Haßfurt

Geldstrafe verhängt

Im Amtsgericht Haßfurt wurde eine Frau wegen eines Drogen- und Waffendelikts verurteilt. Der Hauptvorwurf ließ sich nicht beweisen.
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Ein großer Erfolg im Kampf gegen die Drogenkriminalität im Landkreis Haßberge gelang den Strafverfolgungsbehörden am 30. August 2016. Bei einer Razzia fanden die Beamten in der Wohnung eines heute 28-Jährigen aus dem Maintal fast 300 Gramm Marihuana, das der Mann in einer Dose unter seinem Bett neben einem Baseballschläger versteckt hatte. Außerdem bewahrte der Mann eine Machete mit einer 44 Zentimeter langen Klinge im Wohnzimmer auf und bunkerte 55 000 Euro mutmaßliches Drogengeld in kleinen Scheinen im Schließfach einer Bank. Wegen bewaffneten Drogenhandels verurteilte das Landgericht in Bamberg den Dealer im April 2017 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und elf Monaten.
Jetzt musste sich seine Ex-Lebensgefährtin vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf Beihilfe zum Drogenhandel sowie illegaler Rauschgift- und Waffenbesitz. Denn im November 2016 durchsuchten die Beamten auch die Wohnung der 28-Jährigen aus dem Maintal. Dabei fanden die Ermittler 1,9 Gramm Haschisch und ein Butterfly-Messer in einem Kinderwagen, für das die Angeklagte keinen Waffenschein hatte. Außerdem soll die Mutter eines kleinen Sohnes für ihren damaligen Lebensgefährten laut Anklage Haschisch verkauft und versucht haben, die aufgefundenen 55 000 Euro als Erbschaft zu deklarieren und somit das Geld reinzuwaschen.
Ihr Verteidiger Jochen Kaller erklärte, dass seine Mandantin den Besitz der 1,9 Gramm Haschisch und des Butterfly-Messers einräume. Vom Vorwurf der Beihilfe distanzierte sich die Angeklagte. Sie sei zwar damals die Lebensgefährtin des Verurteilten gewesen, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem anderen Mann verheiratet war. Sie habe damals selbst Drogen konsumiert und von den Rauschgiftgeschäften gewusst, ohne selbst beteiligt gewesen zu sein, versicherte sie.


Strafverschärfend

Diese Aussage zweifelte ein Ermittler der Kriminalpolizei Schweinfurt im Zeugenstand an. Die Überwachung habe ergeben, dass die Angeklagte sehr wahrscheinlich in den Drogenhandel involviert war. Aus einem Chat-Verlauf gehe hervor, dass sie bis zu 50 Gramm Marihuana von ihrem Ex-Lebensgefährten erwarb, wohl um sie weiterzuverkaufen, so der Beamte. Im Telefongespräch mit einer anderen Ex-Lebensgefährtin des Verurteilten habe sie erwogen, die gefundenen 55 000 Euro als Erlös aus einem Hausverkauf der Mutter oder als Erbauszahlung zu deklarieren.
Der verurteilte 28-Jährige sagte - wie bereits im vorhergehenden Prozess gegen einen Komplizen - nicht gegen seine "Ex" aus. Er sei damals "zweigleisig gefahren" (zwei Freundinnen gleichzeitig). Mit der Angeklagten habe er zwar zusammen konsumiert, aber nie über Drogengeschäfte gesprochen, sagte er.
Das Gericht stellte den Vorwurf der Beihilfe aufgrund der dünnen Beweislage ein. Für den Besitz der geringen Menge an Cannabis und der verbotenen Waffe forderte der Staatsanwalt eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu 15 Euro (1800 Euro) für die nicht vorbestrafte Angeklagte. Ein "kühner Antrag", meinte Verteidiger Kaller, der seinerseits eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen zu zehn Euro für die Minijobberin als angemessen erachtete. Das Gericht blieb mit der Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu zwölf Euro (960 Euro) im Mittelfeld. Der Umstand, dass das Butterfly-Messer und das Kind in einem Raum waren, sei wegen der gesteigerten Gefährlichkeit strafverschärfend, sagte die Richterin Ilona Conver in der Urteilsbegründung zu dem Prozess.
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