Kulmbach
Gericht

Geldstrafe für Beleidigung und ein einmonatiges Fahrverbot

Eine unsichere und schlingernde Fahrweise auf der A 9 bei Himmelkron brachte einem Fachverkäufer aus Dessau (Sachsen-Anhalt) einen Strafbefehl ein. Dagegen legte der 39-jährige Einspruch ein, so dass ...
Artikel drucken Artikel einbetten

Eine unsichere und schlingernde Fahrweise auf der A 9 bei Himmelkron brachte einem Fachverkäufer aus Dessau (Sachsen-Anhalt) einen Strafbefehl ein. Dagegen legte der 39-jährige Einspruch ein, so dass es am Amtsgericht Kulmbach zu einer Verhandlung kam.

Handy benutzt

Der Strafbefehl sah nicht nur eine Geldstrafe für eine Beleidigung vor, denn der Angeschuldigte zeigte während der Fahrt einem vorbeifahrenden Autofahrer den Stinkefinger, sondern er benutzte auch noch sein Handy - wofür ein Fahrverbot von einem Monat ausgesprochen wurde.

Was der Dessauer natürlich nicht wissen konnte, war, dass der Autofahrer ein Polizeibeamter in Zivil war, der mit seiner Familie auf dem Heimweg nach Sachsen war. Er brachte die Straßenverkehrsgefährdung und die Beleidigung zur Anzeige. Gegen den Strafbefehl vom 29. März hatte der 39-jährige Fachverkäufer am Amtsgericht Kulmbach mit Schreiben vom 13. April form- und fristgerecht über seinen Rechtsanwalt Kai-Uwe Müller aus Dessau Einspruch eingelegt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Bayreuth schilderte im Einzelnen, was dem Angeschuldigten bei jener Fahrt auf der A 9 am 28. Januar vorgeworfen wurde. So sorgte dieser mit seiner unsicheren Fahrweise und dem Wechsel der Fahrspuren für eine erhebliche Straßenverkehrsgefährdung, weil er offensichtlich zu sehr mit dem Telefonieren auf seinem Handy beschäftigt war. Dabei wäre es es beinahe zu einer Kollision gekommen, wenn der Polizeibeamte mit seinem Auto nicht noch rechtzeitig ausgewichen wäre.

Der Fachverkäufer schilderte zunächst eine ganz andere Version. Er war auf der Heimfahrt von seiner Lebenspartnerin aus Oberbayern, als er Reifenteilen, die auf der Fahrbahn lagen, ausweichen und auch kurzfristig die Fahrspur wechseln musste. Er berichtete auch davon, dass er von einem Fahrer eines SUV-Modells mit einer, wie er meinte, abartigen Geschwindigkeit überholt wurde. Damit noch nicht genug, denn der Fahrzeuglenker scherte mit einem geringen Abstand vor ihm ein und benutzte dabei auch noch seine Scheibenwischanlage, die den Dessauer in seiner Fahrweise verunsicherte.

Dieser hatte zwar sein Handy im Auto dabei, aber er beteuerte: "Ich habe nicht mit dem Handy telefoniert, sondern ich habe eine Freisprechanlage im Auto." Die Lebenspartnerin war im Auto dabei, aber sie schilderte bei ihrer polizeilichen Vernehmung eine andere Version. Für den Dessauer war das aber ein Racheakt, denn er hatte sich im Sommer von der Freundin aus Oberbayern getrennt, weil sie ihm eine Schwangerschaft vortäuschte. Richterin Sieglinde Tettmann überlegte im Gespräch mit dem Vertreter der Staatsanwalt, ob ein Fortsetzungstermin notwendig sei, um die frühere Lebenspartnerin in den Zeugenstand vorzuladen, um ihre Aussage vor Gericht zu hören. Der Angeschuldigte machte indes deutlich, dass er an einer Lösung interessiert sei, weil er sonst seinen Arbeitsplatz als gefährdet ansieht.

Polizist als Zeuge

Vorerst wurde nur der 46-jährige Polizeibeamte in den Zeugenstand gerufen, der klare Aussagen zur Verkehrsgefährdung machte. So wechselte der Angeschuldigte wiederholt die Fahrspur, geriet dabei mitunter auch auf den Seitenstreifen, und als er diesen kurz hupend überholen wollte, zeigte er ihm den ausgestreckten Mittelfinger.

Der Polizeibeamte hatte zudem weder Reifenteile auf der Autobahn noch ein SUV-Modell gesehen, das den Dessauer auf seiner Fahrt hätte behindern können. Aufgrund dieser konkreten Zeugenaussage verzichtete das Gericht darauf, die ehemalige Lebensgefährtin vorzuladen.

Richterin Sieglinde Tettmann berichtete, dass im Bundeszentralregister keine Eintragungen vorhanden sind, wohl aber im Fahreignungsregister in Flensburg. Hier schlagen fünf Eintragungen zu Buche, dabei auch mehrere Fahrverbote. Der letzte Eintrag stammte vom 24. Mai 2017.

Nach kurzer Beratung mit dem Angeschuldigten zog der Rechtsanwalt den Einspruch seines Mandanten gegen den Strafbefehl zurück. Damit verbleibt es nicht nur bei dem einmonatigen Fahrverbot, sondern auch bei der Geldbuße für die Beleidigung.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren