Burgkunstadt

Gegensätzliche Kunst

Karin Schöntag und Gert Ressel zeigen ihre Werke in der Produzentengalerie.
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Ein Gemälde "ohne Titel" von Karin Schöntag Foto: Mathias H. Walther
Ein Gemälde "ohne Titel" von Karin Schöntag Foto: Mathias H. Walther

Mathias H. Walther "Die Elfte" der Burgkunstadter Produzentengalerie für Gegenwartskunst ist vom 4. bis 18. August zwei Malern gewidmet, die gegensätzlicher nicht sein können. Zum einen der in Kronach lebenden Karin Schöntag, die mit einem Kaleidoskop an Farben ihre Eindrücke in wahren Gefühlslandschaften - mal gegenständlich, mal abstrakt - auf die Leinwand zaubert; zum anderen Gert Ressel, in Burkheim und Köln lebender Lehrstuhlinhaber für Kommunikationsdesign, der sich - angelehnt an Grosz oder Baselitz - mit teils frivoler Text/Bild-Malerei als voyeuristischer Provokateur gibt. Vernissage ist am Samstag, 3. August, ab 17 Uhr in der Räumen der Galerie Am Schönberg in Burgkunstadt. Musikalisch wird die Eröffnung von Susi Schliefer (Lichtenfels) auf der Querflöte begleitet.

Kaleidoskop im Kopf

Karin Schöntag wurde in Breslau in eine Kunsthändlerfamilie geboren, ist in Bayreuth aufgewachsen und lebt seit 1973 in Kronach, wo sie auch arbeitet. Ihre Herangehensweise an ihre Bilder hat sie einmal so beschrieben: "In meinem Kopf ist ein Kaleidoskop - es verwackelt jedes Mal zu einem anderen Muster." So entsteht ein schier unermessliches Repertoire an Werken, die von abstrakten bis zu gegenständlichen Motiven reichen. Ähnlich wie bei ihrem Malstil, der in jedem Bild selbstständig und einzigartig erscheint, ist auch die Auswahl an unterschiedlichen Mischtechniken - von Acryl über Aquarell bis zur Collage.

Die Gemälde Schöntags sind Gefühlslandschaften, die in einem intensiven Arbeitsprozess aus Licht, Farbe und Struktur entstehen. Ihre Bilder verdichten Gesehenes und sind keine naturalistischen Wiedergaben der Realität. "Die oftmals reliefartig ausgearbeitete pastose Oberfläche der Bilder verleiht ihnen dabei etwas Skulpturhaftes und Mehrdimensionales", heißt es in einer Beschreibung ihrer Arbeiten. Die Festlegung auf nur einen bestimmten Stil sei nicht Schöntags Sache und widerspräche auch dem Anspruch der Künstlerin an die Individualität jedes einzelnen Gemäldes. Karin Schöntag ist eine direkte Künstlerin, die in ihrem Werk stets besondere Eindrücke und Stimmungen auffängt, sie oft vor Ort skizziert und anschließend künstlerisch verarbeitet.

Alltagsthemen als Bildmotive

Ganz anders bei Gert Ressel, seines Zeichens Professor Dr. phil. und Kunstwissenschaftler, der in Köln am Studienzentrum der IB-Hochschule seit 2012 die Professur für Kommunikationsdesign innehat. Ressel, der in Burkheim lebt, sind Ausflüge in die explodierende Welt der Farben fremd. Er liebt es, "den Pinsel flach zu halten", verzichtet gänzlich auf den Versuch der perspektivischen Realität zu entsprechen. Seine Bildmotive sind Alltagsthemen, die einfach aber ausdrucksvoll hingeworfen scheinen, einen voyeuristischen Blick auf Frivolitäten aus dem Leben wagen. Gert Ressel ist ein Provokateur, dessen Bildwelten nicht auf die Sprache verzichten. Ganz der Kommunikationsdesigner, ein Gestaltungsprofi, der seine Botschaften mit visuellen Codes so komponiert, dass sie ihre gewollte Wirkung erzielen. Um es mit den Worten der Design-Legende Saul Bass zu sagen: "Design is thinking made visible." So arbeitet Ressel, unterstreicht seine Gemälde mit Textzeilen - oder umgekehrt. Das Ergebnis kann informieren, überzeugen, verführen, unterhalten, warnen, Orientierung stiften oder einfach nur interessant sein. Neben den Werken von Karin Schöntag und Gert Ressel sind Arbeiten der Bildhauerinnen Martina Kreitmeier (Landshut) und Claudia Katrin Leyh (Meiningen) sowie der Bildhauer Patrick Niesel (Nürnberg) und Denis Delauney (Memmelsdorf) zu sehen. Die Ausstellung "Die Elfte" ist samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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