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Hirschaid

Gegen das Chaos an der Haltestelle

An der Hirschaider Realschule sollen Buslotsen fortan auf dem Schulweg die Sicherheit verbessern – eine Mutter hält das für bitter nötig.
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Chaotischer Busausstieg: Jalen Belgrave (Dritter v. li.) und seine Kollegen sorgen künftig für Ordnung an der Bushaltestelle der Hirschaider Realschule.  Foto: Matthias Hoch
Chaotischer Busausstieg: Jalen Belgrave (Dritter v. li.) und seine Kollegen sorgen künftig für Ordnung an der Bushaltestelle der Hirschaider Realschule. Foto: Matthias Hoch

Neongelbe Warnwesten mit silbernen Streifen – die Aufschrift Verkehrshelfer in schwarzen Lettern gut sichtbar in der Mitte. Die neuen Buslotsen der Hirschaider Realschule sind nicht zu übersehen – und das hat seinen Grund. Nicht nur von den Verkehrsteilnehmern, sondern auch von den Mitschülern sollen sie allmorgendlich wahrgenommen werden, wenn sie ihr neues Amt ausüben. Ihre Aufgabe ist es, an den Bushaltestellen und im Schulbus nach dem Rechten zu sehen – anscheinend ist das auch dringend nötig.

"In der Vergangenheit haben Schüler geschubst, gerangelt und den Busfahrer beleidigt – sogar Flaschen sind schon geflogen", fasst Christa Lehmann die Situation auf dem Schulweg zusammen. Die Politesse absolvierte die Ausbildung zur Schulweghelferin und Busbegleiterin und erlebte im Laufe der Jahre schon einiges: So sei einem Mädchen im Bus beispielsweise vom Hintermann der Zopf abgeschnitten worden.

Nun betreut Lehmann die fünf neuen Buslotsen in Hirschaid. "Sie brauchen jemanden, der hinter ihnen steht." Zwei Jahre habe sie für die Umsetzung des Projekts gekämpft – anfangs habe die Schulleitung Bedenken geäußert, dass die verantwortlichen Schüler durch ihre Funktion in eine Außenseiterrolle gedrängt würden. Letztlich habe jedoch die Erkenntnis gesiegt, dass der Einsatz von Buslotsen sinnvoll sei.

Ausbildung und Aufgaben

Zwei Verkehrserzieher der Bamberger Polizei hatten die angehenden Buslotsen in einem vierstündigen Kurs geschult – die Abschlussprüfung im Multiple-Choice-Verfahren bestanden alle fünf Kandidaten. "Für die Aufgabe sind schon Cleverness und persönliches Charisma nötig – ich denke, die fünf sind der Aufgabe gewachsen", sagt Polizistin Tanja Düring. Die Maßnahmen, die ein Buslotse ergreifen könne, seien stets situationsabhängig. Im schlimmsten Fall könne er die Namen der Störer notieren und der Schulleitung melden. Normalerweise sei dies jedoch nicht nötig: "Die Prophylaxe ist Gold wert – wo ein Buslotse ist, passiert im Normalfall nichts." Sollte doch mal ein Vorfall beobachtet werden, gilt für Lehmann: "Die Lotsen dürfen ruhig mal laut werden. Eine klare Ansage, dann ist meistens Ruhe."

Für Jalen Belgrave ist das eine machbare Aufgabe: Der 16-Jährige traut sich das Amt zu. Er meldete sich freiwillig zu der Schulung, da er um die Zustände an den Haltestellen und im Schulbus weiß: "Da fliegen schon manchmal Sachen durch die Gegend. Die Schüler schubsen sich rum und die Kleinen kommen erst zum Schluss rein." Um eine faire Reihenfolge zu gewährleisten, besteht für ihn und seine vier Kollegen die Möglichkeit, die Schultaschen in Abhängigkeit von der Ankunftszeit an der Haltestelle aufreihen zu lassen. Vor der Ankunft des Busses muss er gewährleisten, dass die Markierungslinie – eine Abgrenzung zum Straßenverkehr – nicht übertreten wird. Während die Schulkinder geordnet einsteigen, soll er gelegentlich Blickkontakt zum Fahrer suchen und den Straßenverkehr beobachten. Anschließend steigt er als Letzter zu und beobachtet das Geschehen.

Buslotsen an anderen Schulen

Das Projekt ist kein Einzelfall im Landkreis: Insbesondere an Schulen mit großem Einzugsgebiet, wie beispielsweise in Scheßlitz, gebe es bereits Buslotsen, berichtet Düring. Sie sieht in ihnen eine große Hilfe für den Busfahrer: "Er kann ja nicht jedes Mal anhalten, wenn irgendwas passiert."

Für Lehmann, die selbst ein Kind an der Hirschaider Realschule hat, ist der Kampf für mehr Sicherheit auf dem Schulweg eine Herzensangelegenheit. Sie hat die Hoffnung, dass das Engagement und die Courage von Schülern wie Jalen weitere Personen für das Projekt begeistert. "Dafür setze ich mich ein – schließlich geht es um die Sicherheit der Kinder", sagt sie und ist sichtlich stolz auf das Ergebnis.

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