Weiher

Gegen ein Leben auf Pump

Die Ressourcen auf der Erde sind endlich. Wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, den Verbrauch zu senken, erfuhren Realschüler am Montag von einem absoluten Experten.
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Stefan Simonis wollte von den Realschülern wissen, was sie selbst tun können, um die Ressourcen zu schützen. Foto: Uschi Prawitz
Stefan Simonis wollte von den Realschülern wissen, was sie selbst tun können, um die Ressourcen zu schützen. Foto: Uschi Prawitz

"Wie viele von euch haben heute schon Ressourcen genutzt?", fragte Stefan Simonis am Montagmorgen die Fünft- und Sechstklässler der Carl-von-Linde-Realschule. Nur wenige konnten sich unter dem Begriff "Ressourcen" etwas vorstellen. Die meisten stimmten jedoch zu, dass sie am Morgen bereits mit Wasser Kontakt und etwas gefrühstückt hatten oder mit dem Bus oder dem Auto zur Schule gekommen waren.

Stefan Simonis ist Moderator des Vereins "Die Multivision" und referierte unter dem Thema "Reduse" über unseren Umgang mit den Ressourcen der Erde. Mithilfe einer Präsentation, einem aufklärenden Filmbeitrag und durch stetige Interaktion erklärte er den Schülern Begriffe wie Reuse (wiederverwenden), Reduce (reduzieren), Recyceln oder Nachhaltigkeit.

Ein Rechenbeispiel

"Nehmen wir an, ihr habt eine Million Euro auf dem Bankkonto und wollt nie mehr arbeiten. Nehmen wir weiter an, eure Bank ist großzügig und zahlt euch drei Prozent Zinsen. Dadurch stünden euch 2500 Euro  monatlich zur Verfügung, ohne dass ihr eure Reserven angreifen müsst." Würden die Kinder jedoch mit den 2500 Euro monatlich nicht mehr auskommen, würde ihr Vermögen Jahr für Jahr schmelzen, bis nichts mehr da sei. Das haben alle verstanden, umso größer waren die Augen, als Stefan Simonis erklärte, dass der Earth Overshoot Day, das heißt der Tag, an dem die Menschheit die Naturreserven des gesamten Jahres aufgebraucht hat, im Jahr 2018 bereits am 1. August gewesen sei und wir seitdem quasi auf Pump lebten. 1970 lag dieser Termin im Übrigen noch am 21. Dezember.

"Es ist wichtig, dieses Bewusstsein bei den Kindern zu stärken", erklärte der Moderator. "Der Ressourcenverbrauch ist den meisten Menschen, auch den Erwachsenen, gar nicht so bewusst."

Den Schülern stellte er daraufhin die Frage, was man selbst tun könne, um den Ressourcenverbrauch zu verringern. "Modular verbaute Handys nutzen", kam von einem Schüler die Antwort. "Demonstrieren" schlug ein weiterer vor. Einige Schüler drängten auf weniger Papierverbrauch an den Schulen.

Verzicht auf das Auto

Moderator Simonis selbst verzichtet seit drei Jahren auf sein Auto - zunächst tat er das aus ökonomischen Gründen. "Für mich war es anfangs eine große Umstellung, mit dem Fahrrad und einem Hänger einzukaufen, ich wohne ja auch auf dem Land", sagte er. Aber seitdem sehe er seine Entscheidung nur noch positiv: Er sei mehr an der Luft, lebe gesünder, habe keine Gewichtsprobleme und würde nicht nur für sein Auto arbeiten. "Es geht, und es ist wichtig, etwas nicht von vornherein auszuschließen, sondern es einfach mal zu probieren." Man könne ja wieder zurück, wenn es nicht funktioniere, es handele sich schließlich nicht um eine Amputation.

Dabei müsse es nicht gleich der Verzicht aufs Auto sein, man könne im Kleinen etwas tun. "Wichtig ist, dass die Kinder in unserer stark konsumorientierten Gesellschaft Vorbilder haben", sagt der Experte. Mit dem SUV beim Bioladen vorzufahren oder ständig in den Urlaub zu fliegen würde an den Nachwuchs falsche Signale senden. "Wir können nicht erwarten, dass Kinder etwas leben, was Eltern und Lehrer auch nicht machen." Auch könne man bei Kindern nichts mit dem Zeigefinger erreichen, sie müssten ein nachhaltiges Handeln als etwas Selbstverständliches wahrnehmen.

Mit der Multivisions-Aktion, die an der Realschule von der Sparkasse und vom Landkreis finanziell unterstützt wurde, wollten Schulleiterin Monika Hild und ihr Stellvertreter Matthias Höhn die Denkprozesse bei den Schülern anregen. "Wir haben neben dem Unterricht in Mathematik, Deutsch und Englisch noch andere Bildungs- und Erziehungsaufträge", erklärte Höhn. Die Umwelterziehung nehme einen wichtigen Platz ein. "Unser Auftrag ist es, im Sinne unseres Namensgebers die Naturwissenschaften zu stärken. Und die Nachhaltigkeit ist nun einmal in allen naturwissenschaftlichen Fächern angesiedelt", ergänzte Monika Hild.

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