker zeigt Blut, Einschnitte in das menschliche Fleisch, blutbefleckte Pflaster und auch Tampons. Cornelius Völker: "Es gibt ja immer zwei Betrachtungsweisen: Die eine zeigt das Pflaster; die andere zeigt das weiße Flies des Pflasters als kleine Miniatur-Leinwand, die mit Blut - oder roter Farbe - bemalt wird. Es geht auch um das Spiel mit Erwartungen. Zum einen möchte ich zeigen, dass nichts zu peinlich oder zu gewöhnlich ist, um es nicht künstlerisch festzuhalten. Und dann interessiert mich: Schafft es die Malerei, die Motive zu erlösen und durch einen veränderten Blickwinkel zu etwas Lustvollem umzuformen?"

Banale Alltagsgegenstände

Das gelingt dem Kunstprofessor in bemerkenswerter Weise, nicht nur mit seiner Darstellung von Haut, Blut und Wunden, wie in Kronach zu sehen, sondern auch dann, wenn er sich der Darstellung scheinbar banaler Alltagsgegenstände widmet.

Die Ausstellung "Hautnah" ist vom 22. September bis 3. November in der Galerie des Kunstvereins in der Kronacher Siechenangerstraße 13 zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr. Die Vernissage findet am 22. September um 18 Uhr statt. Der Künstler wird anwesend sein. Der Eintritt ist frei.

Cornelius Völker, geboren 1965 in Kronach, studierte von 1989 bis 1995 an der Kunstakademie Düsseldorf.Von Mitte der 1990er Jahre an ist Cornelius Völker an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Von 2005 bis 2015 lebte und arbeitete er auch in New York. Seit 2005 ist Cornelius Völker Professor für Malerei an der Kunstakademie Münster. Er lebt und arbeitet heute in Düsseldorf.

1981 wurde der Kronacher Kunstverein von zunächst sieben kunstinteressierten Bürgern, darunter dem heutigen Vorsitzenden Karol J. Hurec und dem Jurymitglied Angela Degen-Madaus, gegründet. Heute zählt der Verein weit über 200 Mitglieder. Nun, im 38. Jahr seit seiner Gründung, wird die 250. Ausstellung eröffnet. Der Verein leistet letztlich einen nachhaltig positiven Beitrag zum kulturellen Leben in Kronach. red

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren