Herzogenaurach

Geläute für festlich-freudige Stimmung

Vor 70 Jahren wurden zwei Glocken der Kirche St. Maria Magdalena, die im Krieg zerstört wurden, durch neue Exemplare ersetzt.
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Die Glocke mit der heiligen Maria Magdalena
Die Glocke mit der heiligen Maria Magdalena
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Heute vor 70 Jahren, am 24. Juli 1949, wurden die zwei neu gegossenen Glocken für die Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena in Herzogenaurach geweiht. Denn während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Kirchenglocken aus den Kirchtürmen geholt, um die Glockenbronze für Geschosshülsen zu verwenden. Nicht alle kehrten wieder zurück.

Auch die vier Glocken der Herzogenauracher Stadtpfarrkirche mussten im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden. Die 12-Uhr-Glocke mit einem Gewicht von 1050 Kilogramm sowie die Sturm- und Feuerglocke mit 601 Kilogramm wurden vor dem Schmelzofen gerettet und kehrten am 5. Oktober 1947 aus Hamburg zurück, begleitet von Bürgermeister Hans Maier und Rudolf Welzel. Eine Entschädigung für die zwei vermutlich eingeschmolzenen Glocken erhielt die Pfarrei nicht. Daher wurde zur Vervollständigung an zwei weitere Glocken gedacht.

Harmonisches Vierergeläute

Ein Gutachten stellte fest, dass die zwei bestehenden Glocken die Töne "gl" und "al" besitzen. Diese sollten durch Glocken mit der Stimmung "hl" und "d2" ergänzt werden. Dadurch werde ein harmonisch-melodisches Vierergeläute zustande kommen, "das in den Teilgeläuten mannigfache Abwechslung bietet und im Gesamtgeläute mit seinem Dur-Charakter festlich-freudige Stimmung hervorzurufen geeignet ist", ließ Dr. Klein vom Bamberger Ordinariat mitteilen.

In Auftrag gegeben wurden die zwei neuen Bronzeglocken bei der Glockengießerei Ch. Lotter in Bamberg. Die große Glocke mit 325 Kilogramm sollte 2229,50 DM, die zweite mit 180 Kilogramm 1398 DM kosten. Wie die Firma Lotter bestätigte, wurden die Glocken aus Glockenbronze zu 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Zinn hergestellt. Der Guss gelang, und die Glocken wurden nach Herzogenaurach verbracht. Das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg erteilte Stadtpfarrer Leonhard Ritter am 12. Juli die Vollmacht zur Glockenweihe. Die Glockenweihe selbst fand am 24. Juli 1949 statt.

Der Festakt begann mit dem Lied "Ein Haus voll Glorie schauet" und einem Gedicht sowie dem Glockengeläute der alten Glocken vom Turm. In seiner Ansprache zeigte sich Stadtpfarrer Leonhard Ritter hoch erfreut über die Tatsache, das Geläute der Kirche nun vervollständigen zu können. An den darauffolgenden drei Tagen wurden die Glocken montiert.

Zur Finanzierung war rund vier Wochen zuvor ein Kirchenkonzert veranstaltet worden. Ein weiteres Konzert am 24. August erbrachte 181,74 DM an Einnahmen. An der Finanzierung der Glocken beteiligten sich alle Gemeindemitglieder. Spendabel zeigten sich auch viele der Schuhfabriken in Herzogenaurach, deren Namen heute meist nur noch den Eingeweihten bekannt sind. Spenden kamen von den Schuhfabriken Josef Hetzler, Heinrich Schürr, Ort & Kaltenhäuser, Rudolf Dassler, Adolf Dassler, Michael Gehr, Peter Mahr, Georg Ruhmann, Körner, Blendinger und Johann Ort. Aber auch von der Brauerei Hubmann und der Wollfabrik Wirth kamen namhafte Geldbeträge. Den Preis für die kleine Glocke übernahm die Schuhfabrik Georg Ort ganz.

Die Stadtpfarrkirche von Herzogenaurach hatte 1949 wieder ihr komplettes Vierergeläute erhalten, das auch heute noch in der Stadt die Gottesdienstzeiten verkündet. Im November/Dezember 1967 wurde aus Stabilitätsgründen ein eiserner Glockenstuhl eingebaut, der im Jahr 2014 einem Glockenstuhl aus Eiche gewichen ist.

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