Lichtenfels

Geduldsfaden reißt ihm zu leicht

18-Jähriger mit "Reiferückständen" verprügelt sogar seine Freunde: "Arrest ist dringend angebracht!"
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Eine vorsätzliche Körperverletzung war am Montag Gegenstand einer Verhandlung am Amtsgericht. Seine Verurteilung sollte der Angeklagte als ungerecht empfinden. Doch schon während der Verhandlung sorgte er für reichlich Kopfschütteln.

Dass er am 14. April dieses Jahres gegen 21.15 Uhr auf dem Gelände des Lichtenfelser Fachmarktzentrums ausfällig wurde, wies der Beschuldigte nicht von sich. So richtig erklären, wieso er einem Bekannten und sogar einem Freund massiv zusetzte, konnte er aber auch nicht. Weil er sich "beleidigt fühlte", so der 18-jährige Lichtenfelser Azubi, habe er einem anderen jungen Mann erst einen Faustschlag ins Gesicht und hinterher sogar noch einen Fußtritt gegen die Nase versetzt. Seinem dieser Szene beiwohnenden Arbeitskollegen hat der dann auch noch "eine Leichte mitgegeben".

So ganz aufzuklären, was den Grund für diese Taten bot, gelang Staatsanwältin Dominique Amend und Richterin Ursula Barausch nicht. Zwei junge Frauen waren an diesem Aprilabend noch dabei gewesen und irgendwie wollte sich der Beschuldigte damals vor ihnen nicht bloßstellen lassen. Doch wegen was genau, das wusste er nicht zu benennen. Dass die rund 1,7 Promille bei dem Täter einen Anteil daran hatten, war aber unstrittig. "Aber das waren doch Freunde von Ihnen - warum schlagen Sie denn Ihre Freunde?", erkundigte sich Richterin Barausch und erhielt vom Teenager zur Antwort, dass es ihm "ziemlich leid täte". Dass das mit dem Leidtun doch nur "Lippenbekenntnis" sei, formulierte im Laufe der Verhandlung Staatsanwältin Amend. Immer wieder betonte der Angeklagte, dass ihm der Vorfall "auf jeden Fall leid tue", jedoch hatte er im Gegenzug nichts vorzuweisen, das auf eine geläuterte Gesinnung schließen ließ.

Notenschnitt von 4,0

Nicht nur, dass der Auszubildende nun schon zum siebten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, er blieb auch daraus resultierende Bußgeldzahlungen schuldig. Als sonderlich lerneifrig schilderte er sich selbst auch nicht und betrachtete seinen Notenschnitt von rund 4,0 für ausreichend. "Sie sind ein wenig lasch im Umgang mit allem", kommentierte Ulrike Barausch das Gehörte. Dass seinem Opfer nicht mehr als ein blaues Auge geschehen ist, schilderte sie ihm zudem als eher zufälligen Umstand, es hätte leicht Schlimmeres passieren können.

Nach seinem Gemüt befragt, ließ der Beschuldigte anhand von Alltagsgeschichten auch durchblicken, dass sein Geduldsfaden nicht sonderlich lang ist. Schon wenn seine Schwester nach dem Föhn frage, "nerve" ihn das. "Sie waren ja bei der Jugendgerichtshilfe und haben gesagt, dass Sie Angst vor Arrest haben, die ist nicht ganz unbegründet", setzte ihm Barausch daraufhin auseinander und schloss mit einer Frage: "Jetzt haben Sie sieben Eintragungen mit knapp 18 - wann wollen Sie denn mal erwachsen werden?"

Gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, vorsätzliche Körperverletzung oder Hausfriedensbruch lauteten die bisherigen Delikte. Für Dominique Amend war der Fall in Bezug auf das Wesen des Angeklagten klar: Sie sah "Reiferückstände" und ein Naturell, das "weit davon entfernt" sei, das eines Erwachsenen zu sein. Eine Geldauflage reiche aus ihrer Sicht nicht mehr zur Ahndung. "Arrest ist dringend angebracht!"

Gegen einen solchen sprach sich der Beschuldigte aus und führte ins Feld, dass er dann am Wochenende nicht seinem Hobby nachgehen könne. "Das macht mich gerade so sauer", äußerte er zu der Vorstellung, ein oder zwei Wochenenden in Gewahrsam verbringen zu müssen. Nach Ansicht von Amend wären zwei Wochenenden von Freitagmittag bis Sonntagabend angebracht, zudem 50 Arbeitsstunden und die verbindliche Teilnahme an einem sozialen Projekt.

Das Urteil sollte etwas milder ausfallen: Ein Freizeitarrest über ein Wochenende, dazu eine sechsmonatige Teilnahme an einer sozialen Trainingsmaßnahme nebst 25 Arbeitsstunden wurden verhängt.



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