Schwärzdorf

Gedenkstein für ein Mordopfer

In der Nähe des früheren Grenzstreifens wird an einen ermordeten Bürger aus Schwärzdorf bei Mitwitz erinnert.
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Der wieder aufgestellte Gedenkstein für den ermordeten Gg. Büttner in nächster Nähe der Landesgrenze Bayern/Thüringen Fotos: K.D. Zeutschel; Archiv R. Graf
Der wieder aufgestellte Gedenkstein für den ermordeten Gg. Büttner in nächster Nähe der Landesgrenze Bayern/Thüringen Fotos: K.D. Zeutschel; Archiv R. Graf
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"Minen im Bereich des ehemaligen Grenzstreifens". So titelte der Fränkische Tag im Juni 1991 in einer Mitteilung, in der eindringlich darauf hingewiesen wurde, den Grenzstreifen zur einstigen DDR zu meiden. Wegen bestehender Todesgefahr sollten Wanderer, Spaziergänger, Beerensammler etc. auf keinen Fall den ehemaligen Grenzstreifen betreten, da in diesem Bereich noch immer mit Minen gerechnet werden musste. Als besonders minengefährtete Abschnitte im Landkreis Kronach sind unter anderem die Grenzabschnitte bei Schwärzdorf, Bächlein, Mostholz, Burggrub und Stockheim aufgeführt.
Aufgrund dieser Mitteilung hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, als ich bei meinen Feldforschungen im Raume Mitwitz den Hinweis erhielt, dass sich in der Nähe des Grenzstreifens zwischen dem fränkischen Schwärzdorf und dem thüringischen Sichelreuth ein Gedenkstein befinde, der an einen ermordeten Bürger aus Schwärzdorf bei Mitwitz erinnere. Die Informationen meiner Gewährsleute an den Gedenkstein stützten sich allerdings auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und vor der Befestigung der Grenze mit Kolonnenweg und Todesstreifen. Ob dieser Gedenkstein noch an Ort und Stelle war?


Gemischte Gefühle

In Begleitung meines Informanten Albin Engel aus Schwärzdorf wagte ich den Versuch, den Gedenkstein aufzuspüren. Das erste Teilstück auf Thüringer Gebiet konnten wir relativ sicher mit dem Pkw auf dem Kolonnenweg zurücklegen. Gemischte Gefühle beschlichen mich jedoch, als wir auf einen Waldweg abbiegen mussten. Es folgte eine kurze Strecke zu Fuß, bei der wir durch Niederholz und Gestrüpp laufen mussten. Schließlich, am Waldrand angekommen, trafen wir auf eine am Boden liegende, mit Ästen halb überdeckten Sandsteinplatte. Ob dies unser gesuchter Gedenkstein war? Mit vereinten Kräften richteten wir den Stein auf und stellten zu unserer Freude fest, dass unsere Suche von Erfolg gekrönt war. Die eingemeißelte Inschrift hatte sich gut erhalten und lautete: "Hier starb am 21. Mai 1850 Gg. Büttner von Unterschwärzdorf".
Da sich der Gedenkstein, der bislang in keiner Fachliteratur verzeichnet war, auf Thüringer Seite befand, informierte ich den Bodendenkmalpfleger von Sonneberg, Thomas Schwämmlein. Bei einer Besichtigung vor Ort waren sich beide Heimatpfleger sehr schnell einig geworden, diesen Stein in einer gemeinsamen Aktion wieder aufzustellen, um ihn der Nachwelt zu erhalten.
Am 20. Juli 1991 war es schließlich so weit. Eine Abordnung vom Arbeitskreis für Heimatpflege des Landkreises Kronach mit Werner Lang, Rudolf Lang und Konrad Ruppert traf sich vor Ort mit den Heimatfreunden aus Südthüringen.
Gemeinsam machten wir uns ans Werk, reinigten den Gedenkstein und stellte ihn an der Fundstelle wieder auf. Während einer anschließenden Brotzeit vor Ort ergaben sich sinnvolle Gespräche zum Thema Heimatkunde beiderseits der Grenze. So konnte ich den Anwesenden davon berichten, dass ich in der Zwischenzeit auch eine Umfrage in den Thüringer Orten Gefell und Sichelreuth geführt hatte mit dem Ergebnis, dass sich die Geschichte von diesem Mord bis heute erhalten hat. Weiterhin konnte ich in Erfahrung bringen, dass es zu dieser Mordtat noch einen weiteren Gedenkstein gibt, der am alten Waldweg von Gefell nach Sichelreuth steht, etwa 50 Meter vom Föritzfluss entfernt. Seine Inschrift besagt: "Hier empfing einen tödlichen Schlag Joh. Gg. Büttner von Unterschwärzdorf 1850".


Nur ganz selten

Die beiden Steine markieren damit die Wegstrecke, die der Schwerverletzte noch zurücklegen konnte, ehe er verstarb. Im Sterberegister der Pfarrei Mitwitz findet man zum gewaltsamen Tod folgende Hinweise: Johann Georg Büttner, lediger Bauerssohn protestantischen Standes, wohnte in Schwärzdorf Nr. 9. Als Todesursache wird Verletzung der Hirnschale durch einen Schlag angegeben. Er starb am 21. Mai mittags 12 Uhr im Alter von 26 Jahren und vierzehn Tagen. Am 24. Mai trug man ihn auf dem Friedhof von Mitwitz zu Grabe.
In der deutschen Flurdenkmallandschaft gibt es nur ganz wenige Beispiele, in denen zwei Gedenksteine für das gleiche Geschehen errichtet wurden. Deshalb fanden die beiden Steine von Sichelreuth/Gefell ihre Aufnahme in die Liste der Bodendenkmäler des Landkreises Sonneberg.
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