Geheime Welt der Fledermäuse

Die Esperhöhle bei Leutzdorf ist ein Eldorado für Fledermausforscher. Zehn Institutionen arbeiten in Forchheim mit dem Landratsamt zusammen und erforschen den Lebensraum von Fledermäusen.
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Diese Fledermaus hat ihren Lebensraum in der Esperhöhle.  Fotos: Carmen Schwind
Diese Fledermaus hat ihren Lebensraum in der Esperhöhle. Fotos: Carmen Schwind
Es ist dunkel an der Esperhöhle bei Leutzdorf. Eigentlich müsste es ruhig sein, doch weit gefehlt. Durch die Lüfte flattern Fledermäuse. In und um die Höhle herum stehen Menschen mit Lampen an der Stirn, die Geräusche aufnehmen, Fledermäuse aus aufgestellten Netzen befreien, um sie dann in Beutel zu stecken, oder die sich die gefangenen Tierchen genauer anschauen, um ihre Art zu bestimmen.
Johannes Mohr, Leiter des Fachbereichs Ökologische Kreisentwicklung und Landschaftspflege im Landratsamt Forchheim, ist mit Interessierten ausgeschwärmt, um Fledermäuse mithilfe eines sogenannten Batcorders zu erfassen und zu bestimmen.


Melodische Rufe

Dieses sensible Aufnahmegerät hatte Frieder Oehme, Leiter der Fledermausmonitoringgruppe in Stadt und Landkreis Forchheim, bereits am Nachmittag im Landratsamt in Ebermannstadt erklärt. Es kann die Rufe quasi als Melodie aufnehmen, woran mit viel Wissen die Fledermausart bestimmt werden kann.
Fledermäuse geben ihre Signale unterschiedlich laut ab. Oehme erklärt, dass in einer Reichweite von etwa fünf Metern beispielsweise die Pechsteinfledermaus oder die Kleine Hufeisennase erkannt werden kann. Den Abendsegler kann das Gerät noch bei einer Entfernung von etwa 40 Metern aufnehmen. Die Zuhörer sind begeistert von Oehmes Erklärungen. Einer davon ist Ralf Schreiber aus Neu-Ulm. Er ist Biologe und Gutachter und möchte zukünftig selbst Fledermaus-Gutachten erstellen können und ehrenamtlich ein ähnliches Monitoring in seiner Heimat etablieren. "Es ist genial, was die in Forchheim da machen. Das ist einzigartig in ganz Bayern", schwärmt Schreiber.


Verstehen und schützen

Denn in Forchheim arbeiten zehn Institutionen mit dem Landratsamt zusammen und erforschen den Lebensraum von Fledermäusen. "Wir sollten die Störungen für Fledermäuse bei Eingriffen in die Natur kennen. Wir wollen sie verstehen und schützen", sagt Frieder Oehme. Gewappnet mit Batcordern, Netzen und anderem Zubehör schlagen die Fledermausinteressierten ihr Lager am Abend in der Espenhöhle auf.
Auch Fledermaus-Koryphäe Corinna von Helversen ist nach Leutzdorf zur Esperhöhle gekommen. Johannes Mohr zeigt, wie die Batcorder aufgestellt und die Netze richtig gespannt werden und verteilt Beutel für die gefangenen Tiere. Dann werden noch Pilze gesammelt und angebraten, während es langsam dunkel wird. Die erste Fledermaus ist gefangen und eine kleine Gruppe um Corinna von Helversen bestimmt anhand eines Kriterienkatalogs die betreffende Art.
Dazu muss der Körperbau genau betrachtet werden. Anhand der großen Ohren ist die Gruppe sicher, dass es sich um ein Langohr handelt. Doch hier gibt es das Braune und das Graue Langohr. Da das Tier einen größeren Daumen, eine stärkere Daumenkralle, keine dunkle Maske und eine breite Schnauze hat, ist schnell klar, dass es sich um ein Braunes Langohr handelt. "Sie kommen häufiger vor und sind ganz leise, weil sie Laub abfliegen und dort Insekten absammeln", erklärt Corinna von Helversen. Die Bestimmungen dauern bis drei Uhr in der Früh. Nach ein paar Stunden Schlaf treffen sich die Teilnehmer wieder im Landratsamt Ebermannstadt und werten mit Frieder Oehme und Johannes Mohr die Ergebnisse aus. Tobias Betsch aus Erlangen erstellt eigentlich Karten am PC, beschäftigt sich aber seit einigen Jahren mit Fledermäusen. Er ist schlichtweg begeistert von der nächtlichen Aktion.
"Die Namen von Helversen, Oehme oder Mohr kennt man eigentlich nur von Büchern. Die hier live zu erleben, ist schon was Besonderes", schwärmt Betsch.


Tolle Bilder

Und er ist begeistert, weil alles praktisch gezeigt wird. Winrich Heidinger aus Erlangen ist dort im Vorstand der Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Er meint: "Frieder Oehme ist mein großes Vorbild."
Er erzählt, wie wichtig beide Methoden sind, um Fledermausarten zu bestimmen. Und dass man viel Wissen haben muss. "Wir wollten das in der Praxis zeigen, denn im Buch sind tolle Bilder, wo man gleich die Art erkennt. In der Praxis ist das schwieriger", erklärt Johannes Mohr. Da nicht sämtliche Arten ins Netz gehen, wird die Untersuchung noch durch die Auswertungen der Batcorder ergänzt.
So konnte im Landkreis bereits eine große Artenvielfalt zutage gebracht werden. Privatleute können durch einen Insektengarten Fledermäusen einen Lebensraum geben oder ihnen am Haus einen Schlupfwinkel bieten. Sie dürfen die Tiere jedoch nicht anfassen, "denn in ganz extremen Einzelfällen könnte ein tollwütiges Tier dabei sein", erklärt Oehme.
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